Bundestag reist nach Nigeria – Prüfung der Entwicklungshilfe und Wirtschaft im Fokus

Deutschland und Nigeria wollen ihre Zusammenarbeit bei Energie und Fachkräfteausbildung ausbauen. Eine Bundestagsdelegation besucht das Siemens-Projekt SEED, das 6.000 Energiefachkräfte ausbilden soll, sowie das Milliardenprojekt Eko Atlantic City in Lagos.

Eine Delegation des Deutschen Bundestags reist nach Nigeria, um die deutsch-nigerianische Wirtschafts- und Entwicklungszusammenarbeit zu überprüfen und neue Kooperationsmöglichkeiten zu erörtern. Der Besuch ist vom 25. bis 31. Oktober 2026 geplant. Ein Schwerpunkt ist ein von Siemens Energy mitgetragenes Ausbildungsprogramm, das innerhalb von fünf Jahren 6.000 Fachkräfte für Nigerias Stromwirtschaft qualifizieren soll. Weitere Stationen sind die Wirtschaftsmetropole Lagos, ein groß angelegtes Stadtentwicklungsprojekt sowie Einrichtungen zur digitalen Weiterbildung und Migration.

Die sechs Abgeordneten gehören dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an. Geleitet wird die Delegation vom Ausschussvorsitzenden Wolfgang Stefinger (CDU/CSU). Mitreisen Christoph Naser und Susanne Hierl (beide CDU/CSU), Rocco Kever (AfD), Serdar Yüksel (SPD) und Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen).

Geplant sind Gespräche mit Mitgliedern der nigerianischen Nationalversammlung, Regierungsvertretern, politischen Stiftungen sowie Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der lokalen Zivilgesellschaft.

Siemens Energy bildet Fachkräfte für Nigerias Stromversorgung aus

In Abeokuta im Bundesstaat Ogun will sich die Delegation über das Siemens Energy Education and Development Programme (SEED) informieren. Die Initiative wurde im Mai 2026 offiziell gestartet und ist Bestandteil der nigerianischen Presidential Power Initiative (PPI), mit der das Land seine Stromübertragungs- und Verteilungsnetze modernisieren will.

Das Ausbildungsprogramm soll innerhalb von fünf Jahren rund 6.000 Ingenieure, Techniker und weitere Fachkräfte für den Energiesektor qualifizieren. Geplant sind Ausbildungsangebote an zehn Standorten in Nigeria.

Die Teilnehmenden sollen international anerkannte Zertifizierungen erhalten, die sich an nigerianischen, westafrikanischen und europäischen Standards orientieren. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Einbindung junger Menschen und Frauen.

SEED wird gemeinsam von Siemens Energy, der staatlichen FGN Power Company und der GIZ umgesetzt. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Nigeria Energy Support Programme, das von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wird.

Der Ausbildungsstandort befindet sich am Umspannwerk New Abeokuta, einem wichtigen Infrastrukturprojekt zur Verbesserung der nigerianischen Stromversorgung.

Die Presidential Power Initiative geht auf eine deutsch-nigerianische Regierungsvereinbarung aus dem Jahr 2018 zurück. Neben der Modernisierung technischer Anlagen sollen durch das Programm einheimische Kompetenzen für Betrieb, Wartung und Ausbau der Stromnetze entstehen.

Lagos: Milliardenprojekt Eko Atlantic City auf dem Besuchsprogramm

Eine weitere Station der Bundestagsreise ist Lagos, das wirtschaftliche Zentrum Nigerias und eine der größten Metropolregionen Afrikas.

Die Abgeordneten wollen sich dort mit den Herausforderungen der Stadtentwicklung beschäftigen. Als Beispiel dient Eko Atlantic City, ein neuer Stadtteil, der auf künstlich aufgeschüttetem Land an der Atlantikküste vor Victoria Island entsteht.

Das Projekt umfasst eine Fläche von rund zehn Quadratkilometern. Langfristig soll die neue Stadt nach Angaben der Projektentwickler Wohnraum für mehr als 300.000 Menschen bieten und Büroflächen für Unternehmen, Finanzdienstleister und internationale Investoren bereitstellen.

Ein wesentlicher Bestandteil ist der Küstenschutz. Eine massive Schutzanlage soll den neu gewonnenen Stadtteil und angrenzende Küstenabschnitte gegen Erosion und Sturmfluten sichern.

Eko Atlantic ist zugleich ein Beispiel für die unterschiedlichen Anforderungen an die Stadtentwicklung in Lagos. Während das Projekt moderne Infrastruktur und zusätzliche Wirtschaftsflächen schaffen soll, bestehen Fragen hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen, der sozialen Zugänglichkeit und des hohen Investitionsbedarfs.

Lagos wächst seit Jahrzehnten stark und steht unter erheblichem Druck, Verkehrsnetze, Wohnraum, Energieversorgung und kommunale Dienstleistungen auszubauen.

Digitale Ausbildung und Migration als weitere Themen

An der Universität Lagos (UNILAG) wird sich die Delegation über technologische und digitale Weiterbildung informieren.

Die Entwicklung digitaler Kompetenzen gehört zu den Bereichen, in denen Nigeria über einen wachsenden Unternehmens- und Arbeitsmarkt verfügt. Insbesondere die Ausbildung technischer Fachkräfte, der Zugang zu digitalen Technologien und die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen sind Themen der wirtschaftlichen Entwicklung.

Darüber hinaus wollen die Abgeordneten die Arbeit des Zentrums für Migration und Entwicklung kennenlernen. Die Einrichtung gehört zu den Anlaufstellen im Umfeld der deutsch-nigerianischen Zusammenarbeit zu Migration und beruflichen Perspektiven.

Neben diesen Projektbesuchen sind Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern und Organisationen der Zivilgesellschaft vorgesehen. Dabei soll die Delegation auch Informationen über die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit erhalten.

Bundestag überprüft Schwerpunkte deutscher Entwicklungspolitik

Die Reise dient der parlamentarischen Begleitung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria. Der Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung befasst sich im Bundestag mit den politischen Schwerpunkten und der Kontrolle entwicklungspolitischer Programme der Bundesregierung.

Nigeria ist als bevölkerungsreichstes Land Afrikas ein wichtiger Partner Deutschlands. Die Zusammenarbeit umfasst unter anderem Energieversorgung, Wirtschaftsentwicklung, berufliche Qualifizierung und Beschäftigung sowie Migration.

Mit dem SEED-Programm verbindet Deutschland die Förderung technischer Ausbildung mit dem Engagement deutscher Unternehmen auf dem nigerianischen Markt. Die Projekte in Lagos betreffen dagegen Fragen der Stadtentwicklung, der Digitalisierung und der wirtschaftlichen Perspektiven einer wachsenden Bevölkerung.

Nach Angaben des Bundestags sollen die Gespräche und Projektbesuche den Abgeordneten Erkenntnisse aus erster Hand liefern, die in die weitere parlamentarische Arbeit zur deutschen Entwicklungspolitik einfließen.

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