Grynspan führt erste UN-Abstimmung an – Macky Sall nur auf Platz fünf

Erste Machtprobe um die Guterres-Nachfolge: Rebeca Grynspan führt im UN-Sicherheitsrat. Macky Sall erhält mehr Gegen- als Unterstützungsstimmen.

Rebeca Grynspan aus Costa Rica führt nach Informationen von PassBlue die erste informelle Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über die Nachfolge von António Guterres an. Die geheime Probeabstimmung fand am Donnerstag, 30. Juli, hinter verschlossenen Türen statt. Carolyn Rodrigues Birkett aus Guyana folgte auf dem zweiten Platz, während Senegals ehemaliger Präsident Macky Sall mit mehr Gegen- als Unterstützungsstimmen nur Rang fünf erreichte. Der Sicherheitsrat veröffentlichte die Ergebnisse nicht offiziell.

Die 15 Mitglieder des mächtigsten UN-Gremiums konnten jeden der sieben Kandidaten „ermutigen“, „entmutigen“ oder sich ohne Meinungsäußerung enthalten. Diese sogenannten Straw Polls sollen zeigen, welche Bewerber ausreichend Unterstützung erhalten und bei wem sich Widerstand abzeichnet.

Zehn Stimmen für Grynspan

Grynspan erhielt nach den PassBlue vorliegenden Informationen zehn ermutigende Stimmen, eine Gegenstimme und vier Stimmzettel ohne Meinungsäußerung. Damit erzielte sie als einzige Kandidatin eine zweistellige Zahl an Unterstützern.

Rodrigues Birkett kam auf neun ermutigende Stimmen, zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Der Argentinier Rafael Grossi belegte mit sieben Unterstützungsstimmen, zwei Gegenstimmen und sechs Stimmzetteln ohne Festlegung den dritten Platz.

Die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet erhielt sechs ermutigende und fünf entmutigende Stimmen. Vier Ratsmitglieder äußerten keine Meinung zu ihrer Kandidatur.

Macky Sall kam ebenfalls auf sechs Unterstützungsstimmen. Allerdings lehnten sieben Mitglieder des Sicherheitsrats seine Kandidatur ab, zwei legten sich nicht fest. Damit erhielt der frühere senegalesische Präsident unter allen Kandidaten die meisten Gegenstimmen.

María Fernanda Espinosa aus Ecuador erreichte fünf Unterstützungsstimmen, zwei Gegenstimmen und acht Enthaltungen. Der frühere ugandische Außenminister Olara Otunnu landete mit zwei ermutigenden Stimmen, fünf Gegenstimmen und acht nicht festgelegten Stimmzetteln auf dem letzten Platz.

Afrikanische Kandidaten starten mit schwachen Ergebnissen

Mit Sall und Otunnu treten zwei afrikanische Politiker für das Amt des UN-Generalsekretärs an. Beide blieben in der ersten Abstimmungsrunde deutlich hinter den führenden Kandidatinnen aus Lateinamerika und der Karibik zurück.

Sall war von Senegal im März nominiert worden. Seine sechs Unterstützungsstimmen reichen rechnerisch noch nicht für eine Empfehlung des Sicherheitsrats. Zugleich deutet die hohe Zahl von sieben Gegenstimmen auf erheblichen Widerstand gegen seine Kandidatur hin.

Otunnu war erst wenige Tage vor der Abstimmung als siebter Kandidat in das Rennen eingestiegen. Im Gegensatz zu den anderen Bewerbern hatte er noch nicht an den öffentlichen Anhörungen und Dialogveranstaltungen der UN-Generalversammlung teilgenommen.

Die beiden afrikanischen Staaten Liberia und Somalia gehören derzeit als gewählte Mitglieder dem Sicherheitsrat an. Den Vorsitz des Gremiums hatte im Juli die Demokratische Republik Kongo inne. Deren UN-Botschafter Zénon Mukongo Ngay bestätigte nach der Sitzung lediglich, dass die erste Abstimmungsrunde abgeschlossen worden sei.

Ergebnis bleibt offiziell vertraulich

Ngay erklärte, die Resultate würden den Staaten übermittelt, welche die jeweiligen Kandidaten nominiert haben. Auch die Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, werde informiert. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Die Ratsmitglieder hätten vereinbart, die Beratungen vertraulich zu behandeln, sagte auch der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz. „Der Prozess läuft, zum ersten Mal seit zehn Jahren“, erklärte er nach der Abstimmung.

Waltz forderte zugleich einen Generalsekretär, der die Vereinten Nationen reformiere, verschlanke und international handlungsfähiger mache. UN-Organisationen müssten zusammengelegt, zentrale Verwaltungsstrukturen reduziert und mehr Mittel direkt in Einsätze vor Ort gelenkt werden.

Der stellvertretende Sprecher des UN-Generalsekretärs, Farhan Haq, verwies auf die Verantwortung der Mitgliedstaaten. „Wir fördern so viel Transparenz wie möglich, aber letztlich liegt dieser Prozess in den Händen der Mitgliedstaaten“, sagte Haq zur Geheimhaltung der Ergebnisse.

Vetomächte noch nicht erkennbar

Die erste Probeabstimmung zeigt nicht, ob eine Gegenstimme von einem ständigen Mitglied des Sicherheitsrats stammt. Großbritannien, China, Frankreich, Russland und die Vereinigten Staaten können die Ernennung eines Kandidaten durch ihr Veto verhindern.

Ein Bewerber benötigt bei der späteren formellen Abstimmung mindestens neun Stimmen im Sicherheitsrat. Gleichzeitig darf keines der fünf ständigen Mitglieder sein Veto einlegen. Anschließend empfiehlt der Rat einen Kandidaten an die Generalversammlung, die den Generalsekretär offiziell ernennt.

Eine hohe Zahl ermutigender Stimmen gilt deshalb nur als erster Hinweis auf die Erfolgschancen. Gegenstimmen können besonders schwer wiegen, wenn sie von einer Vetomacht stammen. Aus der ersten Abstimmungsrunde geht jedoch nicht hervor, welche Staaten die einzelnen Kandidaten unterstützt oder abgelehnt haben.

Die zehn gewählten Mitglieder des Sicherheitsrats sind derzeit Bahrain, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo, Dänemark, Griechenland, Lettland, Liberia, Pakistan, Panama und Somalia.

Lateinamerika stellt fünf Kandidaten

Fünf der sieben Bewerber stammen aus Lateinamerika und der Karibik. Die Region gilt nach dem informellen Rotationsprinzip der Vereinten Nationen als aussichtsreich, erstmals seit Jahrzehnten wieder den Generalsekretär zu stellen.

Mit Grynspan, Rodrigues Birkett, Bachelet und Espinosa kandidieren vier Frauen. Seit der Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 wurde das Amt ausschließlich von Männern ausgeübt.

Die UN-Charta schreibt weder eine regionale Rotation noch die Berücksichtigung des Geschlechts vor. Entscheidend bleibt die Zustimmung des Sicherheitsrats und insbesondere der fünf Vetomächte.

Der Auswahlprozess begann offiziell am 25. November 2025 mit einem gemeinsamen Schreiben der Präsidenten von Sicherheitsrat und Generalversammlung. Darin wurden politische Führungserfahrung, Kenntnisse der internationalen Beziehungen sowie diplomatische und kommunikative Fähigkeiten als zentrale Anforderungen genannt.

Sechs Kandidaten stellten sich im April und Juni öffentlichen Dialogen der Generalversammlung. Am 23. Juli nahmen sie zudem an einer gemeinsamen Veranstaltung im Sitzungssaal der Generalversammlung teil. Themen waren unter anderem UN-Reformen, internationale Konflikte, Menschenrechte, Klimapolitik, die Finanzkrise der Organisation und die Unabhängigkeit des Generalsekretärs.

Weitere informelle Abstimmungen werden im August erwartet. Dänemark übernimmt dann den monatlich wechselnden Vorsitz des Sicherheitsrats.

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