Deutsche Hilfe bringt Malawi zusätzliche Steuereinnahmen von über 20 Millionen Euro

Mehr Staatseinnahmen statt allein zusätzlicher Entwicklungshilfe: Mit deutscher Unterstützung hat Malawi durch Steuerprüfungen über 20 Millionen € zusätzlich erzielt. Gleichzeitig erreichen geförderte Energieprogramme Millionen Menschen.

Deutschland hat Malawi dabei unterstützt, durch Steuerprüfungen zusätzliche Staatseinnahmen von mehr als 40 Milliarden Malawi-Kwacha zu erzielen, umgerechnet rund 20 Millionen Euro. Das Ergebnis betrifft das malawische Haushaltsjahr 2025/2026 und wurde von der deutschen Botschafterin Ute König bei einer Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit in Lilongwe bekannt gegeben. Zugleich bestätigte sie deutsche Entwicklungszusagen in Höhe von 68,8 Millionen Euro für mehrere Reform- und Förderprogramme. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die öffentlichen Finanzen, die Korruptionsbekämpfung, Gesundheit, Landwirtschaft, soziale Sicherung und die Energieversorgung.

Deutsche Unterstützung stärkt Malawis Steuerverwaltung

Die zusätzlichen Einnahmen wurden durch Steuerprüfungen der Malawi Revenue Authority (MRA) erzielt, die bei ihrer Arbeit deutsche Unterstützung erhält. Der Betrag von mehr als 40 Milliarden Kwacha verbessert die Einnahmebasis des Staates zu einer Zeit, in der Malawi wirtschaftliche Reformen umsetzt und seine öffentlichen Finanzen stabilisieren will.

Botschafterin König bezeichnete die Ergebnisse als einen außergewöhnlichen Erfolg bei der Erweiterung des finanziellen Handlungsspielraums, den die malawische Regierung für ihren Reformkurs dringend benötige.

Die Zusammenarbeit mit der Steuerbehörde ist Teil der deutschen Unterstützung beim Management öffentlicher Finanzen. Ziel ist es, die Erhebung staatlicher Einnahmen zu verbessern und die Funktionsfähigkeit der Finanzverwaltung zu stärken.

Zusätzliche Steuereinnahmen ermöglichen es Malawi, einen größeren Teil öffentlicher Ausgaben aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Das Land ist bei der Finanzierung seiner Entwicklungsprogramme zugleich weiterhin auf internationale Partner angewiesen.

Deutschland sagt weitere 68,8 Millionen Euro zu

Neben den Ergebnissen der Steuerverwaltung bestätigte König Finanzierungszusagen in Höhe von 68,8 Millionen Euro, die Deutschland im Rahmen bilateraler Regierungsverhandlungen im Dezember 2025 in Bonn gemacht hatte.

Die Mittel sind für mehrere Bereiche vorgesehen. Dazu zählen die sexuelle und reproduktive Gesundheit, soziale Sicherung, die Entwicklung des Privat- und Finanzsektors sowie die Umgestaltung der Agrar- und Ernährungssysteme. Weitere Schwerpunkte sind die Verwaltung öffentlicher Finanzen und die Korruptionsbekämpfung.

Die Botschafterin bekräftigte die Fortsetzung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit trotz der laufenden Reformen in der deutschen Entwicklungspolitik. Künftig sollen Mittel gezielter eingesetzt und die Ergebnisse der geförderten Programme stärker überprüft werden.

„Die Bekämpfung von Hunger, Armut und Ungleichheit wird unsere Priorität bleiben“, sagte König.

Weitere Regierungskonsultationen zwischen beiden Ländern sind für Ende Oktober in Lilongwe vorgesehen. Neue Finanzierungszusagen sollen bei den nächsten Regierungsverhandlungen im ersten Quartal 2027 erörtert werden.

Soziale Sicherung erfasst mehr als 80 Prozent der Bevölkerung

Ein weiterer Schwerpunkt der deutschen Zusammenarbeit ist der Ausbau der sozialen Sicherung in Malawi.

Das mit deutscher Unterstützung entwickelte Malawi Social Registry erfasst inzwischen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung. Über 20 Sozialprogramme nutzen das Register, um bedürftige Haushalte zu identifizieren und Unterstützungsleistungen gezielter zu verteilen.

Das System dient als gemeinsame Datengrundlage für staatliche und andere soziale Hilfsprogramme. Es soll dazu beitragen, besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen zu erreichen und die Abstimmung zwischen verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen zu verbessern.

Auch bei der Finanzierung landwirtschaftlicher Betriebe meldete die deutsche Botschafterin Ergebnisse. Durch geförderte Finanzierungsangebote erhielten mehr als 28.000 Kleinbauern sowie Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu Finanzdienstleistungen im Gesamtwert von 5,3 Millionen Euro.

Besonders berücksichtigt wurden Frauen und junge Menschen. Ergänzend unterstützt Deutschland Schulungen zur klimaangepassten Fischzucht, mit denen ländliche Haushalte ihre Produktion, Einkommen und Ernährung verbessern sollen.

Energieprogramme erreichen 2,44 Millionen Menschen

Auch bei der Energieversorgung verzeichnet die deutsch unterstützte Entwicklungszusammenarbeit Fortschritte.

Nach Angaben des malawischen Energieministeriums haben seit 2012 mindestens 2,44 Millionen Menschen über das internationale Programm Energising Development (EnDev) Zugang zu modernen Energielösungen erhalten.

Davon profitierten rund 238.000 Menschen durch einen verbesserten Zugang zu Elektrizität. Weitere 2,21 Millionen erhielten Zugang zu modernen Kochlösungen, die traditionelle Brennstoffe und belastende Kochverfahren ersetzen oder ergänzen können.

Das Programm wird von mehreren internationalen Gebern finanziert, darunter Deutschland. Es fördert insbesondere dezentrale Solartechnologien und moderne Kochsysteme in Regionen, die nur eingeschränkt an das nationale Stromnetz angeschlossen sind.

Zusätzlich wurden 190 soziale Einrichtungen und 804 kleinere und mittlere Unternehmen unterstützt. Rund 1,22 Millionen der erreichten Personen sind Frauen und Mädchen.

Etwa 5.000 Kleinbauern in sieben Distrikten nutzen durch das Programm geförderte Energielösungen für landwirtschaftliche Tätigkeiten. Dazu gehören solarbetriebene Bewässerung, Reismühlen, Milchkühlung und Wasserpumpen.

Energieministerin Jean Mathanga verwies bei der Vorstellung der Ergebnisse darauf, dass die Verfügbarkeit neuer Technologien allein nicht ausreiche. Viele Haushalte und Unternehmen könnten sich die Produkte nicht ohne geeignete Finanzierung leisten. Deshalb benötige Malawi Finanzierungsmodelle, die an die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Bevölkerung angepasst seien.

Malawi sieht Deutschland als Partner seiner Entwicklungsstrategie

Malawis Außenminister George Chaponda würdigte die deutsche Unterstützung für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes. Die Zusammenarbeit trage zur Umsetzung der nationalen Entwicklungsstrategie Malawi 2063 bei, mit der die Regierung einen langfristigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel anstrebt.

Chaponda hob insbesondere die Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, soziale Sicherung, öffentliche Finanzverwaltung und ländliche Wirtschaft hervor.

Die Bundesregierung gehört zu den langjährigen Entwicklungspartnern Malawis. Die bilaterale Zusammenarbeit umfasst neben den sozialen Sektoren zunehmend Maßnahmen zur Stärkung staatlicher Einnahmen, zur Verbesserung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und zur Förderung privater Investitionen.

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