UN-Sicherheitsrat diskutiert Risiken und Chancen kritischer Rohstoffe

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat sich mit den geopolitischen Folgen der weltweit steigenden Nachfrage nach kritischen Mineralien befasst. Die Debatte fand am 5. März in New York statt und drehte sich um die Rolle von Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Nickel für Energieversorgung, Technologie und internationale Sicherheit.

UN-Untergeneralsekretärin für politische und friedensbildende Angelegenheiten, Rosemary DiCarlo, erklärte vor dem 15-köpfigen Rat, kritische Mineralien gehörten inzwischen zu den wichtigsten Treibern der Weltwirtschaft. Sie seien zentral für digitale Technologien, medizinische Geräte und die Energiewende, etwa für Batterien von Elektrofahrzeugen und Smartphones.

Rohstoffe als Schlüssel der globalen Wirtschaft

Der weltweite Handel mit Rohstoffen und halbverarbeiteten Mineralien erreichte nach Angaben der Vereinten Nationen im Jahr 2023 ein Volumen von rund 2,5 Billionen US-Dollar. Das entspricht mehr als zehn Prozent des globalen Handels.

Die Nachfrage nach kritischen Mineralien könnte nach Einschätzung der Vereinten Nationen bis 2030 auf das Dreifache und bis 2040 auf das Vierfache steigen. DiCarlo sprach von einer „generationenübergreifenden Chance“, neue Arbeitsplätze zu schaffen und Volkswirtschaften zu diversifizieren.

Gleichzeitig warnte sie vor Risiken durch geopolitische Rivalität und instabile Lieferketten.

Konflikte und Risiken in Förderregionen

Die Förderung kritischer Rohstoffe konzentriert sich häufig in politisch fragilen Regionen. Mehr als 70 Prozent der weltweiten Kobaltproduktion stammen aus der Demokratischen Republik Kongo. Das Metall ist ein zentraler Bestandteil vieler Batterien für elektronische Geräte.

Weitere bedeutende Vorkommen liegen unter anderem in Myanmar, das über große Reserven seltener Erden verfügt, sowie in der Ukraine, die über Titan- und Lithiumvorkommen verfügt.

DiCarlo verwies darauf, dass Bergbau in Konfliktregionen häufig mit Menschenrechtsverletzungen, Umweltproblemen und illegalen Wirtschaftsstrukturen verbunden sei. Wenn Rohstoffförderung unzureichend reguliert werde, könne sie staatliche Institutionen schwächen und kriminelle Netzwerke oder bewaffnete Gruppen finanzieren.

Sicherheitsrat und internationale Regulierung

Der Sicherheitsrat verfügt nach Angaben der Vereinten Nationen über mehrere Instrumente zur Eindämmung illegaler Rohstoffströme. Dazu gehören gezielte Sanktionen und Expertengremien, die Verstöße untersuchen, Lieferketten nachverfolgen und Staaten bei der Umsetzung internationaler Maßnahmen unterstützen.

DiCarlo betonte, dass Regierungen in Förder- und Verbraucherländern stärkere regulatorische Rahmenbedingungen schaffen müssten, um Rohstoffe verantwortungsvoll zu nutzen. Dazu gehöre auch, Staaten bei Verhandlungen über Abbauverträge zu unterstützen und multilaterale Kooperation zur Nachverfolgung von Lieferketten auszubauen.

Afrika im Zentrum der Debatte

Mehrere Delegationen verwiesen auf die Bedeutung afrikanischer Rohstoffvorkommen. Der Vertreter Somalias erklärte, Afrika verfüge über etwa 30 Prozent der weltweiten Reserven kritischer Mineralien. Dennoch habe dieser Ressourcenreichtum vielerorts bislang nicht zu entsprechenden wirtschaftlichen Verbesserungen für die Bevölkerung geführt.

Der Vertreter der Demokratischen Republik Kongo erinnerte daran, dass der Osten seines Landes seit fast drei Jahrzehnten von Gewalt geprägt sei, die auch mit illegaler Ausbeutung von Rohstoffen zusammenhänge. Einnahmen aus Rohstoffen hätten bewaffnete Gruppen finanziert und Millionen Zivilisten in anhaltende Unsicherheit gestürzt.

Liberia verwies auf ähnliche Erfahrungen während seines Bürgerkriegs, als Einnahmen aus Diamanten und Holz zum Fortbestehen der Konflikte beitrugen.

Geopolitische Spannungen im Sicherheitsrat

Mehrere Mitglieder des Sicherheitsrats betonten die strategische Bedeutung der Versorgung mit kritischen Mineralien.

Der Energieminister der Vereinigten Staaten, Chris Wright, der im März den Vorsitz im Sicherheitsrat innehat, erklärte in nationaler Eigenschaft: „Energiesicherheit ist nationale Sicherheit.“ Staaten dürften nicht von einzelnen Lieferanten kritischer Rohstoffe abhängig werden.

Russland kritisierte hingegen westliche Forderungen nach stärkerer Transparenz in Lieferketten. Der russische Vertreter erklärte, solche Initiativen könnten genutzt werden, um politischen Druck auf rohstoffreiche Staaten auszuüben.

Auch China warnte vor einem „überholten kolonialistischen Denken“ in der internationalen Rohstoffpolitik und forderte gleichberechtigte wirtschaftliche Partnerschaften.

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