Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat bei einem Treffen mit CIA-Direktor John Ratcliffe auf ein umfassendes Abkommen zur Beendigung der Iran-Krise gedrängt und zugleich die amerikanisch-ägyptische Sicherheitskooperation auf Sudan, Somalia und den internationalen Schiffsverkehr ausgeweitet. Das Gespräch fand am 20. September 2026 in Kairo statt. Neben Gaza und Iran standen damit zwei der schwersten Konfliktfelder Afrikas sowie das Horn von Afrika auf der Agenda der Geheimdienstchefs. An dem Treffen nahm auch Hassan Rashad, Leiter des ägyptischen Allgemeinen Nachrichtendienstes, teil.
Kairo drängt auf politische Lösung mit Iran
Sisi sprach sich für ein umfassendes Abkommen aus, das die Krise mit Iran beenden, die regionale Sicherheit stabilisieren und die freie internationale Schifffahrt gewährleisten soll. Regionale Konflikte müssten auf politischem und diplomatischem Weg gelöst werden, erklärte der ägyptische Präsident. Zugleich bekräftigte er seine Ablehnung von Angriffen auf arabische Staaten.
Die Forderung fällt in eine erneut angespannte Phase des Konflikts. Der Krieg zwischen den USA und Iran dauert seit den amerikanisch-israelischen Angriffen vom Februar an. Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus ist stark eingeschränkt, während neue Spannungen im Jemen auch die Route durch das Rote Meer und den Bab al-Mandab belasten. Reuters berichtete am Wochenende zudem von gegenseitigen Drohungen Washingtons und Teherans und weiterhin stockenden Bemühungen um eine politische Vereinbarung.
Für Ägypten berühren diese Konflikte auch unmittelbare wirtschaftliche Interessen. Unsicherheit an der Straße von Hormus und am Bab al-Mandab beeinträchtigt internationale Handelsrouten, die über das Rote Meer zum Suezkanal führen.
CIA und ägyptischer Geheimdienst wollen enger koordinieren
Ratcliffe erklärte nach Darstellung des ägyptischen Präsidialamts, die US-Regierung wolle ihre enge Zusammenarbeit mit Kairo fortsetzen. Hervorgehoben wurde insbesondere die bestehende Kooperation zwischen der CIA und dem ägyptischen Allgemeinen Nachrichtendienst in den Bereichen Terrorismusbekämpfung, organisierte Kriminalität und grenzüberschreitende Kriminalität.
Beide Seiten wollen außerdem ihre Einschätzungen und Informationen zu regionalen Entwicklungen stärker austauschen. Ein neues formelles Geheimdienstabkommen wurde nicht angekündigt.

Die Gespräche zeigen jedoch die geografische Breite der Zusammenarbeit. Neben dem Nahen Osten wurden Sudan, Somalia, das Horn von Afrika und die Sicherheit internationaler Seewege ausdrücklich als Felder weiterer amerikanisch-ägyptischer Koordination genannt. Ratcliffe würdigte dabei nach Angaben Kairos Ägyptens Rolle bei Sicherheitsfragen auf dem afrikanischen Kontinent.
Sudan wird Teil der amerikanisch-ägyptischen Sicherheitsagenda
Beim Krieg im Sudan bekräftigte Sisi die ägyptische Position zugunsten der staatlichen Einheit und der bestehenden nationalen Institutionen. Souveränität und territoriale Integrität seien für Kairo nicht verhandelbar, erklärte das Präsidialamt.
Ägypten beteiligt sich an mehreren diplomatischen Formaten zur Beendigung des Krieges und unterstützt nach eigener Darstellung einen politischen Prozess.
Kairo hatte diese Linie wenige Tage zuvor auch gegenüber Saudi-Arabien und den Vereinten Nationen vertreten. Beim Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete Sisi Eingriffe in die Einheit und Souveränität Sudans als rote Linie. Im Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman betonten beide Staaten ebenfalls die Erhaltung sudanesischer Institutionen und der territorialen Einheit des Landes.
Die Einbeziehung Sudans in das Treffen mit dem CIA-Direktor macht den Konflikt damit auch zu einem festen Bestandteil der bilateralen Sicherheitskonsultationen zwischen Washington und Kairo.
Somalia und das Horn von Afrika im Blick der Geheimdienste
Auch Somalia stand auf der Agenda. Sisi bekräftigte die ägyptische Unterstützung für die Souveränität und territoriale Integrität des Landes und wies Eingriffe in diese zurück. Ratcliffe sprach sich nach Angaben des ägyptischen Präsidialamts für fortgesetzte Konsultationen zu Somalia und zum gesamten Horn von Afrika aus.
Damit verbindet das Treffen mehrere bisher häufig getrennt behandelte Konfliktfelder. Sudan liegt an Ägyptens Südgrenze. Somalia und das Horn von Afrika grenzen an die Sicherheitsarchitektur des Roten Meeres. Gleichzeitig haben die Auseinandersetzungen im Jemen die Risiken für die Schifffahrt am Bab al-Mandab erneut erhöht.
Gaza bleibt zweites großes Vermittlungsfeld
Im Gaza-Konflikt forderte Sisi die vollständige Umsetzung der zweiten Phase des von US-Präsident Donald Trump vorgelegten Plans zur Stabilisierung der Waffenruhe. Dazu gehörten nach ägyptischer Darstellung die Sicherung des Waffenstillstands, der Schutz von Zivilisten und ein ausreichender, dauerhafter Zugang für humanitäre Hilfe.
Kairo verlangt darüber hinaus die Wiederaufnahme eines politischen Prozesses auf Grundlage einer Zweistaatenlösung. Ratcliffe würdigte Ägyptens Rolle beim Zustandekommen der Gaza-Waffenruhe und bei den anschließenden Vermittlungsbemühungen.
Die Gespräche mit dem CIA-Direktor folgten auf mehrere hochrangige Kontakte Kairos innerhalb weniger Tage. Am 15. September hatte Sisi mit dem saudischen Kronprinzen über Gaza, Sudan und regionale Sicherheit gesprochen. Wenige Tage zuvor waren beim BRICS-Gipfel ebenfalls Iran, Gaza und die Sicherheit internationaler Seewege Thema seiner Gespräche gewesen.

