Deutschland arbeitet bei zahlreichen Gesundheitsprojekten in Afrika mit der Gates Foundation und weiteren privaten Stiftungen zusammen. Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion trägt das Datum 18. August 2026. Die Kooperation reicht von der afrikanischen Impfstoffproduktion über Arzneimittelregulierung bis zu Familienplanung und Pandemievorsorge. Zugleich sind private Stiftungen in mehreren internationalen Gesundheitsorganisationen mit Sitzen und teilweise Stimmrechten vertreten.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kooperiert unter anderem über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit mit der Gates Foundation und der Clinton Health Access Initiative. Hinzu kommen gemeinsame Beteiligungen an internationalen Einrichtungen wie der Impfallianz Gavi und dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria.
Die Bundesregierung bezeichnet private Stiftungen als wichtige Partner bei der Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele. Sie könnten eigene Finanzmittel, Netzwerke und Fachwissen einbringen. Gleichzeitig zieht Berlin eine Grenze: Private Stiftungen dürften weder die politische Agenda bestimmen noch staatliche Strukturen ersetzen.
Gates Foundation finanziert afrikanische Pharmaplattform mit knapp zehn Millionen Euro
Bei der AMMINA-Plattform zur Erfassung und Darstellung der afrikanischen Pharmaproduktion weist die Bundesregierung knapp 9,96 Millionen Euro der Gates Foundation aus. Das BMZ sieht für den Zeitraum von September 2026 bis Juni 2028 einen Beitrag von 100.000 Euro vor. Auch die Entwicklungsagentur der Afrikanischen Union AUDA-NEPAD beteiligt sich mit 100.000 US-Dollar.
Bei der African Medicines Agency, der geplanten kontinentalen Arzneimittelbehörde der Afrikanischen Union, nennt die Bundesregierung für den Zeitraum von Juni 2026 bis Juni 2028 insgesamt 4,5 Millionen Euro aus dem BMZ. Davon werden 1,5 Millionen Euro über die GIZ und drei Millionen Euro über die Physikalisch-Technische Bundesanstalt bereitgestellt. Die Gates Foundation beteiligt sich mit drei Millionen Euro.

Auch die Entwicklung eines afrikanischen Marktes für orale Cholera-Impfstoffe wird gemeinsam unterstützt. Für eine strategische Roadmap bei der südafrikanischen Arzneimittelbehörde SAHPRA stellte das BMZ rund 1,16 Millionen Euro bereit, während die Gates Foundation rund 2,45 Millionen US-Dollar einbrachte.
Beim südafrikanischen Impfstoffhersteller Biovac nennt die Bundesregierung einen deutschen Beitrag von rund 229.000 Euro. Die Gates Foundation steuerte gut drei Millionen US-Dollar bei, Biovac selbst knapp 1,8 Millionen Euro.
Africa CDC und Impfstoffproduktion im Fokus
Eine weitere Kooperation betrifft die Africa Centres for Disease Control and Prevention, kurz Africa CDC. Über einen Finanzierungsvertrag zwischen der GIZ und der Clinton Health Access Initiative wird die sogenannte Platform for Harmonised African Health Manufacturing unterstützt.
Das Projekt soll die Nachfrage nach in Afrika hergestellten Impfstoffen stärken und untersuchen, wie afrikanische Unternehmen besseren Zugang zu Finanzierungen erhalten können. Das BMZ beteiligt sich mit rund 384.000 Euro. Die Gates Foundation ist weiterer Geber und stellt 876.000 Euro bereit. Die Laufzeit ist für 2025 und 2026 angegeben.
In Ghana arbeitet auch GIZ International Services im Auftrag der Gates Foundation. Für die Vorbereitung der AYA Integrated Healthcare Initiative wurden 263.000 Euro bereitgestellt. Das Projekt soll Modelle für eine integrierte medizinische Grundversorgung bei nichtübertragbaren Krankheiten entwickeln. Öffentliche Haushaltsmittel fließen nach Angaben der Bundesregierung in diesem Vertragsmodell nicht.
Milliardenbeträge für Gavi und Globalen Fonds
Noch wesentlich größere Summen fließen über internationale Gesundheitsfonds, an denen Deutschland und private Stiftungen gleichzeitig beteiligt sind.
Für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria stellte das BMZ von 2023 bis 2025 insgesamt 1,2 Milliarden Euro bereit. Für die Jahre 2026 bis 2028 sind weitere eine Milliarde Euro zugesagt. Die Gates Foundation steuerte für 2023 bis 2025 insgesamt 927 Millionen US-Dollar bei und hat für 2026 bis 2028 weitere 912 Millionen US-Dollar vorgesehen.
Auch bei der Impfallianz Gavi gehören Deutschland und die Gates Foundation zu den Geldgebern. Das BMZ stellte zwischen 2021 und 2025 insgesamt 600 Millionen Euro bereit. Für die Gates Foundation weist die Bundesregierung 1,6 Milliarden US-Dollar aus.
Weitere gemeinsame Finanzierungsstrukturen bestehen unter anderem beim Pandemic Fund, der Global Financing Facility für Frauen, Kinder und Jugendliche sowie bei Programmen zur Bekämpfung von Polio und vernachlässigten Tropenkrankheiten.
Private Stiftungen sitzen in internationalen Leitungsgremien
Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf Finanzierung. Private Stiftungen verfügen in mehreren internationalen Gesundheitsinstitutionen über formalisierte Mitwirkungsrechte.
Bei Gavi hat die Gates Foundation als größter nichtstaatlicher Geber und Kernpartner einen eigenen Sitz im Verwaltungsrat. Beim Globalen Fonds verfügen private Stiftungen über einen gemeinsamen Sitz mit Stimmrecht. Die Gates Foundation ist dort außerdem im Finanz- und Prüfungsausschuss sowie im Strategieausschuss vertreten.
Bei der Impfstoffinitiative CEPI wechseln sich Gates Foundation und Wellcome Trust mit einem Sitz im Verwaltungsrat ab. Im Governing Board des Pandemic Fund besitzen private Geber ebenfalls einen Sitz mit Stimmrecht. Zur entsprechenden Gruppe gehören Gates Foundation, Rockefeller Foundation und Wellcome Trust.
Auch bei der Global Financing Facility verfügen mehrere private Stiftungen über eigene Sitze. Dazu gehören die Gates Foundation, die Susan Thompson Buffett Foundation und die Children’s Investment Fund Foundation.
Bundesregierung: Stiftungen bestimmen nicht die politische Agenda
Die Bundesregierung weist zugleich die Vorstellung zurück, private Stiftungen könnten staatliche Entwicklungspolitik ersetzen oder deren politische Ziele festlegen. Die Zusammenarbeit orientiere sich an den „Leitlinien und Prioritäten der deutschen Entwicklungspolitik“ sowie internationalen Standards.
Vor einer Kooperation werde eine Trägerprüfung durchgeführt. Dabei müsse unter anderem die steuerrechtlich anerkannte Gemeinnützigkeit oder Mildtätigkeit bestätigt werden. Mögliche längerfristige Partnerschaften würden außerdem nach regionalen und sektoralen Schwerpunkten sowie der Strategie der jeweiligen Stiftung geprüft.
Einen Austausch von Mitarbeitern zwischen Bundesministerien oder ihren Durchführungsorganisationen und privaten Stiftungen gibt es nach Angaben der Bundesregierung derzeit nicht. Auch Memoranda of Understanding als Grundlage längerfristiger Kooperationen bestünden aktuell mit keiner der abgefragten privaten Stiftungen oder Organisationen. Eine Neufassung eines früheren Memorandums zwischen dem BMZ und der Gates Foundation sei nicht geplant.
Bei der Weltgesundheitsorganisation setzt Deutschland zugleich darauf, die Abhängigkeit von zweckgebundenen Beiträgen zu verringern. Die Bundesregierung verweist auf die 2022 beschlossene schrittweise Erhöhung der regulären Pflichtbeiträge der Mitgliedstaaten auf 50 Prozent des WHO-Grundbudgets. Private Finanzierungen seien angesichts der bestehenden Finanzierungslücken dennoch ein wichtiger Bestandteil der globalen Gesundheitsfinanzierung.

