Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Donald Trump mit einem afrikanischen Sprichwort zu mehr internationaler Zusammenarbeit aufgerufen. Die Äußerung fiel in einem Interview im Umfeld eines Investitionsgipfels in Deutschland im Oktober 2026. Auf die Frage, welche unbequeme Wahrheit Trump hören müsse, um seine Haltung zu ändern, verwies Merz auf die Bedeutung gemeinsamer Ziele und verlässlicher Partnerschaften. Gleichzeitig betonte er, Europa müsse wirtschaftlich und sicherheitspolitisch eigenständiger werden, ohne die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten aufzugeben.
Afrikanisches Sprichwort als Botschaft an Trump
Auf die Frage, was er Donald Trump sagen würde, um dessen Haltung gegenüber den europäischen Partnern zu verändern, griff Merz auf ein Sprichwort zurück, das er Afrika zuordnete.
„Es gibt ein altes, ich glaube, afrikanisches Sprichwort: Wer schnell vorankommen will, geht allein. Wer weit kommen will, geht gemeinsam.“
Anschließend erklärte der Bundeskanzler: „Und das ist meine Antwort. Wir wollen weit kommen. Und wenn wir weit kommen wollen, und wir könnten weit kommen, dann sollten wir gemeinsam gehen.“
Merz nutzte das Sprichwort, um seinen Ansatz für die transatlantischen Beziehungen zu verdeutlichen. Deutschland und Europa wollten die Zusammenarbeit mit Washington fortsetzen, auch wenn sich die politischen Prioritäten unter Präsident Trump verändert hätten.
Die afrikanische Herkunft des Sprichworts bezeichnete Merz selbst als Vermutung. Die Redewendung ist international verbreitet und wird häufig als afrikanisches Sprichwort zitiert. Eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten afrikanischen Sprache oder Gemeinschaft nahm der Kanzler nicht vor.
Merz will Trump vom Nutzen einer starken EU überzeugen
Der Bundeskanzler erklärte, er versuche Trump bei persönlichen Begegnungen regelmäßig davon zu überzeugen, dass ein stabiles Europa auch im amerikanischen Interesse liege.
Eine wirtschaftlich und politisch handlungsfähige Europäische Union sei ein wichtiger Partner der Vereinigten Staaten. Die europäischen Staaten seien weiterhin bereit, innerhalb der NATO und bestehender internationaler Strukturen zusammenzuarbeiten.

Merz räumte zugleich ein, dass die Signale aus Washington uneinheitlich seien. Während einige Vertreter der US-Regierung weiterhin auf Verhandlungen und internationale Abstimmung setzten, verfolgten andere einen anderen Ansatz.
Er verwies darauf, dass die amerikanische Regierung unter Trump ihre internationale Politik grundlegend verändert habe. Der politische Ansatz „Make America Great Again“ bedeute aus seiner Sicht, dass die USA stärker auf eigene Interessen setzten und von anderen Staaten verlangten, ebenfalls mehr Verantwortung zu übernehmen.
Europa habe diese Botschaft verstanden und müsse entsprechend handeln.
Merz erklärte, Deutschland und seine europäischen Partner seien dabei, ihre Verteidigungsfähigkeit zu stärken, eigene wirtschaftliche Interessen konsequenter zu verfolgen und neue internationale Partnerschaften aufzubauen.
Europa soll militärisch unabhängiger werden
In der Sicherheitspolitik sprach sich Merz für eine deutlich stärkere europäische Rolle innerhalb der NATO aus.
Zugleich betonte der Kanzler, dass die europäischen Staaten und weitere Partner inzwischen einen wesentlichen Teil der militärischen Unterstützung für die Ukraine finanzierten.
Die Vereinigten Staaten beteiligten sich nach seiner Darstellung nicht mehr in früherem Umfang an der Finanzierung von Waffen und militärischer Ausrüstung für Kiew.
Merz machte deutlich, dass Europa die Ukraine weiter unterstützen wolle. Ziel sei nicht eine Verlängerung des Krieges, sondern eine Beendigung des Konflikts unter Bedingungen, die die Unabhängigkeit und territoriale Integrität des Landes sichern.
Auch Kanada nannte der Bundeskanzler als engen Partner. Darüber hinaus verwies er auf neue Handelsbeziehungen, unter anderem mit den Mercosur-Staaten in Südamerika und mit Indien.
Wirtschaftliche Eigenständigkeit gegenüber USA und China
Die Europäische Union verfüge mit rund 450 Millionen Verbrauchern über einen der größten Binnenmärkte der Welt. Diese Größe müsse stärker genutzt werden, um Investitionen, technologische Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum in Europa zu fördern.
Merz sprach sich insbesondere für einen integrierten europäischen Kapitalmarkt aus. Dadurch könnten europäische Ersparnisse stärker für Investitionen innerhalb der EU mobilisiert werden.
Auch die Verringerung bürokratischer Belastungen und bessere Rahmenbedingungen für neue Technologien bezeichnete er als wichtige Voraussetzungen.
Mit Blick auf China erklärte Merz, Europa wolle keinen Handelskrieg. Allerdings müssten Überkapazitäten, staatliche Subventionen und andere wirtschaftliche Ungleichgewichte angesprochen werden.
Der Zugang zum europäischen Markt müsse unter fairen Wettbewerbsbedingungen erfolgen.

