Somaliland wirbt in Washington um US-Anerkennung – Berbera als strategisches Angebot

Somaliland macht Washington ein strategisches Angebot: Zugang zu Berbera, maritime Sicherheit am Golf von Aden und engere Wirtschaftsbeziehungen. Präsident Irro verbindet das mit einer klaren Forderung an die USA – der Anerkennung Somalilands.

Somalilands Präsident Abdirahman Mohamed Abdullahi Irro hat den Vereinigten Staaten eine engere Sicherheits- und Wirtschaftspartnerschaft angeboten und Washington zugleich zur Anerkennung Somalilands aufgefordert. Bei einem Auftritt am 14. September 2026 im Hudson Institute in Washington stellte Irro den Hafen Berbera, die Lage am Golf von Aden und Somalilands Nähe zum Bab al-Mandab als strategische Vorteile für die USA heraus. Eine Anerkennung würde nach seinen Worten formelle Sicherheits- und Anti-Terror-Kooperation sowie den Zugang zu amerikanischen Entwicklungs- und Handelsinstrumenten ermöglichen. Mogadischu lehnt Somalilands Unabhängigkeit weiterhin ab und betrachtet das Gebiet als Teil Somalias. 

Irro bietet den USA Zugang zu Berbera an

Irro präsentierte Somaliland als zusätzlichen amerikanischen Partner an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Der modernisierte Tiefwasserhafen Berbera stehe den Vereinigten Staaten zur Verfügung, sagte der Präsident. Somaliland biete Washington damit „eine zusätzliche verlässliche Option“ am Golf von Aden.

Der Hafen wurde mit Investitionen des emiratischen Logistikkonzerns DP World ausgebaut. An Berbera schließt sich eine Wirtschaftszone an. Der Korridor soll langfristig einen stärkeren Zugang zum äthiopischen Markt mit mehr als 120 Millionen Einwohnern ermöglichen.

Irro erklärte, seine Regierung arbeite derzeit an einem Handels- und Transitabkommen mit Äthiopien. Damit solle der Warenverkehr über Berbera ausgeweitet werden. Als Schwachstelle nannte er die Verkehrsinfrastruktur zwischen dem Hafen und Äthiopien. Im Vergleich zu Dschibuti fehlten insbesondere eine Eisenbahnverbindung und leistungsfähigere Straßen.

Dschibuti wickelt bislang den weitaus größten Teil des äthiopischen Außenhandels ab. Somaliland versucht seit Jahren, Berbera als alternative Route für den Binnenstaat zu etablieren.

Huthi-Bedrohung rückt Somaliland in den Fokus

Irro verband sein Angebot an die USA ausdrücklich mit der Sicherheitslage am Roten Meer und am Bab al-Mandab. Angriffe auf Handelsschiffe und die anhaltende Bedrohung durch die Huthi in Jemen hätten die Verwundbarkeit der internationalen Handelswege deutlich gemacht.

Somaliland könne bei maritimer Sicherheit, Abschreckung und dem Schutz der internationalen Schifffahrt eine Rolle übernehmen, sagte er. Seine Regierung sei zu einer engeren Sicherheitspartnerschaft mit den Vereinigten Staaten und anderen Partnern bereit.

„Wir spüren die Bedrohung“, sagte Irro mit Blick auf die Huthi. Berichte von Partnern deuteten auf Kontakte zwischen der jemenitischen Bewegung und der Al-Qaida-nahen Al-Shabaab hin. Einen solchen Zusammenhang könne Somaliland selbst jedoch nicht belegen.

Die eigene Küstenwache sei zwar klein und verfüge nicht über große Schiffe, habe aber über Jahre die Gewässer Somalilands geschützt. Irro führte die vergleichsweise stabile Sicherheitslage zudem auf die Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung und Sicherheitsbehörden zurück.

Anerkennung soll Sicherheitskooperation formalisieren

Der Präsident machte deutlich, dass sein Werben um amerikanische Anerkennung eng mit konkreten wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Angeboten verbunden ist.

„Die Anerkennung ist nicht in erster Linie eine Frage von Flaggen und Zeremonien. Es ist eine Frage des Zugangs“, sagte Irro. Sie würde nach seiner Darstellung Entwicklungsfinanzierung und Handelsmechanismen öffnen, die amerikanische Unternehmen bei Auslandsinvestitionen nutzen. Zugleich könnte die bislang informelle Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Terrorismusbekämpfung formell geregelt werden. 

Irro verwies darauf, dass Vertreter des US-Afrika-Kommandos AFRICOM Somaliland bereits besucht hätten. Amerikanische Unternehmen interessierten sich seinen Angaben zufolge unter anderem für den Hafen sowie für den Bergbau.

Bei den Rohstoffen blieb der Präsident zurückhaltender. Somaliland benötige zunächst eine umfassendere geologische Erkundung. Zugleich erklärte er, das Gebiet verfüge über Öl- und Gasvorkommen an Land und vor der Küste. Britische und arabische Unternehmen hätten bereits Interesse gezeigt.

Israel ist bislang einziger UN-Staat mit Anerkennung

Somaliland erklärte 1991 nach dem Zusammenbruch des somalischen Staates erneut seine Unabhängigkeit. Seitdem verfügt das Gebiet über eigene staatliche Institutionen, Sicherheitskräfte, eine Währung und regelmäßige Wahlen, blieb international jedoch weitgehend ohne diplomatische Anerkennung.

Im Dezember 2025 erkannte Israel Somaliland als erster Mitgliedstaat der Vereinten Nationen als unabhängigen Staat an. Der Schritt hing nach einer Analyse des Afrika-Forschers Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik eng mit Israels Sicherheitsinteressen am Roten Meer und der Lage Somalilands gegenüber dem von den Huthi kontrollierten Teil Jemens zusammen. Ein von Hargeisa erhoffter Dominoeffekt weiterer Anerkennungen blieb bislang aus. 

Irro schilderte in Washington, dass er im Mai 2025 Staats- und Regierungschefs weltweit schriftlich um Anerkennung gebeten habe. Israel habe positiv reagiert. Dänemark habe Somalilands Entwicklung gewürdigt, eine Anerkennung jedoch abgelehnt.

Die Beziehungen zu Taiwan, die Somaliland 2020 aufgenommen hatte, bezeichnete der Präsident ebenfalls als strategisch. Trotz chinesischen Drucks werde Hargeisa daran festhalten. Taiwan unterstütze Somaliland unter anderem bei Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft und beim Aufbau eines Rechenzentrums.

Washington hält bislang an Somalias territorialer Integrität fest

Die US-Regierung hat Somaliland bislang nicht als unabhängigen Staat anerkannt. Die wissenschaftliche Analyse von Gerrit Kurtz verweist darauf, dass die Vereinigten Staaten zwar Israels Entscheidung im UN-Sicherheitsrat verteidigten, zugleich aber erklärten, ihre eigene Position habe sich nicht verändert. 

Somalias Bundesregierung versucht parallel, Washington von einem Kurswechsel abzuhalten. Staatsminister Ali Mohamed Omar erklärte Anfang September, Mogadischu stehe mit den USA regelmäßig über die territoriale Integrität Somalias und die strategische Zusammenarbeit beider Länder im Austausch.

Somaliland und Somalia führten über Jahre Gespräche über ihr Verhältnis. Irro sagte in Washington, diese hätten keine Einigung gebracht, weil die grundlegenden Ziele unvereinbar geblieben seien. Hargeisa habe auf die Wiederherstellung seiner staatlichen Souveränität gezielt, Mogadischu auf die Beibehaltung der staatlichen Einheit.

Die wissenschaftliche Analyse zur Staatsbildung in Somalia und Somaliland verweist zugleich auf Grenzen des somaliländischen Staatsprojekts. Nach Kämpfen um Las Anod verlor Hargeisa die Kontrolle über einen erheblichen Teil des von Somaliland beanspruchten Ostens. Die dortige Verwaltung schloss sich Somalia an und wurde später zum neuen Bundesstaat North East erklärt. 

Irro stellte in Washington eine politische Lösung in Aussicht. Seine Regierung wolle die Konflikte im Osten durch Dialog lösen und keine Gebiete mit Gewalt zurückerobern.

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