Junge Afrikaner blicken optimistisch auf Trump – China genießt mehr Vertrauen in Afrika

Trump gewinnt unter jungen Afrikanern deutlich an Zustimmung. Doch China wird als positiverer und bevorzugter Partner bewertet. Eine neue Umfrage zeigt wachsenden Pragmatismus, hohe Erwartungen und anhaltendes Misstrauen gegenüber den USA.

Eine Mehrheit junger Menschen in 16 afrikanischen Ländern erwartet von Donald Trumps zweiter Amtszeit positive Impulse für Sicherheit, Handel, politische Beziehungen und Jugendförderung. Die zugrunde liegenden Interviews wurden im März 2026 geführt. Gleichzeitig bewerten die Befragten Chinas Einfluss deutlich positiver als den der USA und äußern Sorgen über Washingtons Rohstoffpolitik in Afrika und die Folgen des Rückbaus der US-Entwicklungsbehörde USAID. Das zeigt die African Youth Survey 2026 mit knapp 5.000 Befragten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren.

Mehrheit erwartet Vorteile von Trumps Politik

Jeweils 60 Prozent der Befragten sind sehr oder eher optimistisch, dass Trumps Regierung die Jugendförderung sowie die Sicherheitszusammenarbeit und Terrorismusbekämpfung in ihren Ländern verbessern wird. Bei den Handelsbeziehungen und der Unterstützung demokratischer Strukturen liegt der Anteil bei jeweils 59 Prozent.

Von der militärischen Unterstützung, der Entwicklungszusammenarbeit sowie den politischen Beziehungen zu Washington erwarten jeweils 58 Prozent positive Auswirkungen.

Damit haben sich die Erwartungen gegenüber der Zeit vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 deutlich verändert. In der damaligen Befragung schnitt Joe Biden in allen untersuchten Politikfeldern besser ab. Je nach Bereich erwarteten 42 bis 44 Prozent Vorteile von einer weiteren Biden-Regierung. Nur 23 bis 24 Prozent hielten Trump für die bessere Wahl.

Die neuen Zahlen bedeuten jedoch keine uneingeschränkte Zustimmung zur amerikanischen Politik. Sie zeigen vielmehr, dass viele Befragte zwischen der Person Trump, den Interessen der USA und möglichen wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen Vorteilen für ihre eigenen Länder unterscheiden.

USA gelten als einflussreichste Macht

Der Anteil der Befragten, die den USA Einfluss in Afrika zuschreiben, ist von 74 Prozent im Jahr 2024 auf 81 Prozent gestiegen. Damit liegen die Vereinigten Staaten knapp vor China, dessen Einfluss von 79 Prozent wahrgenommen wird.

Bei der Bewertung dieses Einflusses schneidet China jedoch besser ab. Unter den Befragten, die China Einfluss zuschreiben, beurteilen 95 Prozent diesen als positiv. Bei den USA sind es 85 Prozent. China wird zudem häufiger als bevorzugter internationaler Partner genannt.

Auch Russland wird stärker wahrgenommen. Der Anteil der jungen Befragten, die dem Land Einfluss in Afrika zuschreiben, stieg innerhalb von zwei Jahren von 44 auf 54 Prozent. Indien erreicht 45 Prozent.

Die Ergebnisse spiegeln eine stärkere Orientierung an wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Leistungen wider. Für 55 Prozent sollten afrikanische Staaten vor allem mit Ländern zusammenarbeiten, die Handel und Investitionen ermöglichen. Deren Regierungsform spielt für diese Gruppe eine untergeordnete Rolle.

Als wichtigstes Kriterium bei der Wahl internationaler Partner nennen 43 Prozent Investitionen in Infrastruktur und Wirtschaft. Demokratische Werte und eine überzeugende Menschenrechtsbilanz erreichen 34 Prozent. Zugang zu moderner Technologie und Wissenstransfer nennen 30 Prozent, militärische und sicherheitspolitische Unterstützung 29 Prozent.

Sorge vor amerikanischem Zugriff auf Rohstoffe

Trotz des gestiegenen Einflusses der USA befürchten 58 Prozent, Washington könne internationale Regeln missachten, um Zugang zu Rohstoffen in afrikanischen Ländern zu erhalten. In Südafrika und Liberia teilen jeweils 70 Prozent diese Sorge.

Die Haltung gegenüber Trump unterscheidet sich zugleich deutlich zwischen einzelnen Staaten. In der Demokratischen Republik Kongo fordern 71 Prozent die eigene Regierung dazu auf, trotz politischer Differenzen mit Trump zusammenzuarbeiten. In Südafrika sprechen sich dagegen ebenfalls 71 Prozent dafür aus, dass ihre Regierung dem US-Präsidenten entgegentritt.

Über alle 16 Länder hinweg meinen 52 Prozent, ihre politischen Führungen sollten einen Weg zur Zusammenarbeit mit Trump finden. Die Befragung zeigt damit keinen einheitlichen proamerikanischen Kurs, sondern unterschiedliche Erwartungen, die von nationalen Sicherheitsinteressen, wirtschaftlichen Beziehungen und innenpolitischen Konflikten geprägt sind.

Rückbau von USAID trifft vor allem den Gesundheitsbereich

Auch die Veränderungen bei der US-Entwicklungsbehörde USAID werden kritisch beurteilt. 46 Prozent erwarten negative Folgen für ihr Land, weil USAID nicht mehr als eigenständige amerikanische Entwicklungseinrichtung arbeitet.

Die Sorgen sind in Mosambik besonders groß. Dort rechnen 76 Prozent mit negativen Auswirkungen. In Kenia und Ruanda liegt der Anteil jeweils bei 63 Prozent.

Unter den Befragten, die konkrete Folgen erwarten, nennen 53 Prozent Gesundheitsversorgung und Krankheitsprävention als den am stärksten betroffenen Bereich. Dahinter folgen Bildung und Ausbildung mit 38 Prozent, wirtschaftliche Entwicklung und Unternehmertum mit 35 Prozent sowie Landwirtschaft und Ernährungssicherheit mit 34 Prozent.

Ein Teil der jungen Menschen verbindet mit dem Rückzug der USA jedoch auch die Erwartung größerer Eigenverantwortung. 26 Prozent glauben, dass die Veränderungen positive Auswirkungen haben könnten, weil afrikanische Regierungen stärker gezwungen würden, innenpolitische Probleme selbst zu lösen. In Ghana vertreten 41 Prozent diese Position, in Nigeria 40 Prozent.

Demokratie bleibt bevorzugt – westliches Modell stößt auf Skepsis

Die wirtschaftlich geprägte Haltung gegenüber internationalen Partnern geht nicht mit einer grundsätzlichen Abkehr von demokratischen Regierungsformen einher. 73 Prozent erklären, Demokratie sei anderen politischen Systemen grundsätzlich vorzuziehen.

Gleichzeitig halten 56 Prozent die westliche Form der Demokratie nicht für Afrika geeignet. Die Antworten verbinden damit eine hohe Zustimmung zu Wahlen und demokratischer Regierungsführung mit dem Wunsch nach stärker an afrikanischen Bedingungen orientierten politischen Modellen.

Auch bei internationalen Bündnissen bevorzugt die Mehrheit einen klaren Kurs. 60 Prozent sprechen sich dafür aus, enge Beziehungen zu einer oder zwei großen Weltmächten aufzubauen, um langfristige Vorteile zu sichern. 37 Prozent befürworten eine neutrale Position.

Zugleich nehmen 70 Prozent die internationale Lage als zunehmend gespalten und gefährlich wahr. Besonders hoch ist dieser Anteil in Kenia mit 87 Prozent, in der Demokratischen Republik Kongo mit 83 Prozent und in Nigeria mit 81 Prozent.

Wirtschaftliche Stimmung verbessert sich

In den acht Ländern, die seit Beginn der Erhebung im Jahr 2020 regelmäßig untersucht werden, hat sich die Einschätzung der nationalen Entwicklung verbessert. 47 Prozent glauben, ihr Land bewege sich in die richtige Richtung. Im Jahr 2024 waren es 30 Prozent.

Auch die Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung fällt positiver aus. Der Anteil stieg von 26 auf 45 Prozent. Afrika insgesamt sehen 43 Prozent auf einem richtigen Kurs, nach 37 Prozent zwei Jahre zuvor.

Die Lebenshaltungskosten bleiben dennoch die am häufigsten genannte Belastung der vergangenen fünf Jahre. 27 Prozent bezeichnen steigende Preise als die Entwicklung mit den größten Auswirkungen auf den Kontinent.

Bei den politischen Prioritäten steht die Schaffung neuer und gut bezahlter Arbeitsplätze mit 27 Prozent an erster Stelle. Es folgen die Bekämpfung staatlicher Korruption mit 25 Prozent und bessere Bedingungen für Unternehmensgründungen mit 16 Prozent. Im Jahr 2020 hatten lediglich zehn Prozent Erleichterungen für Unternehmensgründungen genannt.

Die African Youth Survey wird seit 2020 von der Ichikowitz Family Foundation in Auftrag gegeben und von dem Meinungsforschungsunternehmen PSB Insights durchgeführt. Für die Ausgabe 2026 wurden in Burkina Faso, Tschad, der Republik Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Ghana, Kenia, Liberia, Mosambik, Nigeria, Ruanda, Somalia, Südafrika, Togo, Sambia und Simbabwe jeweils etwa 300 Menschen persönlich befragt.

Alle Teilnehmer waren Staatsangehörige des jeweiligen Landes und zwischen 18 und 24 Jahre alt. Die Stichprobe bestand zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen. Vergleiche mit früheren Ausgaben beziehen sich ausschließlich auf die acht Länder, die seit 2020 in jeder Erhebungsrunde vertreten waren.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share