Russland und die Afrikanische Union wollen ihre politische Zusammenarbeit auf eine festere Grundlage stellen und künftig mindestens einmal jährlich hochrangige Konsultationen abhalten. Am Dienstag kamen AU-Kommissionschef Mahmoud Ali Youssouf und Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Sitz der Afrikanischen Union in Addis Abeba zusammen. Die Gespräche standen im Zeichen des nächsten Russland-Afrika-Gipfels, der Ende Oktober in Moskau stattfinden soll.
Beide Seiten kündigten an, ihre Zusammenarbeit in Frieden und Sicherheit, Handel, Investitionen, Energie, Infrastruktur, Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung auszubauen. Außerdem sollen neue sektorale Dialoge und Expertengespräche zwischen russischen Stellen und Einrichtungen der Afrikanischen Union vorbereitet werden.
Youssouf sprach von einer Partnerschaft, die stärker auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet werden solle. Lawrow sagte, Russland wolle die Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union institutionell ausbauen und die bisherigen Formate durch thematische Dialoge ergänzen.
Gipfel in Moskau rückt näher
Die Konsultationen fanden wenige Monate vor dem dritten Russland-Afrika-Gipfel statt. Das Treffen ist für den 28. und 29. Oktober 2026 in Moskau geplant. Die ersten beiden Gipfel wurden 2019 in Sotschi und 2023 in Sankt Petersburg ausgerichtet.
Die Afrikanische Union und Russland wollen bis dahin bestehende Aktionspläne auswerten und einen neuen Kooperationsplan für die Jahre 2027 bis 2029 vorbereiten. Grundlage der Beziehungen ist unter anderem eine Vereinbarung über Prinzipien der Zusammenarbeit, die Russland und die Afrikanische Union 2019 unterzeichnet hatten.
In Addis Abeba ging es auch um die wirtschaftliche Dimension der Partnerschaft. Youssouf bezeichnete das Handelsvolumen zwischen Russland und Afrika als niedrig. Es liege derzeit bei rund 27 Milliarden US-Dollar und solle in den kommenden Jahren deutlich steigen.
Handel, Energie und Landwirtschaft im Fokus
Die Afrikanische Union warb für mehr russische Investitionen in Bereichen, die für viele afrikanische Staaten wirtschaftlich zentral sind. Dazu gehören Infrastruktur, Energie, Gesundheit, Landwirtschaft und Düngemittel. Auch Technologietransfer und Innovation wurden als Felder genannt, in denen die Zusammenarbeit ausgebaut werden soll.
Russland und die Afrikanische Union betonten zugleich die Bedeutung von Ernährungssicherheit. Beide Seiten sprachen sich für ununterbrochene Lieferketten bei Nahrungsmitteln, Düngemitteln und landwirtschaftlichen Betriebsmitteln aus. Hintergrund sind die Folgen internationaler Krisen auf afrikanische Volkswirtschaften, darunter steigende Preise, höhere Finanzierungskosten und die Anfälligkeit vieler Länder für externe Schocks.
Youssouf verwies im Pressegespräch auch auf die Auswirkungen von Spannungen in der Straße von Hormus auf Energie, Düngemittel und andere Lieferketten. Solche Störungen könnten Inflation auslösen und die Verwundbarkeit afrikanischer Volkswirtschaften verschärfen.
Moskau unterstützt afrikanische Position im Sicherheitsrat
Ein zentrales Thema war die Reform des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Russland bekräftigte seine Unterstützung für die gemeinsame afrikanische Position, die im Ezulwini-Konsens und in der Sirte-Erklärung festgehalten ist. Afrika fordert zwei ständige Sitze mit allen damit verbundenen Rechten sowie fünf nichtständige Sitze im Sicherheitsrat.

Lawrow sprach von einer historischen Ungerechtigkeit gegenüber dem afrikanischen Kontinent. Zusätzliche Sitze brauche vor allem der globale Süden, darunter Afrika, Lateinamerika und Asien. Für westliche Staaten seien keine weiteren Sitze nötig, sagte der russische Außenminister.
Die Afrikanische Union wertete die russische Unterstützung als wichtig für ihre Position in New York. Youssouf dankte Moskau auch für die Unterstützung afrikanischer Anliegen im Sicherheitsrat.
Friedenseinsätze und Resolution 2719
Auch die Finanzierung afrikanischer Friedenseinsätze stand auf der Tagesordnung. Die Afrikanische Union und Russland sprachen sich für die vollständige Umsetzung der Resolution 2719 des UN-Sicherheitsrats aus. Sie erlaubt auf Einzelfallbasis, dass Friedenseinsätze unter Führung der Afrikanischen Union mit Pflichtbeiträgen der Vereinten Nationen finanziert werden können.
Die Resolution gilt als ein Instrument, um afrikanische Missionen planbarer und verlässlicher zu finanzieren. Sie wurde im Dezember 2023 einstimmig verabschiedet. In der Praxis bleibt ihre Umsetzung politisch anspruchsvoll, weil jeder Einsatz weiter vom Sicherheitsrat autorisiert werden muss.
Russland erklärte, afrikanische Ansätze zur Konfliktlösung unterstützen zu wollen. In der gemeinsamen Erklärung wurden der Sahel, die Region der Großen Seen, das Horn von Afrika, Sudan, Südsudan und Libyen als Krisenräume genannt. Beide Seiten verwiesen auf das Prinzip „afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme“.
Ebola-Ausbrüche in Kongo und Uganda
Die Gesundheitskooperation erhielt durch die Ebola-Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda zusätzliches Gewicht. Die Afrikanische Union und Russland äußerten Sorge über das Risiko einer regionalen Ausbreitung. Beide Seiten wollen Möglichkeiten prüfen, Africa CDC bei der schnellen Eindämmung der Ausbrüche zu unterstützen.
Dabei geht es um Vorsorge, Überwachung, Laborsysteme, Forschung und den Aufbau öffentlicher Gesundheitskapazitäten. Youssouf verwies im Pressegespräch auf russische Unterstützung bei PCR-Diagnostik und auf mögliche Kooperation bei der Impfstoffforschung.
Die Gesundheitsfrage fügt sich in eine breitere Agenda ein, mit der Russland seine Beziehungen zu Afrika nicht nur über Sicherheit und Rohstoffe, sondern auch über technische Zusammenarbeit, Wissenschaft und Ausbildung ausbauen will.
Sahel und Ukraine bleiben Teil der Gespräche
Lawrow verband seinen Besuch in Addis Abeba mit weiteren Gesprächen in der Region. Er kündigte an, anschließend nach Niamey zu reisen, wo ein Treffen mit der Allianz der Sahel-Staaten geplant sei. Zu diesem Bündnis gehören Niger, Mali und Burkina Faso.
Die Gespräche berührten auch internationale Konflikte außerhalb Afrikas. Youssouf und Lawrow sprachen über den Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Lage im Nahen Osten, die Spannungen am Persischen Golf und die palästinensischen Gebiete. Youssouf verwies dabei auf die wirtschaftlichen Folgen externer Krisen für afrikanische Staaten.
In der gemeinsamen Erklärung betonten die Afrikanische Union und Russland die Bedeutung von internationalem Recht, UN-Charta, diplomatischem Dialog und friedlicher Streitbeilegung. Beide Seiten wollen ihre nächsten hochrangigen Konsultationen 2027 zu einem noch festzulegenden Zeitpunkt und an einem noch festzulegenden Ort abhalten.

