Die USA führen wegen der Ebola-Epidemie in Afrika eine verpflichtende Gesundheitserklärung für sämtliche Passagiere auf internationalen Flügen in die Vereinigten Staaten ein. Die US-Gesundheitsbehörde CDC erließ die Anordnung am 22. Oktober 2026, sie tritt am 3. November in Kraft. Reisende müssen künftig schriftlich oder digital bestätigen, sich in den vorangegangenen 21 Tagen nicht in der Demokratischen Republik Kongo aufgehalten zu haben. Die Entscheidung folgt auf eine weitere Ausbreitung des Ebola-Ausbruchs, der inzwischen auch Nigeria erreicht hat und in der DR Kongo mehr als 4.600 Todesopfer forderte.
Die neuen Vorschriften gelten unabhängig von der Staatsangehörigkeit und dem Abflugland. Auch Passagiere aus Deutschland und anderen europäischen Staaten müssen die Erklärung vor dem Boarding abgeben. Ausgenommen sind nur Personen, denen die US-Behörden eine besondere Genehmigung erteilt haben.
USA verpflichten Fluggesellschaften zu umfassenden Kontrollen
Mit der neuen Regelung erweitert die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) ihre bisherigen Maßnahmen gegen eine Einschleppung des Ebola-Virus.
Künftig müssen alle Passagiere vor einem Flug in die USA erklären, dass sie sich während der letzten 21 Tage nicht in der Demokratischen Republik Kongo aufgehalten haben. Die Vorschrift gilt auch für Reisende, die lediglich über einen amerikanischen Flughafen in ein anderes Land weiterfliegen.
Als Aufenthalt zählt nicht nur die Einreise in die DR Kongo, sondern auch ein Transit über einen kongolesischen Flughafen. Selbst Passagiere, die das Flugzeug dort nicht verlassen haben, fallen unter die Regelung.
Wer sich innerhalb des betreffenden Zeitraums in der DR Kongo aufgehalten hat, darf grundsätzlich nicht an Bord eines Fluges in die Vereinigten Staaten gehen. Eine erneute Einreise ist frühestens am 22. Tag nach Verlassen des Landes möglich.
Die Fluggesellschaften müssen die Erklärungen vor dem Boarding prüfen und mindestens 42 Tage aufbewahren. Sie sind verpflichtet, die Unterlagen auf Anfrage amerikanischen Behörden vorzulegen.
Bei falschen Angaben drohen strafrechtliche Konsequenzen. Die Vorschrift soll zunächst bis zum 18. Dezember gelten, sofern sie nicht zuvor geändert, aufgehoben oder verlängert wird.
Die USA hatten bereits im Mai Einreisebeschränkungen für bestimmte Reisende aus betroffenen afrikanischen Staaten eingeführt und diese anschließend verschärft. Nach CDC-Angaben wurden bislang keine mit dem aktuellen Ausbruch verbundenen Ebola-Fälle innerhalb der Vereinigten Staaten festgestellt.
Nigeria bestätigt ersten Ebola-Fall seit 2014
Parallel zu den amerikanischen Maßnahmen haben die Gesundheitsbehörden Nigerias erstmals seit zwölf Jahren wieder eine Ebola-Infektion bestätigt.
Gesundheitsminister Muhammad Ali Pate gab am 20. Oktober bekannt, dass bei einer Frau in der Hauptstadt Abuja das Bundibugyo-Ebola-Virus nachgewiesen wurde. Die Patientin war am 3. Oktober gemeinsam mit ihrem Ehemann aus Uganda eingereist.
Vier Tage später entwickelte sie erste Symptome. Am 11. Oktober suchte sie eine private Gesundheitseinrichtung auf, wo sie mehrere Tage medizinisch versorgt wurde. Erst am 20. Oktober bestätigten Labortests die Ebola-Infektion.
Die Frau befindet sich inzwischen in Isolation und erhält medizinische Behandlung.
Die Behörden identifizierten zunächst 44 Kontaktpersonen, darunter medizinisches Personal, andere Patienten und Personen aus dem Reiseumfeld. Anschließend ordnete Luftfahrtminister Festus Keyamo für insgesamt 46 Personen, darunter zwei Hausangestellte, ein mindestens 21-tägiges Flugverbot an.
Die nigerianische Regierung hat zudem die Gesundheitskontrollen an internationalen Flughäfen verstärkt. Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen wurden aufgefordert, ihre Schutzmaßnahmen und Überwachungssysteme zu intensivieren.
Wo sich die Patientin infiziert hat, ist weiterhin ungeklärt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC untersuchen gemeinsam mit den Behörden Nigerias, Ugandas und der DR Kongo ihre Reisebewegungen und mögliche Kontakte zu infizierten Personen.
Uganda hatte seinen eigenen Ebola-Ausbruch bereits Ende August für beendet erklärt.
Mehr als 4.600 Tote in der Demokratischen Republik Kongo
Die aktuelle Epidemie begann im Mai 2026 in der Demokratischen Republik Kongo und entwickelte sich inzwischen zu einem grenzüberschreitenden Gesundheitsnotstand.
Nach dem jüngsten Lagebericht der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC wurden in der DR Kongo bis zum 20. Oktober insgesamt 9.704 bestätigte Infektionen und 4.687 Todesfälle registriert.
Besonders betroffen ist die östliche Provinz Ituri. Darüber hinaus wurden Infektionen in sieben weiteren Provinzen nachgewiesen, darunter Nord-Kivu, Süd-Kivu sowie Gebiete im Norden und Nordwesten des Landes.
Die Eindämmung wird durch bewaffnete Konflikte, Vertreibungen, schwache Gesundheitsstrukturen und schwer zugängliche ländliche Gebiete erschwert.
Ein großer Teil der Infektionen wird erst entdeckt, nachdem die Erkrankten bereits Symptome entwickelt und möglicherweise Kontakt zu weiteren Menschen gehabt haben. Nach WHO-Angaben konnten bislang nur etwa 40 Prozent der Fälle bekannten Infektionsketten zugeordnet werden.
Besonders schwierig bleibt die medizinische Versorgung außerhalb größerer Städte. Rund 60 Prozent der Todesfälle ereigneten sich nach Angaben der WHO außerhalb von Gesundheitseinrichtungen.
Ebola-Fälle auch in Kenia und weiteren Staaten
Neben der DR Kongo und Nigeria sind weitere Länder von Infektionen mit dem Bundibugyo-Virus betroffen.
In Kenia wurden bis zum 22. Oktober neun bestätigte Fälle einschließlich eines Todesfalls registriert. Die Infektionen stehen nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Zusammenhang mit einem aus der DR Kongo eingereisten Patienten.
Auch außerhalb Afrikas wurden importierte Infektionen festgestellt. Ein in der DR Kongo tätiger Mediziner wurde nach seiner Rückkehr in Frankreich mit Ebola diagnostiziert.

Die internationale Ausbreitung verdeutlicht die Schwierigkeiten bei der Früherkennung. Zwischen einer Infektion und dem Auftreten erster Symptome können bis zu 21 Tage vergehen. Während dieser Zeit können Betroffene internationale Grenzen überqueren, ohne erkennbare Krankheitszeichen aufzuweisen.
Ebola wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten erkrankter Menschen oder kontaminierten Materialien übertragen. Infizierte Personen gelten vor dem Beginn ihrer Symptome nicht als ansteckend.
Für Bundibugyo-Ebola fehlt weiterhin ein zugelassener Impfstoff
Die Bekämpfung des aktuellen Ausbruchs wird durch die Eigenschaften der Bundibugyo-Variante erschwert.
Anders als für Ebola-Erkrankungen durch das Zaire-Virus gibt es bislang keinen allgemein zugelassenen Impfstoff gegen die Bundibugyo-Variante. Auch spezifische zugelassene antivirale Behandlungen stehen derzeit nicht zur Verfügung.
In der DR Kongo laufen deshalb klinische Studien mit neuen Behandlungsmethoden. Parallel untersuchen Wissenschaftler, ob der für das Zaire-Ebola-Virus entwickelte Impfstoff Ervebo auch Schutz gegen Bundibugyo bieten könnte.
Nach Angaben der WHO liegen noch keine ausreichenden Ergebnisse vor, um eine entsprechende Schutzwirkung zu bestätigen.
Die Behandlung der Erkrankten konzentriert sich deshalb auf die frühzeitige medizinische Versorgung, den Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten und die Stabilisierung lebenswichtiger Körperfunktionen.
Africa CDC verschärft die Koordination der Ebola-Hilfe
Angesichts der Ausbreitung fordert die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC eine stärkere Kontrolle der internationalen Finanzierung zur Epidemiebekämpfung.
Generaldirektor Jean Kaseya erklärte am 22. Oktober, von zugesagten drei Milliarden US-Dollar seien bereits 962 Millionen Dollar ausgezahlt worden. Bei einer Überprüfung mit der kongolesischen Regierung hätten beteiligte Hilfsorganisationen jedoch zunächst nur rund 220 Millionen Dollar an erhaltenen Mitteln offengelegt.
Kaseya betonte, daraus lasse sich noch kein Missbrauch ableiten. Zunächst müsse geklärt werden, welche Organisationen welche Beträge erhalten hätten und wie die Gelder eingesetzt würden.
Auch für Nigeria ordnete die Africa CDC eine engere Koordination zwischen Regierung, internationalen Partnern und Gesundheitseinrichtungen an.
Deutschland aktualisiert Reisehinweise für Nigeria
Das Auswärtige Amt hat seine Reise- und Sicherheitshinweise für Nigeria angesichts der Ebola-Lage ergänzt.
Die Bundesregierung weist auf den bestätigten importierten Ebola-Fall und die verstärkten Gesundheitsmaßnahmen der nigerianischen Behörden hin. Reisende müssen damit rechnen, dass andere Staaten nach einem Aufenthalt in Nigeria zusätzliche Kontrollen oder Quarantäneregeln verlangen.
Das Auswärtige Amt empfiehlt, Kontakte zu Erkrankten und deren Körperflüssigkeiten zu vermeiden und bei entsprechenden Symptomen innerhalb von 21 Tagen nach einem Aufenthalt in Nigeria zunächst telefonisch ärztlichen Rat einzuholen.
Die WHO empfiehlt derzeit keine allgemeinen Reise- oder Handelsbeschränkungen gegenüber den betroffenen Ländern. Stattdessen fordert sie verstärkte Gesundheitsüberwachung, die rasche Untersuchung von Verdachtsfällen, konsequente Kontaktverfolgung und ausreichende Schutzausrüstung für medizinisches Personal.
Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC schätzt das Infektionsrisiko für die allgemeine Bevölkerung in der Europäischen Union weiterhin als sehr gering ein.

