Sahel-Gewalt rückt an Ghana heran – Bundeswehr bildet Streitkräfte aus

Die Gewalt im Sahel rückt an Ghanas Nordgrenze. Deutschland setzt auf Ausbildung, Drohnenabwehr und Grenzsicherung – und die Bundeswehr trainiert inzwischen regelmäßig ghanaische Streitkräfte.

Deutschland baut seine Sicherheitskooperation mit Ghana aus, während sich dschihadistische Gewalt aus der Sahelzone bis an die Nordgrenze des westafrikanischen Landes ausbreitet. Im Frühjahr 2026 bildeten Bundeswehrsoldaten in Ghana erneut Angehörige der ghanaischen Streitkräfte aus, weitere Einsätze finden regelmäßig statt. Ghana ist zudem seit März das erste afrikanische Land mit einer formellen Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft mit der Europäischen Union. Berlin setzt dabei vor allem auf Ausbildung, Ausrüstung und regionale Terrorismusprävention statt auf klassische Waffenlieferungen. 

Ghana gilt seit Jahrzehnten als einer der stabilsten Staaten Westafrikas. Gerade deshalb gewinnt das Land für Deutschland und die EU an sicherheitspolitischem Gewicht. Mit Burkina Faso grenzt Ghana unmittelbar an einen Staat, in dem islamistische Gruppen große Gebiete destabilisiert haben.

Die Sorge in Accra ist inzwischen konkret. Bereits 2024 kam es bei Militäroperationen in Burkina Faso zu Grenzübertritten islamistischer Kämpfer nach Ghana. In der Grenzregion um Bawku folgten einzelne Gewaltausbrüche. Sicherheitsbehörden beobachten zudem Versuche extremistischer Gruppen, junge ghanaische Muslime anzuwerben und zu radikalisieren. 

Bundeswehr trainiert ghanaische Ausbilder

Deutschland beteiligt sich inzwischen regelmäßig an der Ausbildung ghanaischer Soldaten.

Im Frühjahr 2026 führten Soldaten des Fallschirmjägerregiments 26 aus Zweibrücken und der Luftlandebrigade 1 aus Saarlouis einen siebenwöchigen Lehrgang für 30 Ausbilder des ghanaischen Heeres durch. Solche Ausbildungsmissionen finden nach Darstellung des Bundestags-Fachbereichs zwei- bis dreimal pro Jahr statt und dauern jeweils vier bis acht Wochen. 

Zusätzlich hat Deutschland einen Militärberater bei der EU-Vertretung in Accra stationiert. Im Juli besuchte außerdem eine Delegation des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr das Hauptquartier der ghanaischen Luftwaffe. Dabei ging es um eine engere Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Luftwaffenpersonal.

Die Kooperation konzentriert sich damit zunehmend auf Fähigkeiten, die Ghana selbst weitergeben kann. Die militärische Ausbildung des Landes genießt regional hohes Ansehen, auch Soldaten aus Nachbarstaaten nehmen an ghanaischen Lehrgängen teil.

Ghana ist erster afrikanischer Sicherheitspartner der EU

Eine neue Ebene erreichte die Zusammenarbeit im März 2026. Ghana unterzeichnete als erstes afrikanisches Land eine formelle Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft mit der Europäischen Union.

Bereits zuvor hatte die EU das Land über die Europäische Friedensfazilität mit mehr als 30 Maßnahmen in den Bereichen Friedenssicherung und Terrorismusprävention unterstützt. Seit Ende 2023 gehört Ghana außerdem gemeinsam mit Benin zur europäischen Sicherheits- und Verteidigungsinitiative für die westafrikanischen Staaten am Golf von Guinea.

Auch deutsche Polizisten und Bundeswehrangehörige wirken an dieser Initiative mit. 

Über die Europäische Friedensfazilität wurden Ghana darüber hinaus nicht-letale militärische Güter im Gesamtwert von rund 50 Millionen Euro bereitgestellt. Dazu gehören Überwachungsdrohnen, Technik zur Abwehr von Drohnen und Motorräder.

Der Schwerpunkt hat sich dabei verschoben. Nachdem die Piraterie im Golf von Guinea stark zurückgegangen ist, rücken die Sicherheitsrisiken an Land stärker in den Vordergrund.

Mehr als 13.000 Menschen aus Burkina Faso suchen Schutz

Wie nah die Sahel-Krise inzwischen gekommen ist, zeigt auch die Fluchtbewegung über die Grenze.

Seit Januar 2025 gewährt Ghana Menschen aus Burkina Faso grundsätzlich Flüchtlingsschutz. Ende März 2026 waren mehr als 13.000 Flüchtlinge aus dem nördlichen Nachbarland registriert. Viele leben im Norden Ghanas, der zugleich zu den wirtschaftlich schwächsten Landesteilen gehört. 

Dort treffen mehrere Risiken aufeinander. Neben der Gefahr durch grenzüberschreitende Extremistengruppen gibt es einen seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt um traditionelle Herrschafts- und Landrechte in der Region Bawku.

Zudem sind illegale Schusswaffen weit verbreitet. Schmuggelnetze verbinden Waffenhandel, organisierte Kriminalität und teilweise auch extremistische Gruppen. Lokale Werkstätten produzieren außerdem illegal Feuerwaffen.

Deutschland unterstützt deshalb auch eine ECOWAS-Initiative gegen die Verbreitung von Kleinwaffen.

Ghana setzt auf Prävention statt allein auf Militär

Accra versucht, den Vormarsch extremistischer Gruppen nicht nur mit stärkerem Grenzschutz aufzuhalten.

Seit 2020 verfolgt Ghana eine Anti-Terror-Strategie mit vier Säulen: Vorbeugen, Gefahren früh erkennen, Schützen und Reagieren. Polizei und Sicherheitsbehörden arbeiten dabei gezielt mit muslimischen Gemeinden und Geistlichen zusammen, um Radikalisierung möglichst früh zu erkennen.

Hinzu kommen modernisierte Grenztechnik, ein engerer Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und die Zusammenarbeit mit lokalen Medien.

Der Ansatz unterscheidet Ghana bislang von Staaten des zentralen Sahel, in denen die militärische Bekämpfung extremistischer Gruppen inzwischen einen großen Teil der staatlichen Sicherheitspolitik bestimmt.

Ghana versucht gleichzeitig, den Konflikt regional einzudämmen. Die 2017 gegründete Accra-Initiative verbindet Ghana mit Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Mali, Niger und Togo. Die Mitgliedstaaten wollen Geheimdienstinformationen austauschen und grenzüberschreitend gegen Terrorismus vorgehen.

Deutschland unterstützt die Initiative politisch und stellt ghanaischen Polizei- und Streitkräften Ausrüstung bereit. 

Deutsche Ausstattungshilfe läuft seit 2013

Die militärische Zusammenarbeit zwischen Berlin und Accra reicht deutlich weiter zurück.

Ghana ist seit 2013 Partner des deutschen Ausstattungshilfeprogramms zur Förderung der Friedenssicherung in Afrika. Deutsche Soldaten beraten die ghanaischen Streitkräfte, modernisieren Werkstätten und Ausbildungszentren und überlassen Ausrüstung.

Im Programmzeitraum 2021 bis 2024 standen dafür rund 11,2 Millionen Euro zur Verfügung. Finanziert wurden unter anderem ein mobiler Gefechtsstand für die ECOWAS-Bereitschaftstruppe, zwei Instandsetzungseinrichtungen, ein Pionierausbildungszentrum, eine Fernmeldeschule und ein Diensthundezentrum für den Grenzschutz. 

Im Februar 2026 übergab die deutsche Beratungsgruppe eine neue Werkstatt an das 49. Pionierregiment des ghanaischen Heeres.

Das Programm umfasst keine Waffen oder Munition. Der Schwerpunkt liegt auf Infrastruktur, Ausbildung, technischer Beratung und weitgehend genehmigungsfreiem Material.

Deutsche Waffenexporte bleiben klein

Auch darüber hinaus spielt Deutschland als Waffenlieferant für Ghana nur eine geringe Rolle.

2024 genehmigte die Bundesregierung vier Ausfuhren von Rüstungsgütern im Gesamtwert von rund 260.000 Euro. Dabei handelte es sich um Teile für gepanzerte Fahrzeuge. 

Ghanas eigentliche Waffensysteme stammen vor allem aus Südafrika, Russland, der Türkei und Brasilien. Die Marine nutzt zudem zwei frühere deutsche Schnellboote, die 2012 an Ghana verkauft wurden.

Die Sanktionen gegen Russland haben für Ghana inzwischen allerdings praktische Folgen. Ein großer Teil der ghanaischen Luftwaffe nutzt Flugzeuge sowjetischer Bauart. Fehlende russische Ersatzteile erschweren deshalb die Modernisierung und beeinträchtigen die Einsatzbereitschaft.

Ghana schickt fast 2.000 Kräfte in Friedensmissionen

Deutschlands Interesse an Ghana hängt auch mit dessen Rolle in internationalen Friedenseinsätzen zusammen.

Ende April 2026 standen 1.925 ghanaische Soldaten, Polizisten und zivile Kräfte in Missionen der Vereinten Nationen. Das entspricht mehr als zehn Prozent der aktiven Streitkräfte des Landes. Ghana belegte damit weltweit Rang sieben unter den größten Personalstellern für UN-Friedensmissionen. 

Eine zentrale Einrichtung dafür ist das Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre in Accra. Seit seiner Gründung wurden dort rund 30.000 Menschen aus 90 Staaten ausgebildet.

Deutschland unterstützt das Zentrum seit Beginn finanziell und mit technischer Ausrüstung. 2025 stellte Berlin unter anderem neue Computertechnik bereit. Auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ist dort aktiv.

Die deutsch-ghanaische Sicherheitskooperation reicht damit von der Terrorismusprävention an der Grenze zu Burkina Faso über militärische Ausbildung bis zur Vorbereitung internationaler Friedenseinsätze.

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