Afrikas Rohstoffe rücken in Deutschlands Sicherheitsagenda

Deutschlands Energiewende braucht Rohstoffe. Viele davon kommen aus Ländern des Globalen Südens. Neue Regierungsangaben zeigen, wie stark Afrika in Berlins Rohstoffstrategie hineinrückt.

Deutschland behandelt den Zugang zu wichtigen Rohstoffen zunehmend als Frage von Sicherheit und Industriepolitik. Die Bundesregierung hat nach einem Beschluss des Nationalen Sicherheitsrats einen Aktionsplan Rohstoffe erarbeitet, will ihn aber nicht veröffentlichen. Zugleich laufen deutsche und europäische Programme mit Rohstoffbezug in mehreren afrikanischen Ländern. Betroffen sind unter anderem Mauretanien, Mosambik, Namibia, Sambia, Südafrika, Algerien und Ghana.

Berlin will Abhängigkeiten verringern

Für Deutschland geht es um Rohstoffe, die in Batterien, Stromnetzen, Windkraftanlagen, Halbleitern, Autos und digitaler Technik gebraucht werden. Dazu zählen Lithium, Kupfer, Kobalt, Nickel, Tantal, Seltene Erden, Mangan und Graphit. Viele dieser Stoffe werden außerhalb Europas gefördert, oft in Ländern des Globalen Südens.

Die Bundesregierung will die Versorgung deutscher Unternehmen breiter aufstellen. Kein strategischer Rohstoff soll künftig zu stark von einem einzelnen Drittland abhängen. Auf europäischer Ebene gilt dafür eine Zielmarke: Bis 2030 soll bei strategischen Rohstoffen höchstens 65 Prozent des europäischen Bedarfs aus einem einzigen Drittstaat kommen. Außerdem sollen mehr Rohstoffe in Europa gefördert, verarbeitet und wiederverwertet werden.

Mehrere afrikanische Länder im Fokus

Afrika spielt in dieser Strategie an mehreren Stellen eine Rolle. In Mauretanien unterstützt Deutschland Vorhaben mit Bezug zu Gold, Kupfer und Eisen. In Mosambik geht es um verantwortungsvolle Lieferketten und ein besseres Management des Bergbausektors. Namibia ist Teil von Projekten zur Nutzung mineralischer Rohstoffe und zur Förderung kritischer Rohstoffe für die Energiewende.

Auch Sambia und Südafrika tauchen in den Programmen auf. In Sambia geht es um Politik für kritische Rohstoffe. In Südafrika stehen Batterierohstoffe und Wertschöpfung rund um grünen Wasserstoff im Mittelpunkt, darunter Vanadium, Mangan, Nickel, Kupfer, Graphit und Kobalt.

Damit wird sichtbar, wie eng deutsche Industriepolitik, Energiewende und afrikanische Rohstoffländer miteinander verbunden sind. Für Deutschland sind diese Rohstoffe Teil der wirtschaftlichen Sicherheit. Für viele afrikanische Staaten geht es darum, nicht nur Lieferant unverarbeiteter Rohstoffe zu bleiben, sondern mehr Wertschöpfung im eigenen Land aufzubauen.

Der Druck kommt aus der Energiewende

Der Bedarf wächst, weil moderne Industrie ohne diese Rohstoffe kaum funktioniert. Batterien brauchen Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit. Stromnetze und Elektromotoren benötigen Kupfer. Halbleiter, Magnete und Hochtechnologie hängen von weiteren seltenen oder schwer zugänglichen Metallen ab.

Die politische Debatte dreht sich deshalb nicht mehr nur um Handel. Rohstoffe sind Teil der Frage, wer künftig Batterien, Chips, grüne Technologien und Rüstungsgüter herstellen kann. Die Bundesregierung verweist auf Kreislaufwirtschaft, Recycling und neue Lieferketten. Zugleich bleibt der Abbau vieler Rohstoffe mit Risiken verbunden, besonders dort, wo Minen Arbeits- und Umweltstandards nicht einhalten.

Der Kongo zeigt die Schattenseite des Rohstoffbooms

Die Linksfraktion stellte ihre Anfrage auch vor dem Hintergrund eines schweren Minenunglücks in der Demokratischen Republik Kongo. In der Coltanmine Rubaya im Osten des Landes kamen Ende Januar 2026 mehr als 200 Menschen ums Leben. Die Mine gilt als einer der wichtigen Orte für Coltan, aus dem Tantal gewonnen wird. Tantal wird in der Elektronik und in der Halbleiterindustrie gebraucht.

Der Fall macht sichtbar, welche Spannung hinter dem Rohstoffbedarf steckt. In Deutschland und Europa stehen Digitalisierung, Energiewende und industrielle Unabhängigkeit im Vordergrund. In Förderregionen geht es häufig um Sicherheit der Arbeiter, Umweltzerstörung, Landkonflikte und die Frage, wer vom Abbau tatsächlich profitiert.

Bundesregierung verweist auf Standards

Die Bundesregierung betont, sie unterstütze internationale Regeln für verantwortungsvolle Lieferketten. Dazu gehören die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte sowie Vorgaben der OECD für Rohstoffe aus Konflikt- und Hochrisikogebieten. Bei deutschen Förderinstrumenten sollen Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsfragen geprüft werden.

Gleichzeitig bleiben Lücken sichtbar. Zu bestehenden Rohstoffpartnerschaften liegen bislang keine formelle Auswertung und kein Monitoringbericht vor. Seit 2021 wurden Rohstoffpartnerschaften auch nicht angepasst oder ausgesetzt, weil Menschenrechts- oder Umweltrisiken festgestellt wurden. Kritik von zivilgesellschaftlichen Akteuren an möglichen kolonialen Mustern in der Rohstoffpolitik nimmt die Bundesregierung nach eigener Darstellung zur Kenntnis, bewertet sie aber nicht.

Öffentliche Garantien, private Interessen

Auch deutsche Absicherungen und Finanzierungsinstrumente spielen eine Rolle. Für Algerien wurde 2022 eine Investitionsgarantie im Bereich Erdöl- und Erdgasförderung mit einer Kapitaldeckung von 104,3 Millionen Euro übernommen. Für dieses Projekt gab es Auflagen zu Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekten. Im Rohstoffbereich wurden außerdem Hinweise oder Beschwerden zu Umweltverstößen bekannt, darunter bei einem 2022 abgesicherten Vorhaben in Ghana.

Bei Exportkreditgarantien im Rohstoffbereich entfällt seit 2021 ein erheblicher Teil auf fossile Rohstoffe oder Infrastruktur, die mit fossilen Rohstoffen verbunden ist. Die Bundesregierung nennt dafür einen Anteil von rund 60 Prozent. Namen beteiligter Unternehmen veröffentlicht sie nicht und verweist auf Geschäftsgeheimnisse.

Rohstoffpolitik zwischen Versorgung und Verantwortung

Die deutsche Rohstoffpolitik bewegt sich damit zwischen zwei Zielen. Einerseits will Berlin Unternehmen beim Zugang zu wichtigen Rohstoffen unterstützen und Abhängigkeiten verringern. Andererseits sollen Menschenrechte, Umweltstandards und lokale Entwicklung in den Förderländern berücksichtigt werden.

Für afrikanische Staaten liegt darin ein zentraler Punkt. Entscheidend ist nicht nur, ob Rohstoffe geliefert werden. Entscheidend ist auch, ob mehr Verarbeitung, Beschäftigung und Kontrolle in den Förderländern entstehen. Die Bundesregierung nennt lokale Wertschöpfung als Ziel ihrer Entwicklungszusammenarbeit im Rohstoffbereich. Eine umfassende öffentliche Bewertung der bisherigen Rohstoffpartnerschaften liegt bislang nicht vor.

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