Saudis Kronprinz für Unterstützung gegen Huthis in Kairo: Ägypten prüft Beitritt zum Mekka-Pakt

Ägypten erklärt die Sicherheit Saudi-Arabiens und der Golfstaaten zum Teil seiner eigenen nationalen Sicherheit. Besonders deutlich fällt der Schulterschluss beim Sudan und beim Schutz der Schifffahrtswege im Roten Meer aus.

Ägypten und Saudi-Arabien haben ihre sicherheitspolitische Abstimmung deutlich vertieft und gemeinsame Positionen zu Sudan, Jemen, Gaza sowie zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer formuliert. Die Gespräche zwischen Präsident Abdel Fattah al-Sisi und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman fanden am 15. September 2026 in Kairo statt. Ägypten erklärte die Sicherheit Saudi-Arabiens und der Golfstaaten zum Bestandteil seiner eigenen nationalen Sicherheit und unterstützte den Schutz der Seewege durch die Straße von Hormus, Bab al-Mandab und das Rote Meer. Beim Sudan stellten sich beide Regierungen hinter die staatlichen Institutionen und lehnten es ausdrücklich ab, die sudanesischen Streitkräfte mit Milizen oder parallelen Machtstrukturen gleichzusetzen. 

Kairo erklärt Golf-Sicherheit zum eigenen Sicherheitsinteresse

Al-Sisi empfing Mohammed bin Salman zu einem Arbeitsbesuch in der ägyptischen Hauptstadt. Nach einem Gespräch unter vier Augen folgten Beratungen der Delegationen beider Länder.

Die ägyptische Präsidentschaft formulierte den sicherheitspolitischen Schulterschluss ungewöhnlich deutlich. Die Sicherheit Saudi-Arabiens und der übrigen Golfstaaten sei „ein integraler Bestandteil der nationalen Sicherheit Ägyptens“. Kairo lehne Angriffe oder Drohungen gegen die Souveränität, Stabilität und territoriale Integrität Saudi-Arabiens ebenso ab wie Beeinträchtigungen der internationalen Schifffahrt. 

Beide Seiten verlangten eine engere Abstimmung angesichts der gegenwärtigen regionalen Konflikte. Al-Sisi sagte Saudi-Arabien zudem Unterstützung für Maßnahmen zur Sicherung des Königreichs zu.

Der Besuch fällt in eine Phase neuer Spannungen um Jemen und das Rote Meer. Die Huthi haben zuletzt Gebietsgewinne an der jemenitischen Küste erzielt und erneut die saudische Sicherheit sowie wichtige Schifffahrtswege unter Druck gesetzt. Damit ist auch der Bab al-Mandab, die Meerenge zwischen Jemen und dem Horn von Afrika, erneut stärker in den Mittelpunkt der regionalen Sicherheitspolitik gerückt. 

Sudan wird zur gemeinsamen Sicherheitsfrage

Besonders klar positionierten sich Ägypten und Saudi-Arabien zum Krieg im Sudan. Beide Regierungen bekräftigten ihre Unterstützung für die Einheit, Sicherheit und territoriale Integrität des Landes.

Dabei ging die gemeinsame Erklärung über allgemeine Appelle zur Beendigung des Krieges hinaus. Kairo und Riad betonten den Vorrang der staatlichen Institutionen des Sudan und lehnten es ab, die sudanesischen Streitkräfte mit „Milizen oder anderen illegitimen parallelen Einheiten“ gleichzusetzen.

Damit beziehen beide Staaten Position in einem zentralen Streit um die internationale Behandlung des Konflikts zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces.

Jede Bedrohung der Einheit oder territorialen Integrität des Sudan gefährde auch die kollektive Sicherheit Ägyptens, Saudi-Arabiens und der übrigen Region, erklärten beide Seiten.

Für Ägypten besitzt der Krieg unmittelbare sicherheitspolitische Bedeutung. Der Sudan grenzt im Süden direkt an Ägypten. Zugleich berührt der Konflikt die Stabilität des Roten Meeres und damit eine Region, in der sowohl Kairo als auch Riad strategische und wirtschaftliche Interessen verfolgen.

Rotes Meer verbindet ägyptische und saudische Interessen

Al-Sisi und Mohammed bin Salman forderten die Sicherung der freien Schifffahrt durch die Straße von Hormus, den Bab al-Mandab und das Rote Meer.

Die Entwicklung trifft Ägypten unmittelbar. Der Suezkanal ist eine wichtige Quelle für Deviseneinnahmen des Landes. Störungen der Schifffahrt im Roten Meer haben die Einnahmen bereits erheblich belastet. Nach Angaben der Suezkanalbehörde verlor Ägypten zwischen 2023 und 2024 rund sieben Milliarden Dollar an Kanaleinnahmen. 

Saudi-Arabien ist seinerseits auf sichere Transportwege für Energieexporte angewiesen. Die jüngste Eskalation in Jemen und Angriffe auf saudische Infrastruktur haben die Frage nach regionaler Abschreckung und alternativen Sicherheitsarrangements erneut verschärft. 

Beide Regierungen unterstützen zugleich eine politische Lösung des Jemen-Konflikts. Al-Sisi stellte sich hinter entsprechende Bemühungen Saudi-Arabiens.

Ägypten bleibt außerhalb des Mekka-Pakts

Der engere Schulterschluss mit Saudi-Arabien findet vor dem Hintergrund einer Neuordnung regionaler Sicherheitsbeziehungen statt. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan unterzeichneten am 7. August den sogenannten Mekka-Pakt. Das Abkommen sieht vor, einen bewaffneten Angriff auf einen der drei Staaten als Angriff auf alle Vertragspartner zu behandeln. 

Ägypten gehört dem Bündnis bislang nicht an. Außenminister Badr Abdelatty erklärte im August, Kairo prüfe einen Beitritt sehr ernsthaft, müsse jedoch zunächst verfassungsrechtliche und andere rechtliche Verpflichtungen untersuchen. 

Die ägyptische Zurückhaltung entspricht einer länger verfolgten Strategie, sich bei formellen Militärbündnissen Handlungsspielraum zu erhalten. Eine Analyse von Chatham House beschreibt Ägypten stärker als Vermittler, der offene Kanäle zu unterschiedlichen regionalen Akteuren bewahren will. Ein Beitritt zum Mekka-Pakt könnte diese Position gegenüber Staaten wie Iran, Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Griechenland oder Zypern erschweren. 

Die Gespräche mit Mohammed bin Salman zeigen zugleich, dass Ägypten auch ohne formelle Mitgliedschaft seine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Riad ausbaut.

Auch die Türkei ist militärisch wieder näher an Ägypten gerückt

Parallel hat sich das Verhältnis zwischen Kairo und Ankara grundlegend verändert. Nach fast einem Jahrzehnt politischer Rivalität haben Ägypten und die Türkei ihre militärische Zusammenarbeit seit 2025 stark ausgeweitet.

Im laufenden Jahr fanden gemeinsame Luftwaffenübungen sowie Manöver von Spezialkräften statt. Beide Regierungen vereinbarten zudem eine engere Kooperation ihrer Rüstungsindustrien. Die Annäherung umfasst inzwischen auch Gespräche über regionale Konflikte in Libyen, Sudan, Somalia und am Roten Meer. 

Damit arbeitet Ägypten inzwischen eng mit allen drei Unterzeichnern des Mekka-Pakts zusammen, ohne selbst dessen Beistandsverpflichtung übernommen zu haben.

Gaza und Palästinenserfrage bleiben gemeinsames Thema

Al-Sisi und Mohammed bin Salman bekräftigten auch ihre gemeinsame Haltung zum israelisch-palästinensischen Konflikt. Beide Regierungen unterstützen weiterhin eine Zwei-Staaten-Lösung auf Grundlage internationaler Resolutionen.

Sie verlangten außerdem die Umsetzung der zweiten Phase des Friedensplans des US-Präsidenten sowie der Resolution 2803 des UN-Sicherheitsrats. Zugleich forderten sie ausreichende humanitäre Hilfslieferungen in den Gazastreifen und ein Ende israelischer Maßnahmen in Gaza, im Westjordanland und in Ostjerusalem, die sie als Verstöße gegen internationales Recht bewerten.

Neben den Sicherheitsfragen vereinbarten beide Seiten, Hindernisse für Handel und Investitionen zwischen Ägypten und Saudi-Arabien abzubauen. Die Regierungen wollen dazu konkrete Maßnahmen entwickeln und die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausweiten.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share