Im Osten der Demokratischen Republik Kongo verschärft sich die Lage trotz Waffenruhe und laufender Vermittlungsbemühungen weiter. Am Donnerstag, 26. März 2026, warnte die stellvertretende MONUSCO-Leiterin Vivian Van de Perre im UN-Sicherheitsrat vor anhaltenden Kämpfen, wachsender Gefahr für Zivilisten und massiven humanitären Folgen. Besonders betroffen sind die Provinzen Nord-Kivu, Süd-Kivu und Ituri. Für die Vereinten Nationen wird damit die Lücke zwischen diplomatischen Fortschritten und der Realität vor Ort immer größer.
Van de Perre zeichnete in New York das Bild einer Region, in der bewaffnete Gruppen weiter angreifen, obwohl parallel an einem Waffenstillstand gearbeitet wird. Die Zivilbevölkerung trage dabei weiterhin die Hauptlast. MONUSCO unterstütze zwar den Schutz von Zivilisten und die Umsetzung der jüngst vereinbarten Waffenruhe in Nord- und Süd-Kivu. Gleichzeitig stoße die Mission auf immer schwierigere Einsatzbedingungen.
Kämpfe halten an, neue Waffen verschärfen die Gefahr
Im Mittelpunkt der Gefechte stehen weiter die Kämpfe zwischen der Congo River Alliance beziehungsweise der M23 und den kongolesischen Streitkräften. Van de Perre sagte vor dem Sicherheitsrat, die bewaffnete Gruppe werde von den ruandischen Streitkräften unterstützt. Auch in Ituri bleibe die Lage alarmierend.
Besonders besorgniserregend ist der zunehmende Einsatz bewaffneter Drohnen im Osten des Landes. Hinzu kommen Störungen und Manipulationen von GPS-Signalen. Das gefährdet zivile Infrastruktur und erschwert Einsätze zum Schutz der Bevölkerung.
Frauen und Kinder zahlen den höchsten Preis
Die humanitäre Lage verschärft sich parallel zur militärischen Eskalation. Frauen und Kinder sind nach Angaben der Vereinten Nationen besonders häufig von Vertreibung, Entführungen, willkürlichen Tötungen und sexueller Gewalt betroffen. Auch Fälle sexueller Versklavung bleiben ein Thema.

Der Druck auf die Bevölkerung ist enorm. 6,4 Millionen Menschen sind derzeit innerhalb des Landes vertrieben. Hinzu kommen 4,3 Millionen Rückkehrer. Im Jahr 2026 könnten 26,6 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen sein. Das entspräche etwa einem Viertel der Bevölkerung.
Auch Kinderarbeit in handwerklichen Minen bleibt ein Problem. Gleichzeitig geraten humanitäre Helfer selbst zunehmend in Gefahr. In Goma wurde ein Mitarbeiter des Kinderhilfswerks UNICEF bei einem Angriff getötet. Die Vereinten Nationen machten vor dem Sicherheitsrat deutlich, dass Angriffe auf Zivilisten und humanitäres Personal nicht hingenommen werden dürfen.
Sicherheitsrat fordert, diplomatische Fortschritte endlich vor Ort wirksam zu machen
Im Sicherheitsrat dominierten Warnungen, dass politische Zusagen bislang kaum auf dem Schlachtfeld ankommen. Liberia betonte im Namen der afrikanischen Ratsmitglieder sowie der Führung in Kinshasa, ein Waffenstillstand sei nicht nur dringend, sondern unverzichtbar. Der Sicherheitsrat müsse die Umsetzung dieser Feuerpause zur absoluten Priorität machen.
Großbritannien und Frankreich forderten erneut die vollständige Umsetzung der Resolution 2773 aus dem Jahr 2025. Beide Staaten drängten auf einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand. Zugleich verlangten sie ein Ende der Unterstützung der M23 durch Ruanda und den Abzug ruandischer Truppen aus dem kongolesischen Staatsgebiet.

Ruanda widersprach dieser Darstellung im Sicherheitsrat. Kigali erklärte, der Konflikt im Osten des Kongo sei nicht von Rwanda verursacht worden. Die Bedrohung gehe aus ruandischer Sicht weiterhin von der FDLR aus, einer bewaffneten Hutu-Gruppe, die mit dem Genozid von 1994 in Verbindung gebracht wird.
Die kongolesische Seite hielt dagegen, die von Rwanda unterstützten M23-Milizen verletzten weiter die Souveränität und territoriale Integrität des Landes.
MONUSCO soll mehr leisten, verliert aber Kapazitäten
Zusätzlichen Druck erzeugt die Lage bei der UN-Mission selbst. MONUSCO soll eine größere Rolle bei der Überwachung und Umsetzung der Waffenruhe übernehmen. Gleichzeitig leidet die Mission unter spürbaren Kürzungen.
Nach den im Sicherheitsrat genannten Zahlen wurden 2.674 Soldaten, Militärbeobachter, Polizeikräfte und zivile Mitarbeiter repatriiert oder abgebaut. Diese Einschnitte schwächen die Einsatzfähigkeit der Mission in einem Moment, in dem ihre Präsenz besonders wichtig wäre. Pakistan warnte deshalb, neue Aufgaben dürften nur dann übertragen werden, wenn auch die nötigen Mittel bereitgestellt werden.
Russland und China mahnten zu Vorsicht bei Änderungen des Mandats. Beide Staaten plädierten für einen flexiblen Ansatz und warnten vor neuen Verpflichtungen, solange die Voraussetzungen für eine belastbare Waffenruhe nicht erfüllt seien.
Diplomatie läuft weiter, doch der Krieg bestimmt den Alltag
Parallel zu den Kämpfen laufen mehrere Vermittlungsprozesse weiter. Dazu gehören der Doha-Prozess zwischen der kongolesischen Regierung und der M23 sowie die Washington Accords zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Rwanda.

Bei Gesprächen am 17. und 18. März in Washington vereinbarten beide Seiten koordinierte Schritte zur Deeskalation. Genannt wurden die Rücknahme ruandischer Abwehrmaßnahmen in bestimmten Gebieten auf kongolesischem Staatsgebiet sowie verstärkte Anstrengungen Kinshasas gegen die FDLR.
Vor dem Sicherheitsrat zeigte sich jedoch, wie weit politische Gespräche und militärische Realität auseinanderliegen. Während in Doha, Washington und innerhalb der Afrikanischen Union weiter verhandelt wird, bleiben die Menschen im Osten des Kongo zwischen Fronten, Vertreibung und wachsender Unsicherheit gefangen.

