Deutschland drängt Gambia zu einer engeren Zusammenarbeit bei der Rücknahme ausreisepflichtiger Staatsangehöriger und warnt junge Gambier zugleich vor der irregulären Migration nach Europa. Anfang Juli 2026 bekräftigte der deutsche Botschafter Klaus Botzet diesen Kurs. Die Zahl der Abschiebungen nach Gambia stieg 2025 wieder an, während mehr als 2.200 gambische Staatsangehörige in Deutschland weiterhin ausreisepflichtig sind. Parallel verlängert Berlin seine Unterstützung für die Reform der gambischen Polizei.
Botschafter warnt vor der irregulären Route nach Europa
Botzet richtete sich mit einer deutlichen Warnung an junge Menschen, die über die Sahara, das Mittelmeer oder andere gefährliche Routen nach Europa gelangen wollen. In Gambia werden diese Wege häufig als „Back Way“ bezeichnet.
„Zu viele junge Menschen haben ihr Leben verloren“, sagte der Botschafter. Die Europäische Union habe ihre Regeln verschärft. Die große Mehrheit der irregulär Einreisenden habe keinen Anspruch auf Asyl und müsse mit einer Rückführung rechnen.
Nach Darstellung des Diplomaten leben mehr als 16.000 gambische Staatsangehörige in Deutschland. Die meisten hätten Arbeit gefunden und seien gut integriert. Rund 1.500 müssten das Land jedoch verlassen.
Die aktuellen Zahlen der Bundesregierung liegen höher. Zum 31. Mai 2026 lebten 16.527 gambische Staatsangehörige in Deutschland. Davon waren 2.211 ausreisepflichtig. 2.040 von ihnen besaßen eine Duldung, 171 hielten sich ohne Duldung in Deutschland auf. Eine Duldung setzt die Ausreisepflicht nicht außer Kraft, verschiebt die Abschiebung aber vorübergehend.
Rückführungen nach Gambia bleiben schwierig
Deutschland schob in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 insgesamt 65 Menschen nach Gambia ab. Im gesamten Jahr 2025 waren es 259, im Jahr zuvor 205. Den bislang höchsten Wert seit 2022 verzeichnete die Bundesregierung 2023 mit 431 Abschiebungen.
Die Bundesregierung steht nach eigenen Angaben fortlaufend mit der gambischen Regierung im Austausch, um die Rückkehrkooperation zu verbessern. Direkte Abschiebungen nach Gambia waren zum Zeitpunkt ihrer Antwort an den Bundestag allerdings nur per Linienflug möglich.
Zwei für Januar und Juni 2026 geplante Sammelabschiebungen wurden abgesagt. Konkrete Gründe nannte die Bundesregierung nicht. Sie verwies darauf, dass sich bei Charterflügen häufig erst kurzfristig entscheide, ob eine Maßnahme durchgeführt werden könne.
Seit 2023 fanden zudem Sammelanhörungen mit gambischen Vertretern statt, um die Identität mutmaßlicher Staatsangehöriger zu klären. Insgesamt wurden 1.077 Menschen angehört. Bei 596 Personen bestätigten die gambischen Vertreter die Staatsangehörigkeit. Der Bund erhielt in 161 Fällen Passersatzpapiere, die eine Ausreise oder Abschiebung ermöglichen.
Die 31 ausschließlich nach Gambia durchgeführten Sammelabschiebungen seit 2022 verursachten Flugkosten von rund 8,1 Millionen Euro für 639 Menschen. Das entspricht durchschnittlich etwa 12.700 Euro je abgeschobener Person. Insgesamt kamen 2.047 Begleitkräfte zum Einsatz, rechnerisch rund 3,2 Beamte pro Abgeschobenem. Die Flugkosten übernahm jeweils die EU-Grenzschutzagentur Frontex.
Aus den Daten lässt sich nicht in jedem Fall feststellen, ob identifizierte Personen später freiwillig ausreisten oder abgeschoben wurden. Bei 88 Menschen, für die der Bund Passersatzpapiere beschafft hatte, ist lediglich eine Ausreise dokumentiert.
Ausbildung statt riskanter Migration
Botzet rief gambische Familien dazu auf, Geld nicht in eine gefährliche Reise, sondern in Ausbildung und berufliche Fähigkeiten zu investieren.
Junge Menschen sollten einen anerkannten Beruf erlernen und sich etwa als Elektriker, Tischler, Schneider oder Pflegekraft qualifizieren. Mit einem Abschluss und Berufserfahrung stiegen die Chancen auf ein reguläres Arbeitsvisum.
Deutschland habe im vergangenen Jahr mehr als 300 Visa an gambische Staatsangehörige vergeben, erklärte der Botschafter. Dazu gehörten Visa zur Familienzusammenführung und zur Beschäftigung qualifizierter Fachkräfte.
Freiwillige Rückkehrer könnten zudem finanzielle Unterstützung in Höhe von mehreren Tausend Euro erhalten. Dieses Geld könne nach der Rückkehr zum Aufbau eines Unternehmens eingesetzt werden.
Deutschland unterstützt außerdem Programme, die Investitionen von Rückkehrern und Mitgliedern der Diaspora ergänzen. Wer beispielsweise 3.000 Euro in eine Bäckerei oder einen anderen kleinen Betrieb investiert, kann unter bestimmten Bedingungen einen Zuschuss in gleicher Höhe beantragen.
Die gambische Diaspora überwies nach Angaben des Botschafters im vergangenen Jahr mehr als 800 Millionen US-Dollar in das westafrikanische Land. Ein großer Teil fließe bislang in den privaten Konsum. Botzet warb dafür, mehr davon in produktive Unternehmen, Arbeitsplätze und lokale Wertschöpfung zu investieren.
Polizeiprojekt soll in zweite Phase gehen
Parallel zur Migrationszusammenarbeit erneuert Deutschland seine Unterstützung für die Reform des gambischen Sicherheitssektors. Das vor einem Jahr beendete Polizeiprojekt GPST soll nach den Worten des Botschafters eine zweite Phase erhalten.

Deutschland betreibt insgesamt zwei Projekte mit der gambischen Polizei. Dazu gehören Schulungen, die Weiterentwicklung der Polizeiausbildung und die Bereitstellung von Ausrüstung für die verschiedenen Polizeibereiche.
„Sicherheitsdienste sollen jedem Bürger dienen und die Bürger vor denen schützen, die das Gesetz brechen“, sagte Botzet. „Sie sind nicht dazu da, den Willen der Regierung umzusetzen. Sie sind dazu da, das Gesetz umzusetzen.“
Diese Trennung zwischen Regierung und Sicherheitsapparat müsse nach 22 Jahren Diktatur auch in Polizeiakademien und Ausbildungsprogrammen verankert werden. Unter der früheren autoritären Regierung hätten Polizei und andere Sicherheitskräfte häufig den Willen des Präsidenten statt rechtsstaatlicher Regeln durchgesetzt.
Sicherheitsreform als Stütze der Demokratie
Deutschland betrachtet die Reform des Sicherheitssektors als einen Schwerpunkt seiner Unterstützung für Gambias junge Demokratie. Polizei und andere staatliche Sicherheitsorgane sollen der gesamten Bevölkerung verpflichtet sein und nicht als Instrument der jeweiligen Regierung handeln.
Die Zusammenarbeit umfasst neben Ausbildung und Ausrüstung auch institutionelle Veränderungen. Polizeibeamte sollen rechtsstaatliche Grundsätze, Menschenrechte und den Schutz der Bevölkerung stärker in ihre tägliche Arbeit einbeziehen.
Botzet führte Fortschritte der gambischen Polizei auch auf die internationale Unterstützung zurück. Die Reform bleibt jedoch Teil eines längerfristigen Umbaus staatlicher Institutionen, die über zwei Jahrzehnte auf die autoritäre Herrschaft ausgerichtet waren.
Neue Phase der diplomatischen Beziehungen
Der politische Wandel nach dem Ende der Diktatur 2016 und 2017 leitete eine neue Phase der deutsch-gambischen Beziehungen ein. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte Gambia als erstes ausländisches Staatsoberhaupt nach dem Amtsantritt von Präsident Adama Barrow.
Seitdem intensivierten beide Länder ihre Zusammenarbeit. Deutschland unterstützte die Wahrheits-, Versöhnungs- und Wiedergutmachungskommission, die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen aus der Zeit der Diktatur untersuchte.
Über den Friedenskonsolidierungsfonds der Vereinten Nationen förderte Deutschland zudem lokale Projekte in Gemeinden mit besonders vielen Opfern der früheren Herrschaft.
Im Jahr 2023 eröffnete die Bundesrepublik eine vollwertige Botschaft in Banjul. Die Entscheidung spiegelte nach Darstellung Botzets die wachsende Bedeutung Gambias als demokratischer Partner in Westafrika wider.
Die Bundesregierung bezeichnet Gambia seit 2016 und 2017 als demokratisch stabilisierte Republik. Die Präsidentschaftswahl 2021, die Parlamentswahl 2022 und die Kommunalwahlen 2023 verliefen nach ihrer Einschätzung friedlich und frei. Menschenrechte seien in der Verfassung geschützt und würden weitgehend beachtet.

