Sudan-Krieg: Human Rights Watch belastet Emirate wegen kolumbianischer Söldner

Neue Vorwürfe im Sudan-Krieg: Human Rights Watch bringt die Vereinigten Arabischen Emirate mit kolumbianischen Kämpfern an der Seite der RSF in Verbindung. Im Zentrum stehen Militärstandorte in Abu Dhabi, eine Sicherheitsfirma und die Gewalt in El Fasher.

Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen die Vereinigten Arabischen Emirate wegen ihrer mutmaßlichen Rolle im Sudan-Krieg. Die Organisation veröffentlichte die Vorwürfe am 25. Mai 2026. Demnach sollen kolumbianische private Militärkräfte über emiratische Militärstandorte nach Sudan gelangt sein, um die Rapid Support Forces zu unterstützen. Die paramilitärische Gruppe wird für schwere Verbrechen gegen Zivilisten verantwortlich gemacht, besonders im Kampf um El Fasher in Nord-Darfur.

Kolumbianer sollen über Emirate nach Sudan gelangt sein

Human Rights Watch beschreibt ein Rekrutierungs- und Einsatznetzwerk, das von Kolumbien über die Vereinigten Arabischen Emirate bis nach Darfur geführt haben soll. Im Zentrum steht die in Abu Dhabi ansässige Sicherheitsfirma Global Security Services Group, kurz GSSG. Sie soll seit 2024 Hunderte kolumbianische private Militärkräfte angeworben haben, die später an der Seite der Rapid Support Forces kämpften.

Die Organisation stützt ihre Darstellung auf Interviews mit zwei kolumbianischen Militärdienstleistern, einem früheren GSSG-Mitarbeiter, acht Bewohnern von El Fasher sowie weiteren Quellen. Zudem prüfte Human Rights Watch Unternehmensunterlagen, offizielle Dokumente, Fotos und Videos aus sozialen Medien. Einige Aufnahmen wurden nach Angaben der Organisation verifiziert und geografisch zugeordnet. 

Nach diesen Recherchen passierten die angeworbenen Kämpfer eine Militärbasis in Ghiyathi und eine mutmaßliche militärische Einrichtung in Al Wathba, beide im Emirat Abu Dhabi. Ein kolumbianischer Beteiligter schilderte Human Rights Watch, bei seiner Ankunft in den Emiraten seien keine Einreisestempel in die Pässe gesetzt worden. Anschließend sei seine Gruppe direkt zur Basis Ghiyathi gebracht worden.

Spuren führen nach El Fasher

Human Rights Watch fand Hinweise darauf, dass kolumbianische Militärkräfte im Oktober 2025 in El Fasher waren, als die Rapid Support Forces die Hauptstadt Nord-Darfurs einnahmen. Die Stadt war zuvor über Monate belagert worden. Bewohner berichteten von Tötungen, Vergewaltigungen, Hunger und Angriffen auf Menschen mit Behinderungen.

Die unabhängige internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zu Sudan hatte die Gewalt in El Fasher bereits im Februar 2026 als Vorgänge mit „Merkmalen eines Völkermords“ beschrieben. Die Kommission sprach von koordinierten Angriffen auf nichtarabische Bevölkerungsgruppen, vor allem auf Fur und Zaghawa. 

Human Rights Watch verifizierte Videos, die ausländische private Militärkräfte, offenbar Kolumbianer, bei Kämpfen in El Fasher zeigen sollen. Sechs Zeugen gaben an, sie hätten helle ausländische Kämpfer an Orten gesehen, an denen es zu Massentötungen durch die RSF gekommen sei. Diese Männer hätten ähnliche Schutzausrüstung getragen wie Personen in den überprüften Videos.

Vorwurf der Ausbildung von RSF-Kräften

Die Vorwürfe reichen über den Kampfeinsatz hinaus. Ein kolumbianischer Militärdienstleister sagte Human Rights Watch, er habe im April 2025 RSF-Rekruten in Lagern rund um Nyala im Süden Darfurs ausgebildet. Unter den Rekruten seien viele „junge Kinder“ gewesen. Auch das kolumbianische Medium La Silla Vacía berichtete über Hinweise, dass private Militärkräfte aus Kolumbien RSF-Kindersoldaten trainiert hätten.

Das humanitäre Völkerrecht verbietet die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten. Bei Kindern unter 15 Jahren gilt dies als Kriegsverbrechen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen bestätigte für 2024 insgesamt 16 Fälle der Rekrutierung von Kindern durch die RSF und führte die Gruppe auf der UN-Liste schwerer Verstöße gegen Kinder in bewaffneten Konflikten. 

Auch Waffenfunde verstärken die Vorwürfe. Nach Angaben von Human Rights Watch wurden bei Kolumbianern bulgarische 81-Millimeter-Granaten gefunden. Der französische Sender France 24 hatte berichtet, diese Munition sei aus Beständen der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate abgezweigt worden.

Abu Dhabi weist Unterstützung für RSF zurück

Die Vereinigten Arabischen Emirate bestreiten seit Langem, die Rapid Support Forces militärisch zu unterstützen. Abu Dhabi erklärt, seine Hilfe für Sudan sei humanitär. Auch die nun erhobenen Vorwürfe treffen auf ein politisch sensibles Umfeld, da die Emirate international als wichtiger Partner westlicher Staaten gelten und zugleich immer wieder mit der RSF in Verbindung gebracht werden.

Human Rights Watch argumentiert, die emiratischen Behörden müssten über Vorgänge auf ihrem Staatsgebiet und auf militärischen Einrichtungen informiert sein. Die Organisation verweist zudem auf das Recht der Emirate, nach dem private Sicherheitsunternehmen ihre Aktivitäten mit den Behörden abstimmen müssen.

Die Organisation schrieb nach eigenen Angaben an GSSG, an die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate und an weitere Beteiligte. Antworten erhielt sie nicht. 

Druck auf internationale Partner wächst

Human Rights Watch fordert Untersuchungen gegen GSSG, gegen den Unternehmer Mohamed Hamdan al-Zaabi und gegen weitere Akteure, die die RSF unterstützt haben könnten. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen solle sein Expertengremium zu Sudan mit entsprechenden Ermittlungen beauftragen. Dabei geht es auch um mögliche Verstöße gegen das seit 2004 geltende Waffenembargo für Darfur.

Die Organisation verlangt außerdem, dass Staaten, die Europäische Union und die Afrikanische Union mögliche Unterstützungsnetzwerke prüfen und gezielte Sanktionen vorbereiten. Sie fordert Regierungen auf, militärische Zusammenarbeit und Waffenverkäufe an die Vereinigten Arabischen Emirate auszusetzen, solange die Vorwürfe nicht aufgearbeitet sind.

Mausi Segun, Afrika-Direktorin von Human Rights Watch, verband die Vorwürfe mit einem Appell an andere Regierungen. „Die Rekrutierung kolumbianischer privater Militärkräfte fügt sich in eine wachsende Zahl von Belegen ein, dass die Vereinigten Arabischen Emirate militärische Unterstützung für die Rapid Support Forces leisten“, erklärte sie. Regierungen sollten öffentlich verlangen, dass Abu Dhabi keine Waffen, Ausrüstung, Personen und andere militärische Unterstützung mehr an die RSF liefere.

Der Krieg in Sudan dauert seit April 2023 an. Die sudanesische Armee und die Rapid Support Forces kämpfen um Macht, Territorien und staatliche Kontrolle. Der Konflikt hat Millionen Menschen vertrieben und große Teile des Landes in eine humanitäre Katastrophe gestürzt.

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