Macron will schnellere Aufrüstung – Frankreich wird in Afrika militärisch aktiv

36 Milliarden Euro zusätzlich, mehr Munition und eine stärkere europäische Rüstungsindustrie: Emmanuel Macron beschleunigt Frankreichs Aufrüstung. Auch die neu ausgerichteten Militärpartnerschaften in Afrika werden Teil seiner Sicherheitsstrategie bis 2030.

Frankreich will seine Streitkräfte bis 2030 mit zusätzlichen 36 Milliarden Euro ausstatten und zugleich die militärische Handlungsfähigkeit Europas ausbauen. Präsident Emmanuel Macron kündigte am Vorabend des französischen Nationalfeiertags höhere Investitionen in Munition, Luftverteidigung, Drohnen, Weltraumtechnik und nukleare Abschreckung an. Zugleich erklärte er, Frankreich müsse seine neu ausgerichteten Partnerschaften in Afrika dauerhaft militärisch absichern. Paris verbindet die nationale Aufrüstung damit stärker mit europäischen Industrieprojekten und internationalen Sicherheitskooperationen.

In seiner traditionellen Rede an die Streitkräfte im Pariser Verteidigungsministerium verwies Macron auf eine zunehmend unsichere Weltlage. Frankreich müsse in der Lage sein, gegenwärtige Konflikte zu bewältigen und sich zugleich auf mögliche Kriege der kommenden Jahre vorzubereiten.

Das französische Verteidigungsbudget soll bereits 2027 auf 64 Milliarden Euro steigen. Dieses Ziel war ursprünglich erst für 2030 vorgesehen. Innerhalb von zehn Jahren hätte Frankreich damit seine jährlichen Militärausgaben verdoppelt. 

Weitere 36 Milliarden Euro bis 2030

Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 plant Frankreich zusätzliche Verteidigungsausgaben von 36 Milliarden Euro. Die Mittel sollen vor allem in größere Munitionsbestände und eine bessere Einsatzbereitschaft fließen.

Weitere Investitionen sind für Frühwarnsysteme, Weltraumfähigkeiten, weitreichende Waffensysteme und die bodengestützte Luftverteidigung vorgesehen. Macron kündigte zudem eine Stärkung der französischen nuklearen Abschreckung an.

Die Streitkräfte sollen außerdem besser auf Drohnenangriffe, elektronische Kriegführung und hochintensive Gefechte vorbereitet werden. Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Cyberabwehr und maritime Fähigkeiten gehören ebenfalls zu den genannten Schwerpunkten.

Erste Bestellungen und Lieferungen sollen noch 2026 erfolgen. Frankreich führt zugleich ein neues System staatlicher Alarmbereitschaft ein. Im September soll außerdem ein neuer nationaler Dienst innerhalb der Streitkräfte beginnen. 

Europa soll als militärische Macht handeln

Macron verband die französische Aufrüstung mit einem erneuten Plädoyer für eine strategisch eigenständigere Europäische Union. Europa entwickle sich zu einer Macht, die auf souveränen Mitgliedstaaten beruhe, zugleich aber gemeinsam handeln und sich verteidigen müsse.

„Der Frieden ist unser Ziel, wir schätzen Freiheit und Recht, und wir sind bereit, für ihre Verteidigung zu kämpfen, wenn nötig auch um den Preis von Blut“, sagte Macron.

Frankreich setzt dabei auf Koalitionen europäischer und außereuropäischer Partner. Als Beispiel nannte der Präsident die gemeinsam mit Großbritannien aufgebaute „Koalition der Willigen“ zur Unterstützung der Ukraine. Daran beteiligen sich neben europäischen Staaten auch Kanada und Demokratien aus dem Indopazifik.

Macron bezeichnete diese Zusammenarbeit als Ausdruck eines strategischen Erwachens Europas. Die europäischen Staaten müssten ihre Sicherheit stärker selbst organisieren, ohne ihre nationalen Entscheidungsrechte aufzugeben. 

Frankreich verweist auf Takuba und seine Afrika-Strategie

In seiner Rede stellte Macron die europäischen Verteidigungsinitiativen ausdrücklich in eine Linie mit der früheren Einsatzgruppe Takuba in der Sahelzone. Frankreich habe dort als Rahmennation Streitkräfte mehrerer europäischer Staaten zusammengeführt.

Die 2020 gegründete Taskforce sollte malische Einheiten im Kampf gegen dschihadistische Gruppen unterstützen. Das Projekt endete jedoch im Zuge des Abzugs französischer und europäischer Truppen aus Mali. Die Beziehungen zwischen Paris und mehreren Staaten der Sahelzone verschlechterten sich danach deutlich.

Macron erklärte nun, Frankreich müsse auch künftig dort präsent sein, wo Partner Unterstützung erwarteten. Dazu zählte er die Ukraine, den Nahen und Mittleren Osten, den Indopazifik und Afrika.

Frankreichs Fähigkeit, die „neu gestalteten“ Partnerschaften auf dem afrikanischen Kontinent fortzuführen, werde darüber mitentscheiden, ob das Land den sicherheitspolitischen Anforderungen des Jahres 2030 gewachsen sei. Konkrete afrikanische Staaten oder neue militärische Missionen nannte er nicht. 

Die Formulierung verweist auf den Umbau der französischen Militärpräsenz in Afrika. Paris hat seine dauerhaften Truppenkontingente in mehreren Ländern reduziert und setzt stärker auf Ausbildung, Beratung und Kooperation auf Anfrage der jeweiligen Regierungen.

Rüstungsindustrie soll schneller produzieren

Macron forderte die französische und europäische Rüstungsindustrie auf, größere Mengen in kürzerer Zeit herzustellen. Nicht allein vorhandene Waffenbestände bestimmten inzwischen die militärische Stärke, sondern die Fähigkeit, Munition und Systeme kontinuierlich nachzuproduzieren.

„Es sind nicht mehr die bestehenden Arsenale, sondern die Produktionskapazitäten, die Gegner abschrecken können“, sagte der Präsident mit Blick auf die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine.

Frankreich habe vor mehr als vier Jahren eine „Kriegswirtschaft“ eingeleitet, doch die bisherigen Fortschritte reichten nicht aus. Öffentliche und private Investitionen müssten steigen. Unternehmen sollten mehr Risiken eingehen und neue Systeme auch dann entwickeln, wenn noch keine vollständigen staatlichen Bestellungen vorlägen.

Macron warb zugleich für europäische Standards und eine stärkere Bevorzugung europäischer Rüstungsgüter. Bei Drohnen, Abfangsystemen, Raketen und Munition produziere Europa bislang weder schnell noch in ausreichender Menge. Lange Lieferzeiten schwächten auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter. 

Macron bedauert Scheitern des europäischen Kampfjets

Der französische Präsident bestätigte zugleich das Scheitern des deutsch-französisch-spanischen Projekts für ein gemeinsames europäisches Luftkampfsystem. Das sogenannte Future Combat Air System, in Frankreich SCAF genannt, sollte einen neuen Kampfjet mit Drohnen und vernetzten Waffensystemen verbinden.

Macron äußerte „tiefes Bedauern“ über das Scheitern, forderte jedoch eine Fortsetzung anderer europäischer Rüstungsprojekte. Er nannte das Luftverteidigungssystem SAMP/T der nächsten Generation, das Frühwarnprojekt JEWEL, weitreichende Waffensysteme und die Zusammenarbeit beim deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS.

Europa dürfe nationale Interessen nicht so verfolgen, dass daraus neue Verzögerungen entstünden. „Patriotismus ja, Nationalismus niemals“, sagte Macron. Es sei falsch, wenn jeder Staat parallel eigene Fähigkeiten aufbaue, während Europa insgesamt schneller und effizienter produzieren müsse. 

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