Botschafter Andreas Peschke verabschiedet sich aus Südafrika: „Geschafft, unsere Differenzen offen anzusprechen“

Fünf Jahre zwischen enger Wirtschaftspartnerschaft und politischen Differenzen: Deutschlands Botschafter Andreas Peschke verabschiedet sich aus Südafrika und kehrt als EU-Diplomat nach Kenia zurück.

Andreas Peschke zieht nach fünf Jahren in Pretoria eine Bilanz der deutsch-südafrikanischen Beziehungen und hebt hervor, dass beide Regierungen auch politische Differenzen offen miteinander behandeln konnten. Ende Juli endet seine Amtszeit als deutscher Botschafter in Südafrika, Lesotho und Eswatini. Der EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat den Diplomaten als neuen EU-Botschafter in Kenia nominiert. 

In seinem Abschiedsbeitrag würdigt Peschke die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Südafrika. Die Beziehung sei breiter und tiefer als die Deutschlands zu jedem anderen Partner auf dem afrikanischen Kontinent. Zugleich beschreibt er Südafrika als ein Land, dessen Menschen ihn und seine Frau persönlich geprägt hätten.

Fünf Jahre zwischen enger Partnerschaft und Differenzen

Peschke übernahm die Leitung der deutschen Botschaft in Pretoria im September 2021. Neben Südafrika war er auch als Botschafter in Lesotho und Eswatini akkreditiert. Seine Amtszeit fiel in eine Phase wachsender internationaler Spannungen, in der Berlin und Pretoria bei außenpolitischen Fragen nicht immer dieselben Positionen vertraten. 

Dennoch sei es gelungen, die Unterschiede offen anzusprechen und die Zusammenarbeit fortzusetzen. Beide Staaten arbeiteten bei internationalen Themen wie dem Klimaschutz, der Reform der Vereinten Nationen und der Beendigung von Kriegen und Konflikten eng zusammen, schreibt Peschke.

Die bilateralen Beziehungen beruhen zudem auf einer seit 1996 bestehenden Binationalen Kommission. Sie bildet den politischen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen beiden Regierungen. Südafrika gilt aus deutscher Sicht als wichtigster Partner in Afrika südlich der Sahara. 

Mehr als 600 deutsche Unternehmen in Südafrika

Besonders eng sind die wirtschaftlichen Verbindungen. Mehr als 600 deutsche Unternehmen sind in Südafrika aktiv. Sie beschäftigen rund 100.000 Menschen direkt und schaffen nach Angaben des Auswärtigen Amtes etwa ebenso viele indirekte Arbeitsplätze. 

Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei mehr als 20 Milliarden Euro. Deutschland ist der zweitwichtigste bilaterale Handelspartner Südafrikas. Südafrika wiederum ist Deutschlands bedeutendster Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent.

Im Jahr 2023 beliefen sich die deutschen Direktinvestitionen in Südafrika auf 7,99 Milliarden Euro. Südafrikanische Unternehmen hatten im selben Zeitraum rund 2,6 Milliarden Euro in Deutschland investiert. 

Zusammenarbeit bei Energie und Klimaschutz

Ein zentrales Thema seiner Amtszeit war die Energiewende. Deutschland unterstützt gemeinsam mit weiteren internationalen Partnern den südafrikanischen Umbau von einer stark kohleabhängigen Energieversorgung hin zu einem klimafreundlicheren System.

Die Zusammenarbeit soll den Ausbau sauberer Energien beschleunigen, zugleich aber die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Wandels berücksichtigen. Der Übergang müsse gerecht gestaltet werden und dürfe Beschäftigte sowie betroffene Regionen nicht zurücklassen, betont Peschke.

Die Energiepartnerschaft steht damit zugleich für die Chancen und Schwierigkeiten der bilateralen Beziehungen. Deutschland drängt auf einen schnelleren Klimaschutz. Südafrika verweist auf seine hohe Arbeitslosigkeit, die Bedeutung des Kohlesektors und den wachsenden Energiebedarf seiner Wirtschaft.

Südafrikas G20-Präsidentschaft als Höhepunkt

Als einen politischen Höhepunkt seiner Amtszeit nennt Peschke die südafrikanische G20-Präsidentschaft im Jahr 2025. Südafrika führte als erster afrikanischer Staat die Gruppe wichtiger Industrie- und Schwellenländer. Deutschland unterstützte den Vorsitz mit zahlreichen hochrangigen Besuchen.

Mehr als ein Dutzend Mitglieder der Bundesregierung reisten nach Südafrika, darunter auch der Bundeskanzler. Die Präsidentschaft bot Pretoria die Möglichkeit, afrikanische Positionen stärker in die internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik einzubringen. Südafrika ist neben der Afrikanischen Union das einzige afrikanische Mitglied der G20. 

Die Zusammenarbeit erstreckte sich dabei auf Fragen der internationalen Finanzarchitektur, des Klimaschutzes, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Reform multilateraler Institutionen.

Mehr als 300.000 deutsche Touristen pro Jahr

Auch die persönlichen Verbindungen zwischen beiden Ländern hebt Peschke hervor. Jährlich reisen mehr als 300.000 deutsche Besucher nach Südafrika. Kapstadt und der Kruger-Nationalpark gehören zu den besonders häufig besuchten Zielen.

Der scheidende Botschafter beschreibt seine eigene Beziehung zu dem Land über Landschaften, Sport und Begegnungen. Er erinnert an Rugbyspiele der Springboks, das Soweto-Derby zwischen Orlando Pirates und Kaizer Chiefs sowie an den Erfolg von Mamelodi Sundowns in der afrikanischen Champions League.

Am stärksten hätten ihn und seine Frau jedoch die Menschen geprägt. Peschke würdigt ihre Vielfalt, ihren Humor, ihre Sprachen und ihre Offenheit.

Ubuntu als diplomatische Erfahrung

Als eine der wichtigsten Erfahrungen seiner Zeit in Südafrika nennt Peschke das Prinzip Ubuntu. Der Begriff beschreibt eine gemeinsame Menschlichkeit, die sich aus der Beziehung zu anderen Menschen ableitet.

Ubuntu stehe dafür, füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen. Dieses Verständnis könne auch der internationalen Politik helfen, schreibt der Botschafter. Mehr „Ubuntu-Diplomatie“ könnte seiner Einschätzung nach dazu beitragen, Konflikte zu vermeiden.

Eine weitere Erfahrung sei die südafrikanische Widerstandsfähigkeit. Wenn etwas nicht funktioniere, reagierten viele Menschen nicht mit Resignation, sondern mit dem Satz „Ons maak ’n plan“ – wir machen einen Plan.

Diese Haltung bedeute, nach vorne zu schauen und nach praktischen Lösungen zu suchen. Peschke kündigt an, diese Mentalität aus Südafrika mitzunehmen.

Rückkehr nach Kenia in neuer Funktion

Peschkes nächste Station führt ihn zurück nach Ostafrika. Kaja Kallas nominierte ihn am 3. Juni als EU-Botschafter in Kenia. Die Ernennung wird nach der Zustimmung des Gastlandes und dem Abschluss der administrativen Verfahren formalisiert. 

Für den Diplomaten ist Nairobi kein unbekannter Dienstort. Von 2013 bis 2015 leitete er dort bereits die deutsche Botschaft. Anschließend war er im Auswärtigen Amt für Osteuropa, den Kaukasus und Zentralasien zuständig. Zwischen 2018 und 2021 führte er die Europaabteilung des Ministeriums. 

Peschke trat 1996 in den Auswärtigen Dienst ein. Frühere Stationen führten ihn nach Nigeria und Russland. Von 2009 bis 2013 war er Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Seinen Abschiedsbeitrag beendet der Diplomat mit einem Dank an seine südafrikanischen Partner, die internationale Gemeinschaft und die deutsche Gemeinschaft im Land: „Sala kahle, Mzansi“ – bleib wohl, Südafrika.

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