Vertriebene kehren in großer Zahl nach Sudan zurück – doch Khartum liegt in Trümmern

Sie kehren zurück, obwohl Häuser, Stromnetze und Wasserversorgung zerstört sind: Im Sudan beginnt eine riskante Rückkehrbewegung inmitten eines Krieges, der auch nach drei Jahren kein Ende findet.

Hunderttausende Vertriebene kehren in den Sudan zurück, obwohl in Khartum und Al-Dschasira Wasser, Strom, Gesundheitsversorgung und Wohnraum schwer zerstört sind. Am Montag warnte die Internationale Organisation für Migration, dass allein in Khartum 2026 mehr als zwei Millionen weitere Rückkehrer erwartet werden. Viele Menschen hoffen auf mehr Sicherheit, andere halten die Bedingungen in der Vertreibung nicht länger aus. Gleichzeitig dauert der Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces unvermindert an.

Rückkehr in zerstörte Städte

Die Rückkehr konzentriert sich nach Angaben der IOM vor allem auf die Hauptstadt Khartum und den benachbarten Bundesstaat Al-Dschasira. IOM-Vizegeneraldirektorin Sung Ah Lee schilderte nach einem Besuch in Khartum eine Stadt, in der Wohnhäuser und zentrale Infrastruktur massiv beschädigt sind. „Ich war gestern in Khartum und habe gesehen, dass große Zahlen von Menschen in Gebiete zurückkehren, in denen Wohnungen und kritische Infrastruktur wie Wasser, Gesundheit und Strom schwer beschädigt worden sind“, sagte sie.

Dass Menschen dennoch zurückkehren, hat mehrere Gründe. Ein Teil der Vertriebenen geht davon aus, dass sich die Sicherheitslage verbessert hat. Andere sehen kaum noch eine Alternative, weil das Leben in der Flucht wirtschaftlich immer schwerer wird und sich auch die Bedingungen in den Nachbarländern verschlechtern.

Fast neun Millionen Menschen bleiben im Land vertrieben

Der Krieg hatte seit April 2023 eine der größten Vertreibungskrisen der Welt ausgelöst. Auf dem Höhepunkt der Kämpfe flohen nach IOM-Angaben fast zwölf Millionen Menschen aus besonders betroffenen Gebieten, darunter Khartum, Al-Dschasira sowie Teile von Sennar und Kordofan. Mehr als 4,5 Millionen überschritten die Grenzen, vor allem nach Ägypten, in den Südsudan und nach Tschad. Noch immer leben fast neun Millionen Menschen als Binnenvertriebene im Sudan.

Die Last tragen seit Langem auch die Aufnahmegebiete im Osten und Norden des Landes. Staaten wie Kassala, Gedaref, Red Sea, Northern und River Nile hätten zahlreiche Familien aufgenommen, obwohl sie selbst bereits unter wirtschaftlichem Druck und den Folgen der Klimakrise stünden, erklärte Lee. Die vorhandene Infrastruktur sei dadurch fast an ihre Grenzen gekommen.

Die Last tragen seit Langem auch die Aufnahmegebiete im Osten und Norden des Landes. Staaten wie Kassala, Gedaref, Red Sea, Northern und River Nile hätten zahlreiche Familien aufgenommen, obwohl sie selbst bereits unter wirtschaftlichem Druck und den Folgen der Klimakrise stünden, erklärte Lee. Die vorhandene Infrastruktur sei dadurch fast an ihre Grenzen gekommen.

Zerstörte Felder bedrohen die Ernten

Besonders heikel ist die Lage in Al-Dschasira, einer zentralen Agrarregion des Landes. Dort treffen Rückkehrer nicht nur auf beschädigte Häuser, sondern auch auf verwüstete Felder und zerstörte Bewässerungssysteme. „Landwirte kehren auf Felder zurück, in denen Bewässerungssysteme und Geräte beschädigt worden sind“, sagte Lee. Das bedrohe Einkommen und Nahrungsmittelproduktion in einem Moment, in dem der Sudan ohnehin unter einer schweren Versorgungskrise leidet.

Die IOM warnt deshalb vor einem Scheitern der Rückkehrbewegung, wenn grundlegende Hilfe ausbleibt. „Ohne dringende Investitionen in die Wiederherstellung grundlegender Dienste, den Wiederaufbau von Infrastruktur und die Belebung von Lebensgrundlagen sind sichere und nachhaltige Rückkehr ernsthaft gefährdet“, sagte Lee.

Krieg geht trotz internationaler Appelle weiter

Diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe blieben bislang ohne Wirkung. Nach Darstellung der Vereinten Nationen hält der Krieg seit April 2023 ohne Unterbrechung an und ist von schweren Menschenrechtsverletzungen gegen Zivilisten geprägt. Genannt werden sexualisierte Gewalt, Folter, willkürliche Tötungen, Erpressung und gezielte Angriffe auf bestimmte Bevölkerungsgruppen.

Auch das Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnt, dass sich die Krise mit dem Eintritt in ihr viertes Jahr weiter verkompliziert. Neben anhaltender Binnen- und grenzüberschreitender Flucht beobachtet die Organisation zunehmend wiederholte Fluchtbewegungen. Dahinter stehen nicht nur neue Unsicherheit, sondern auch Versorgungslücken in den Nachbarstaaten, etwa geschlossene Kliniken, ausgesetzte Ernährungsprogramme und gekürzte Schutzangebote.

EU erhöht Druck auf Kriegsparteien

Drei Jahre nach Kriegsbeginn hat auch die Europäische Union den Druck auf die Konfliktparteien erhöht. In einer Erklärung vom 21. April bekräftigte Kaja Kallas im Namen der EU-Staaten ihre Unterstützung für die Einheit und territoriale Integrität des Sudan und wies einseitige Schritte zu parallelen Machtstrukturen zurück. Die EU verlangte eine sofortige und dauerhafte Waffenruhe und kündigte an, glaubwürdige Friedensinitiativen einschließlich eines internationalen Überwachungsmechanismus zu unterstützen.

Zugleich machte Brüssel externe Akteure mitverantwortlich für die Fortsetzung des Krieges. Die EU sprach sich dafür aus, sowohl das Mandat des Internationalen Strafgerichtshofs als auch das UN-Waffenembargo auf das gesamte Land auszuweiten, statt sie wie bisher auf Darfur zu begrenzen.

Bei der Sudan-Konferenz in Berlin am 15. April sagten internationale Geber nach EU-Angaben 1,5 Milliarden Euro Hilfe zu, davon 812 Millionen Euro von der EU und ihren Mitgliedstaaten. Die Union kündigte außerdem an, weitere Sanktionen gegen Strukturen der Kriegswirtschaft zu prüfen.

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