Togo hat erstmals öffentlich begründet, warum zwei französische Dokumentarfilmer und ihr togolesischer Mitarbeiter seit Ende Juli festgehalten werden. Die Erklärung der Regierung folgte am Samstag, 22. August, knapp vier Wochen nach ihrer Festnahme. Gaël Mocaër und Sebastian Perez Pezzani werden wegen „falscher Angaben“ strafrechtlich verfolgt. Ihr Arbeitgeber und Reporter ohne Grenzen widersprechen der Darstellung der Behörden und verlangen ihre Freilassung.
Mocaër und Perez Pezzani arbeiteten im Norden Togos an einer Folge der Dokumentarreihe „Les Routes de l’impossible“ für France Télévisions. Gemeinsam mit dem togolesischen Produzenten und Fixer Fred Vedomey wurden sie am 27. Juli während der Dreharbeiten festgenommen.
Nach einer zwischenzeitlichen Unterbringung unter Aufsicht wurden die beiden Franzosen am 17. August in Untersuchungshaft genommen. Sie befinden sich in einer Einrichtung der Sicherheitskräfte in Agoè Logopé bei Lomé.
Togo spricht von „schwerwiegenden und übereinstimmenden Indizien“
Die togolesische Regierung äußerte sich am 22. August erstmals offiziell zu dem Fall. In einer gemeinsamen Mitteilung der Ministerien für Justiz und Sicherheit erklärten die Behörden, gegen die beiden Franzosen lägen „schwerwiegende und übereinstimmende Indizien“ vor.
Im Zentrum steht die Genehmigung für die Dreharbeiten. Nach Darstellung der Regierung beriefen sich Mocaër und Perez Pezzani auf eine Erlaubnis des für Tourismus zuständigen Ministeriums. Diese sei jedoch ausschließlich auf den Namen des togolesischen Produzenten Vedomey ausgestellt worden.
Hinzu kommen Vorwürfe wegen der Drehorte. Die Filmemacher sollen auch in der Region Savanes und in der Präfektur Binah gearbeitet haben. Diese Gebiete seien von der erteilten Genehmigung nicht erfasst gewesen. Außerdem wirft Lomé der Filmcrew vor, eine Drohne eingesetzt zu haben, deren technische Merkmale zuvor nicht angemeldet worden seien.
Die Regierung betont, das Verfahren betreffe ausschließlich die Einhaltung administrativer Vorschriften.
Antrag nannte die beiden Franzosen ausdrücklich
Die Produktionsfirma Tony Comiti Productions widerspricht der Darstellung, die beiden Filmemacher hätten ohne die erforderlichen Genehmigungen gearbeitet.
Ein Antrag auf Dreherlaubnis vom 12. Juni führt die Mitglieder des Teams ausdrücklich auf. Darin werden Gaël Mocaër als Regisseur, Sebastian Perez als Kameramann und Vedomey Komi Mawufemo als lokaler Produzent genannt.
Das geplante 50-minütige Programm sollte zwischen dem 10. und 30. Juli in mehreren Teilen Togos entstehen. Genannt wurden Tchamba, Bassar, Kara, Nadoba und Badja sowie Dreharbeiten in Lomé.
Die am 19. Juni ausgestellte behördliche Genehmigung selbst wurde allerdings nur auf den Namen des togolesischen Produzenten ausgestellt. Sie beschränkte die Dreharbeiten zudem auf die ausdrücklich genannten Gebiete und verwies darauf, dass weitere örtliche Verwaltungsvorschriften einzuhalten seien.
Damit stehen sich zwei Lesarten gegenüber. Die Behörden berufen sich auf den Wortlaut der ausgestellten Genehmigung. Die Produktionsfirma verweist darauf, dass die vollständige Zusammensetzung des Teams bereits im Genehmigungsantrag angegeben worden war.
Produktionsfirma bestreitet politische Absicht
Tony Comiti Productions erklärt, die Journalisten hätten über gültige Visa und eine Drehgenehmigung verfügt. Auch das eingesetzte Material sei bei der Einreise gegenüber dem Zoll angegeben worden.
Produzent Tony Comiti hatte zuvor erklärt, die Crew könne im Norden des Landes unwissentlich eine für Journalisten gesperrte Zone um wenige Kilometer überschritten haben. Nach seiner Darstellung wurden bei der Festnahme Pässe und Filmaufnahmen beschlagnahmt.
Das geplante Programm sollte vor allem Alltag, Wirtschaft und Kultur zeigen. Im Antrag wurden unter anderem eine Cashew-Verarbeitungsanlage in Tchamba, traditionelle Tänze, die Tatas der Batammariba im Norden Togos sowie Aufnahmen aus Lomé genannt.
Reporter ohne Grenzen bezeichnet das Projekt deshalb als journalistische Arbeit „ohne politische Zielsetzung“. Die Organisation hält die Inhaftierung für „ungerechtfertigt und unverhältnismäßig“ und fordert die sofortige Freilassung der beiden Franzosen.
„Sie haben lediglich ihre Arbeit gemacht“, erklärte die Organisation.
Paris bestätigt konsularische Betreuung
Das französische Außenministerium bestätigte die Inhaftierung am 18. August. Beide Franzosen seien Gegenstand eines von einem Untersuchungsrichter geführten Ermittlungsverfahrens.
Französische Diplomaten hätten die beiden Männer seit ihrer Festnahme dreimal besucht. Die Mitarbeiter des Ministeriums in Paris und Lomé seien „vollständig mobilisiert“, um ihre Haftbedingungen, ihren Gesundheitszustand und die Wahrung ihrer Verteidigungsrechte zu verfolgen.
Die Botschaft steht nach französischen Angaben zudem mit den Anwälten, den Familien und dem Arbeitgeber der beiden Männer in Kontakt.
Auch der togolesische Mitarbeiter Fred Vedomey befindet sich weiterhin in Haft.
Verhältnis zu französischen Medien seit 2025 belastet
Der Fall trifft auf bereits bestehende Spannungen zwischen den togolesischen Behörden und französischen Medien. RFI und France 24 wurden im Juni 2025 in Togo vom Sendebetrieb ausgeschlossen. Die Medienaufsicht warf den Sendern damals unter anderem mangelnde Unparteilichkeit und die Verbreitung unzutreffender Informationen im Zusammenhang mit Protesten gegen die Regierung vor.
Die Sender wiesen die Vorwürfe zurück. Die Ausstrahlung in Togo ist weiterhin ausgesetzt.

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot hatte bei einem Besuch in Lomé im April 2026 für eine Aufhebung der Maßnahmen geworben.
Bereits 2024 war der französische Journalist Thomas Dietrich während einer Recherche zur damaligen Wahlkampagne festgenommen und anschließend aus Togo ausgewiesen worden.
Sicherheitslage im Norden verschärft Kontrollen
Die Festnahme der Filmcrew erfolgte zugleich in einem besonders sensiblen Teil des Landes. Togos Norden ist seit mehreren Jahren von der Ausbreitung jihadistischer Gruppen aus dem benachbarten Burkina Faso betroffen.
Für die Region Savanes gilt seit 2022 der Ausnahmezustand. Sicherheitskräfte und Behörden kontrollieren dort Reisen, Filmaufnahmen und die Tätigkeit ausländischer Journalisten besonders streng.
Die beiden französischen Filmemacher waren nahe Kara unterwegs, als sie festgenommen wurden. Nach Angaben ihrer Produktionsfirma arbeiteten sie dort an einem Dokumentarfilm über das alltägliche Leben der Bevölkerung.

