Weniger Geld, mehr Europa: Warum Team Europe jetzt wichtiger wird

Sinkende Gebermittel und geopolitische Veränderungen erhöhen den Druck auf die Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland setzt deshalb stärker auf Team Europe – und hat seine Entwicklungsplanung in mehreren Partnerländern bereits mit europäischen Programmen verzahnt.

Geopolitische Veränderungen und sinkende Beiträge von Geberstaaten erhöhen nach Einschätzung der Bundesregierung die Bedeutung von Team Europe in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Bundesregierung erläuterte ihre Position am 12. August 2026 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion. Deutschland will bilaterale Programme enger mit europäischen Maßnahmen verzahnen, Doppelstrukturen vermeiden und zusätzliche Finanzierungsquellen mobilisieren. In fünf Partnerländern hatte die europäische Programmplanung bereits dazu geführt, dass ausführliche deutsche Länderstrategien durch kürzere Dokumente ersetzt wurden.

Team Europe bündelt die Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Kommission, der EU-Mitgliedstaaten und europäischer Finanzinstitutionen. Der Ansatz wurde 2020 eingeführt und soll europäische Aktivitäten in Partnerländern politisch, finanziell und operativ stärker koordinieren.

„Der Team-Europe-Ansatz bündelt die Ressourcen der EU und ihrer Mitgliedstaaten und leistet so einen maßgeblichen Beitrag, Europa als handlungsfähigen entwicklungspolitischen Akteur zu positionieren“, erklärte die Bundesregierung. Auch Deutschland gewinne dadurch „an Profil, Sichtbarkeit und Wirkung“.

Deutsche Länderstrategien in fünf Staaten verändert

Die europäische Koordinierung hat bereits unmittelbare Auswirkungen auf die Planung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die bisherigen Länderstrategien des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für Bolivien, Ghana, Kambodscha, Laos und Usbekistan wurden durch kürzere sogenannte Chapeaupapiere zu den gemeinsamen europäischen Programmdokumenten ersetzt.

Diese Dokumente beschreiben den deutschen Beitrag zum sogenannten Joint Programming und die entwicklungspolitischen Ziele Deutschlands. Joint Programming bezeichnet die gemeinsame Planung der EU und ihrer Mitgliedstaaten in einem Partnerland.

Mit der aktuellen Reform der deutschen Entwicklungspolitik verändert das BMZ diesen Ansatz jedoch wieder. Länderstrategien sollen als zentrales Instrument der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit gestärkt und zugleich verschlankt werden. Sie sollen künftig für alle deutschen Partnerländer erstellt, regelmäßig aktualisiert und als Grundlage für die Abstimmung mit anderen Gebern genutzt werden.

Team Europe als Grundlage für Global Gateway

Eine zentrale Rolle spielt Team Europe auch bei der europäischen Investitionsstrategie Global Gateway. Die Bundesregierung bezeichnet den Ansatz als „Rückgrat“ für deren Umsetzung.

Team-Europe-Initiativen sollen die politischen Ziele von Global Gateway in einzelnen Partnerländern konkretisieren. Die EU-Strategie umfasst unter anderem Investitionen in Infrastruktur und nachhaltige Entwicklung.

Als finanzielle Grundlage der europäischen Außen- und Entwicklungspolitik dient unter anderem das Instrument „Neighbourhood, Development and International Cooperation Instrument – Global Europe“. Für den Zeitraum von 2021 bis 2027 umfasst es nach Angaben der Bundesregierung 79,5 Milliarden Euro.

Politische Stiftungen und Kirchen sind eingebunden

An Team Europe sind neben staatlichen Stellen auch zivilgesellschaftliche Organisationen beteiligt. Politische Stiftungen unterstützen den Ansatz unter anderem bei Demokratieförderung, politischem Dialog und der Stärkung der Zivilgesellschaft.

Kirchliche Träger wirken nach Darstellung der Bundesregierung mittelbar an Team-Europe-Initiativen mit. Ihre Netzwerke reichen teilweise bis in abgelegene Regionen der Partnerländer und können dort etwa bei Hilfsprogrammen eingesetzt werden.

Private Unternehmen gelten dagegen nicht als direkte Teilnehmer von Team-Europe-Initiativen. Sie können sich über Investitionen oder öffentlich-private Entwicklungspartnerschaften beteiligen. Team Europe soll zugleich politische und regulatorische Rahmenbedingungen für lokale und internationale Investitionen verbessern und den Zugang zur Finanzierung unterstützen.

Bundesregierung verweist auf bestehende Kontrollen

Für deutsche Projekte innerhalb von Team Europe gelten nach Angaben der Bundesregierung dieselben Regeln wie für andere Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Dazu zählen Vorgaben zur Transparenz, Neutralität, Vergabe und fachlichen Auswahl von Projektträgern und Umsetzungspartnern.

Bei gemeinsamen Finanzierungen werden mögliche Träger und Partner während der Projektprüfung bestimmt. Auch die Kontrolle der Mittelverwendung folgt den üblichen Verfahren der jeweils zuständigen Bundesministerien und Durchführungsorganisationen.

Der Bundestag verfüge über „umfassende parlamentarische Kontrollrechte“. Für die Bewertung einzelner Team-Europe-Initiativen werden außerdem gemeinsam mit den beteiligten Partnern Indikatoren festgelegt, anhand derer ihre Wirkung gemessen werden soll.

Evaluierungen deutscher Beiträge erfolgen unter anderem durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die KfW Entwicklungsbank und das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit.

Weniger Gebermittel erhöhen Koordinierungsdruck

Veränderte internationale Rahmenbedingungen verstärken nach Einschätzung der Bundesregierung den Bedarf an gemeinsamer europäischer Entwicklungszusammenarbeit. Dazu zählt sie neben geopolitischen Veränderungen ausdrücklich auch veränderte Beiträge anderer Geberstaaten.

Team Europe soll deshalb nationale und europäische Maßnahmen stärker miteinander verbinden, Synergien nutzen und parallele Strukturen vermeiden. Gleichzeitig soll die gemeinsame europäische Zusammenarbeit zusätzliche Mittel für Entwicklungsprojekte mobilisieren.

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