Der frühere senegalesische Präsident Macky Sall hat seine Kandidatur für das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen trotz fehlender formaler Unterstützung aus Senegal verteidigt. Bei einem öffentlichen Dialog im laufenden UN-Auswahlverfahren erklärte Sall, er habe sein Land um Unterstützung gebeten, aber keine Antwort erhalten. Seine Bewerbung wurde stattdessen von Burundi eingebracht, das 2026 den Vorsitz der Afrikanischen Union innehat.
Sall stellte seine Kandidatur als Angebot eines afrikanischen Politikers dar, der internationale Vermittlung, Reformen der Vereinten Nationen und neue Wege zur Entwicklungsfinanzierung verbinden will. Er verwies auf seine zwölf Jahre an der Spitze Senegals, seine frühere Rolle als Vorsitzender der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS und seine Amtszeit als Vorsitzender der Afrikanischen Union.
Der frühere Präsident hob besonders hervor, dass die Afrikanische Union während seiner Amtszeit in die G20 aufgenommen wurde. Afrika habe lange keinen festen Platz an den großen internationalen Verhandlungstischen gehabt, sagte Sall. Seine Erfahrung im Dialog mit Staaten der G7 und G20 solle ihm helfen, Vertrauen in die Vereinten Nationen zurückzubringen.
Streit über regionale Rotation
Sall wies die Erwartung zurück, das Amt des UN-Generalsekretärs müsse diesmal zwingend an Lateinamerika gehen. Eine regionale Rotation stehe nicht in der Charta der Vereinten Nationen, sagte er auf eine Frage der Nachrichtenagentur Associated Press. Er bezeichnete die Rotation als Ziel der Inklusivität, aber nicht als verbindliche Regel.
„Nirgendwo in der Charta werden Sie eine regionale Rotation finden“, sagte Sall. Entscheidend sei, dass die Mitgliedstaaten das Profil wählten, das sie in der aktuellen Lage für am besten geeignet hielten. Er trete nicht als Kandidat an, der „vom globalen Süden nach einem Generalsekretär aus dem Norden“ komme, sondern als Bewerber mit eigener Erfahrung.
Die Debatte berührt eine zentrale Frage im Auswahlverfahren. Die Vereinten Nationen haben bisher keinen festen regionalen Anspruch auf das Amt festgeschrieben. Zugleich spielt die geografische Ausgewogenheit politisch eine wichtige Rolle, ebenso wie die Forderung nach einer stärkeren Vertretung von Frauen und des globalen Südens in Führungspositionen der UN.
Burundi statt Senegal
Besonders aufmerksam wurde Sall zu seiner formalen Unterstützung befragt. Noch nie sei ein Generalsekretär ohne Rückhalt seines eigenen Landes gewählt worden, hieß es in einer Frage. Sall bestätigte, dass er Senegal um Unterstützung gebeten habe. Nach ausbleibender Antwort sei seine Kandidatur von Burundi unterstützt worden.
„Idealerweise sollte das vom eigenen Land kommen“, sagte Sall. Wenn dies nicht der Fall sei, bedeute das aber nicht, dass eine Kandidatur unmöglich werde. Die Vereinten Nationen verlangten, dass ein Bewerber von einem Mitgliedstaat vorgeschlagen werde. Am Ende hänge die Auswahl zunächst von den 15 Mitgliedern des Sicherheitsrats ab, deren Empfehlung anschließend an die Generalversammlung gehe.
Sall dankte Burundis Präsident Évariste Ndayishimiye für die Unterstützung. Zugleich sagte er, es gebe auf dem afrikanischen Kontinent zahlreiche Staaten, die hinter seiner Kandidatur stünden. Eine offizielle Unterstützung Senegals nannte er nicht.
Reformen, Vertrauen und Entwicklungsfinanzierung
Inhaltlich stellte Sall drei große Linien in den Vordergrund: Frieden und Sicherheit, Menschenrechte sowie Entwicklung. Er sprach von einer Welt, die von Kriegen, Misstrauen, fehlendem Dialog und mehreren gleichzeitigen Krisen geprägt sei. Die Vereinten Nationen müssten Vertrauen zurückgewinnen, um ihre Finanz- und Liquiditätskrise zu bewältigen und wirksamer zu arbeiten.
Sall forderte Reformen in enger Abstimmung mit den Mitgliedstaaten. Die Organisation müsse Doppelstrukturen vermeiden und ihre Wirksamkeit erhöhen. Zugleich sprach er über die geografische Verteilung hoher UN-Posten und die Erwartungen kleiner Inselstaaten sowie von Staaten ohne Zugang zum Meer.
Beim Thema Entwicklung verwies Sall auf die noch nicht erreichten Ziele der Agenda 2030. Die Welt sei nur noch wenige Jahre vom Zieljahr entfernt und liege bei den nachhaltigen Entwicklungszielen weiter zurück. Mit dem Zukunftspakt der Vereinten Nationen, den Bretton-Woods-Institutionen und dem Privatsektor müssten neue Lösungen für die Entwicklungsfinanzierung gefunden werden.
Menschenrechte als eigener Pfeiler
Auf die Frage, ob seine Betonung von Frieden, Sicherheit, Entwicklung und Wohlstand die Menschenrechte an den Rand dränge, widersprach Sall. Die Menschenrechte seien einer der drei zentralen Pfeiler der Vereinten Nationen, sagte er. Er sprach sich dafür aus, den entsprechenden Bereich finanziell zu stärken und den Schutz von Bevölkerungsgruppen, insbesondere von jungen Menschen und Frauen, auszubauen.
Wohlstand und Entwicklung stellte Sall in einen direkten Zusammenhang mit Sicherheit. Ohne Entwicklung gebe es keine dauerhafte Sicherheit, sagte er. Frieden, Sicherheit, Entwicklung und die Achtung der Menschenrechte müssten deshalb zusammen gedacht werden.
Unterstützung für Vermittlung im Iran-Konflikt

Auch zur Lage zwischen den USA, Israel und Iran äußerte sich Sall. Auf die Frage, was er als Generalsekretär tun würde, verwies er auf diplomatische Vermittlung und die Einhaltung einer Waffenruhe. Er sprach sich dafür aus, die Vermittlung Pakistans zu unterstützen und die Vereinigten Staaten sowie die iranischen Behörden zu einem dauerhaften Abkommen zu ermutigen.
„Wir brauchen keine Bombe, wir brauchen keine Rakete, wir brauchen Frieden“, sagte Sall. Alle Seiten sollten weiter an einer Friedensvereinbarung arbeiten.
Beim Thema nukleare Nichtverbreitung verwies Sall auf die bestehenden Verpflichtungen von Staaten mit und ohne Atomwaffen. Staaten ohne Atomwaffen dürften diese nicht anstreben, hätten aber das Recht auf zivile Nutzung der Kernenergie, insbesondere im Energiebereich. Diese Nutzung müsse unter Kontrolle der Internationalen Atomenergie-Organisation und der internationalen Gemeinschaft stehen.

