Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit steht vor einem grundlegenden Umbau und will dauerhaft rund 60 Millionen Euro Strukturkosten einsparen. Die Ankündigung erfolgte am 9. Juli 2026 auf der Jahrespressekonferenz der GIZ in Berlin. Das Bundesunternehmen will seine zentralen Funktionen in Deutschland verschlanken, seine Organisationsstruktur straffen und ab Mai kommenden Jahres neu arbeiten. Die Linke kritisierte die Pläne scharf und warnte vor einem Einschnitt in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit.
GIZ-Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel kündigte an, die Zahl der Stabsstellen und Bereiche von 18 auf 14 zu reduzieren. Außerdem soll weiter Personal abgebaut werden. Bereits seit 2023 ist die Zahl der Beschäftigten von 25.634 auf 23.787 Ende 2025 gesunken.
Schäfer-Gümbel stellte den Umbau als Reaktion auf veränderte politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen dar. „Nostalgie ist keine Strategie. Wir machen uns fit für die Zukunft und legen damit das Fundament für eine zukunftssichere GIZ“, erklärte er.
Zentrale Strukturen sollen kleiner werden
Die GIZ will ihre Arbeit stärker von den Partnerländern her organisieren. In knapp 120 Einsatzländern sollen neue Standorttypen entstehen. Vorgesehen sind Landesbüros, Regionalbüros und Kernbüros. Damit will das Bundesunternehmen flexibler auf volatile und fragile Kontexte reagieren.
In Deutschland sollen zentrale Funktionen gebündelt und Arbeitsabläufe vereinfacht werden. Die GIZ spricht von mehr Leistungsfähigkeit vor Ort, mehr Wirtschaftlichkeit und stärkerer Wettbewerbsfähigkeit. Zugleich kündigte der Vorstand einen weiteren Personalabbau an, der verantwortungsvoll umgesetzt werden solle.
Niels Annen, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Aufsichtsratsvorsitzender der GIZ, unterstützte den Kurs. Die deutsche Entwicklungspolitik sei im BMZ neu ausgerichtet worden. Darauf aufbauend reformiere sich auch die GIZ, stärke Kompetenzen entlang neuer politischer Prioritäten und fokussiere ihr Leistungsangebot.
Linke warnt vor Folgen für Beschäftigte und Partnerländer
Charlotte Neuhäuser, Sprecherin für Globale Gerechtigkeit der Fraktion Die Linke im Bundestag, sprach dagegen von einem schweren Einschnitt. „Das ist kein Umbau der Strukturen, sondern ein heftiger Einschnitt in die Fähigkeit der Bundesrepublik, nachhaltige Entwicklung und internationale Bildungsarbeit weltweit zu unterstützen“, erklärte sie.
Neuhäuser verwies neben den dauerhaft geplanten Einsparungen von 60 Millionen Euro auf den Haushaltsentwurf für das kommende Jahr. Dieser sehe Kürzungen in Höhe von 173 Millionen Euro für die GIZ vor. Wer staatliche Aufgaben nach privatwirtschaftlicher Logik umbaue, nehme in Kauf, „dass Beschäftigte und Menschen im Globalen Süden die Folgen tragen“.
Die Linken-Abgeordnete griff auch die SAP-Umstellung bei der GIZ auf. Spätestens dieses Projekt, das nach ihrer Darstellung mehr als 100 Millionen Euro gekostet habe, zeige, dass die Einbindung privater Akteure öffentliche Aufgaben nicht automatisch besser mache.
SAP-Umstellung und Compliance im Fokus
Schäfer-Gümbel räumte in seiner Rede Probleme bei der weltweiten Umstellung der IT-Systeme ein. Es sei zu Zahlungsverzögerungen bei Dienstleistern gekommen. Dafür entschuldigte sich der Vorstandssprecher im Namen des Vorstands. Die GIZ arbeite daran, eingehende Rechnungen abzuarbeiten.

Die SAP-Umstellung sei weiterhin herausfordernd, zugleich aber ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit, sagte Schäfer-Gümbel. Parallel will die GIZ ihre Compliance-Strukturen stärken. Der Vorstand verwies auf kaufmännische Unregelmäßigkeiten im Jemen, die durch interne Kontrollstandards aufgedeckt worden seien. Die Aufklärung werde konsequent verfolgt, Fehlbeträge würden an die Auftraggeber zurückgezahlt.
Geschäftsvolumen bleibt stabil
Trotz der angekündigten Einsparungen blieb das Geschäftsvolumen der GIZ 2025 nahezu unverändert. Es lag bei 3,969 Milliarden Euro und damit fast exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Hauptauftraggeber war weiterhin das Bundesentwicklungsministerium mit rund 3,19 Milliarden Euro.
Die Kofinanzierungen stiegen auf 830 Millionen Euro. Davon entfielen 568 Millionen Euro auf die Europäische Union. Der steuerpflichtige Geschäftsbereich International Services erhöhte seine Gesamtleistung auf 295 Millionen Euro.
Inhaltlich nennt die GIZ drei große Arbeitsschwerpunkte. Für Klima und Energie weist die Präsentation zur Jahrespressekonferenz 2025 ein Volumen von 1,2 Milliarden Euro aus. Auf Sicherheit und Stabilisierung entfielen 552,4 Millionen Euro, auf Flucht und Migration 395,1 Millionen Euro.
Wirkung in Partnerländern als Argument
Die GIZ stellte bei der Jahrespressekonferenz auch Ergebnisse aus dem Jahr 2025 vor. Gemeinsam mit Partnern habe sie 2,7 Millionen Geflüchtete und Binnenvertriebene unterstützt. Zudem seien 2,4 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner aufnehmender Gemeinden erreicht worden.
Nach Unternehmensangaben konnten 2 Millionen Menschen ihr Einkommen erhöhen. 11 Millionen Menschen erhielten erstmals oder verbessert Zugang zu moderner Energieversorgung.
Schäfer-Gümbel beschrieb internationale Zusammenarbeit als Teil deutscher Handlungsfähigkeit. Entwicklung entstehe nicht für andere, sondern mit ihnen. Partnerschaften seien „strategisches Kapital“, sagte er. Bei wachsender politischer Rivalität müsse Deutschland strategische Netzwerke knüpfen und gestalten.
Die Linke stellt dem die Warnung vor einer Aushöhlung staatlicher Entwicklungsstrukturen entgegen. Neuhäuser forderte eine verlässliche Finanzierung und eine Entwicklungszusammenarbeit, die sich an globaler Gerechtigkeit statt an Kürzungsvorgaben orientiert.

