Bayer, DHL und Hapag-Lloyd werben für mehr internationale Zusammenarbeit

Bayer, DHL, Hapag-Lloyd und weitere Unternehmen stellen sich hinter einen ungewöhnlich wirtschaftspolitischen Appell: Deutschland brauche mehr internationale Partnerschaften statt Abschottung. Afrika spielt in der neuen Strategie des Entwicklungsministeriums eine zentrale Rolle.

Große deutsche Unternehmen und Wirtschaftsverbände stellen sich hinter einen Appell für eine stärkere internationale Zusammenarbeit und eine breitere wirtschaftliche Vernetzung Deutschlands. Am 17. September wurde die vom Bundesentwicklungsministerium angestoßene Initiative öffentlich bekannt. Zu den Unterstützern gehören Bayer, Condor, DHL Group, Hapag-Lloyd und der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan verbindet den Vorstoß mit dem Ziel, Entwicklungspolitik stärker für neue Märkte, stabilere Lieferketten, Rohstoffpartnerschaften und Fachkräftekooperationen einzusetzen. 

„Deutschlands wirtschaftliche Stärke entsteht durch Offenheit, Zusammenarbeit und verlässliche Partnerschaften – nicht durch Rückzug aus der Welt“, erklärte Alabali Radovan. Abschottung schwäche Deutschland und gefährde den Wohlstand. Zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Wettbewerbsfähigkeit brauche Deutschland verlässliche Partner weltweit. 

Der Appell formuliert internationale Zusammenarbeit ausdrücklich als wirtschaftliches Interesse. Deutschlands Unternehmen seien auf weltweite Kontakte, neue Absatzmärkte, stabile Lieferketten, Rohstoffe, Fachkräfte sowie den Austausch von Wissen und Technologie angewiesen. Einseitige Abhängigkeiten sollen deshalb durch breitere internationale Partnerschaften reduziert werden.

Straße von Hormus wird zum Beispiel für Abhängigkeiten

Die Unterzeichner verweisen dabei auf die Störungen an der Straße von Hormus. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist infolge des laufenden Konflikts stark eingebrochen. Die Route gehört zu den zentralen Verkehrswegen der internationalen Energieversorgung und des Welthandels. 

Im Appell dient die Krise als Beispiel dafür, wie Konflikte an einzelnen strategischen Verkehrsknoten Lieferketten und Unternehmen weit über die jeweilige Region hinaus treffen können. Wirtschaft und Politik müssten sich deshalb weltweit breiter aufstellen und belastbare Partnerschaften aufbauen.

„Internationale Zusammenarbeit schafft Vertrauen, eröffnet neue wirtschaftliche Chancen und stärkt längerfristige Partnerschaften“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf. 

Damit erhält eine bereits seit 2025 laufende Neuausrichtung des Bundesentwicklungsministeriums Unterstützung aus Teilen der Wirtschaft. Das BMZ hatte mit seinem Aktionsplan „Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit“ die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu einem strategischen Schwerpunkt erklärt. Die drei Säulen sind eine frühere Einbindung von Unternehmen, der Abbau von Investitions- und Vergabehürden sowie neue Förder- und Finanzierungsinstrumente. 

Afrika rückt stärker in die deutsche Wirtschaftspolitik

Länder des Globalen Südens spielen in diesem Ansatz eine zentrale Rolle. Der BMZ-Aktionsplan nennt Energieversorgung, kritische Rohstoffe und Fachkräfte als Bereiche, in denen Deutschland stärker auf internationale Partner angewiesen ist. Entwicklungs- und Schwellenländer sollen gleichzeitig von Investitionen, lokaler Wertschöpfung und verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitieren. 

Inzwischen hat das Ministerium neun Länder bestimmt, in denen deutsche Unternehmen enger in entwicklungspolitische Projekte und den Dialog mit den jeweiligen Regierungen eingebunden werden sollen. In Afrika gehören Ghana, Kenia, Marokko und Südafrika dazu. Weitere Schwerpunktländer sind Brasilien, Indien, Indonesien, Mexiko und Vietnam. 

Bereits der ursprüngliche Aktionsplan sah vor, Wirtschaftsvertreter vor Regierungsverhandlungen mit strategisch wichtigen Partnerstaaten einzubeziehen. Wirtschaftliche Kooperation soll zudem regelmäßig Bestandteil bilateraler entwicklungspolitischer Regierungsverhandlungen werden. 

Bei größeren Infrastrukturvorhaben können deutsche und europäische Unternehmen in ausgewählten Partnerländern bereits in die Projektentwicklung eingebunden werden. Gleichzeitig sollen die Instrumente von Entwicklungszusammenarbeit und Außenwirtschaftsförderung stärker miteinander kombiniert werden. 

Rohstoffe, Investitionen und deutsche Unternehmen

Besonders deutlich ist die wirtschaftspolitische Ausrichtung bei Rohstoffen. Bei strategischen Versorgungs- und Investitionsinteressen deutscher und europäischer Unternehmen wollen Entwicklungs- und Wirtschaftsministerium Investitionen in Rohstofflieferketten in Afrika, Lateinamerika und Asien gemeinsam unterstützen. Risiken für private Investoren sollen reduziert und zugleich lokale Wertschöpfung in den Förderländern aufgebaut werden. 

Hinzu kommen neue Finanzierungsinstrumente. Mit „TradeConnect“ sieht der Aktionsplan Garantien für kleinere Export- und Importgeschäfte vor, bei denen zwar ein Markt vorhanden ist, bislang aber keine ausreichende Finanzierung zustande kommt. Ein digitaler „Förderlotse Wachstumsmärkte“ soll Unternehmen außerdem durch die bestehenden Förderangebote von Entwicklungs- und Wirtschaftsministerium führen. 

Das BMZ setzt zudem auf öffentlich-private Finanzierungsmodelle, um größere Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu mobilisieren. Über den G20-Compact with Africa sollen gemeinsam mit Partnerregierungen und Entwicklungsbanken wirtschaftliche Rahmenbedingungen verbessert werden, die private Investitionen erleichtern. 

Auch Fachkräftepolitik wird Teil dieses Ansatzes. Das Entwicklungsministerium plant eine Fachkräfteallianz mit der Wirtschaft, die Rekrutierung und Ausbildung in Partnerländern stärker miteinander verbinden soll. 

Der aktuelle Unternehmensappell stellt sich nun hinter diese Grundrichtung. Bayer, Condor, DHL, Hapag-Lloyd und weitere Unterzeichner verbinden internationale Zusammenarbeit dabei nicht allein mit Entwicklungspolitik, sondern mit der Sicherung von Märkten, Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. 

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