Der Verfassungsschutz hat vor den anstehenden Wahlen in vier Bundesländern eine neue Welle ausländischer Informationsmanipulation identifiziert, die gezielt Landes- und Kommunalpolitiker diskreditiert. Die Aktivitäten wurden seit Ende Juni 2026 beobachtet. Unter dem Namen MATRYOSHKA verbreitet die Kampagne gefälschte Medienbeiträge und KI-generierte Videos, die eine erneute Spaltung Deutschlands in Ost und West propagieren und das Vertrauen in demokratische Prozesse schwächen sollen. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz geraten 2026 erstmals auch Politiker auf Landes- und Kommunalebene systematisch ins Visier.
Im September stehen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus sowie Kommunalwahlen in Niedersachsen an. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht die Kampagne in engem Zusammenhang mit diesen Abstimmungen.
Gefälschte Schlagzeilen sollen Ost und West gegeneinander aufbringen
MATRYOSHKA nutzt vor allem englischsprachige Kurzvideos und manipulierte Beiträge auf der Plattform X. Die Inhalte übernehmen das Erscheinungsbild bekannter deutscher Medien und versehen es mit erfundenen oder zugespitzten Schlagzeilen.
Ende Juni wurden unter anderem gefälschte Beiträge verbreitet, die behaupteten: „Der Westen HASST den Osten – Deutschland war noch nie so nah am Bürgerkrieg.“ Eine weitere manipulierte Titelseite trug die Überschrift „Baut die Mauer wieder auf!“.
Nach Darstellung des Verfassungsschutzes kopierten die Verantwortlichen teilweise Originalausgaben bekannter Onlinemedien vom Vortag und änderten lediglich die Hauptschlagzeile. Dadurch sollten die Fälschungen auf den ersten Blick wie echte journalistische Inhalte wirken.
Die Kampagne richtet sich damit nicht nur gegen einzelne Politiker. Sie versucht zugleich, bestehende gesellschaftliche Spannungen zwischen Ost- und Westdeutschland zu verstärken.
KI-Videos propagieren neue Teilung Deutschlands
Im August folgte eine weitere Welle unter dem Hashtag „TimeToDivideGermany“. Dabei kamen nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz inszenierte oder vollständig KI-generierte Inhalte zum Einsatz.
Die Videos zeigten unter anderem manipulierte Auftritte von Prominenten sowie Bilder des Brandenburger Tors, der Berliner Mauer und der deutschen Flagge. Inhaltlich wurde eine erneute Teilung Deutschlands als „historische Notwendigkeit“ dargestellt.

Andere Beiträge griffen Bundeskanzler und Politiker von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Linken an. Ihnen wurden unter anderem Korruption, eine falsche Migrationspolitik und mangelndes Interesse an den Anliegen der Bevölkerung vorgeworfen.
Das Bundesamt sieht darin eine neue Stufe der Kampagne. Während sich ausländische Einflussoperationen zuvor vor allem gegen Politiker auf Bundes- und europäischer Ebene richteten, werden nun auch bekannte Kandidaten aus Ländern und Kommunen gezielt als unfähig, unqualifiziert oder korrupt dargestellt.
Verfassungsschutz verweist auf russische Interessen
Das Bundesamt ordnet die Aktivitäten in den Kontext ausländischer Einflussnahme ein. Besonders betroffen seien Politiker, deren Positionen nicht mit den strategischen Interessen der Russischen Föderation übereinstimmten.
Bereits rund um die Bundestagswahl 2025 hatte der Verfassungsschutz Russland als wichtigsten Akteur ausländischer Einflussversuche identifiziert. Damals wurden unter anderem KI-generierte Videos, gefälschte Nachrichtenangebote und polarisierende Beiträge eingesetzt. Mit der Kampagne „Storm-1516“ trat zusätzlich ein mutmaßlich russisches Netzwerk auf, das Artikel und Videos über Webseiten verbreitete, die wie Nachrichtenseiten gestaltet waren.
Auch MATRYOSHKA war 2026 bereits vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aktiv. Dabei verbreiteten beteiligte Accounts unter anderem die Behauptung, die CDU verbreite selbst Desinformation und kaufe Stimmen.
Seeder-Accounts starten die Kampagne
Die Verbreitung folgt nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes einem abgestuften System. Zunächst veröffentlichen sogenannte Seeder-Accounts die manipulierten Inhalte.
Dabei handelt es sich um eigens angelegte, gekaufte oder übernommene Konten, die neue Narrative auf einer Plattform platzieren und erste Reaktionen auslösen sollen.
Anschließend übernehmen sogenannte Amplifier-Accounts die Beiträge und verbreiten sie über weitere Kanäle. Durch Likes, Kommentare, erneutes Teilen und Verlinkungen soll der Eindruck einer größeren gesellschaftlichen Resonanz entstehen. Teilweise werden dabei auch etablierte Medien verlinkt, um zusätzliche Aufmerksamkeit für die Fälschungen zu erzeugen.
Behörden bündeln Abwehr im GAZ Hybrid
Bund und Länder koordinieren die Beobachtung solcher Kampagnen im Gemeinsamen Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen, dem GAZ Hybrid. Dort arbeiten verschiedene Sicherheitsbehörden und weitere staatliche Stellen zusammen.
Seit 2025 führt die Bundesregierung zudem Verfahren zur staatlichen Zuordnung ausländischer Informationsmanipulation und Desinformation durch. Erkennt der Verfassungsschutz mutmaßlich inauthentische Accounts, meldet er diese auch an die Betreiber der betroffenen Plattformen. Nach einer Prüfung werden entsprechende Konten nach Angaben der Behörde häufig gelöscht.

