Sudans Armeechef Abdel Fattah al-Burhan hat Bundeskanzler Friedrich Merz eine persönliche Botschaft übermitteln lassen, um über die Beziehungen zu Deutschland und Möglichkeiten zur Beendigung des Krieges im Sudan zu sprechen. Das Schreiben wurde am Freitag, 16. Oktober 2026, im Auswärtigen Amt in Berlin übergeben. Als Sondergesandter reiste Darfurs Gouverneur Minni Arko Minnawi nach Deutschland und traf dort Staatsministerin Serap Güler. Die Bundesregierung bekräftigte ihre Forderung nach einem Waffenstillstand und einem politischen Dialog unter ziviler Führung.
Al-Burhan schickt Darfurs Gouverneur nach Berlin
Minni Arko Minnawi übergab die schriftliche Botschaft al-Burhans bei einem Treffen mit Staatsministerin Serap Güler im Auswärtigen Amt. Begleitet wurde er vom Staatssekretär im sudanesischen Außenministerium, Muawiya Osman Khalid.
Nach Angaben der sudanesischen Seite behandelte das Schreiben die bilateralen Beziehungen, internationale Friedensbemühungen und Möglichkeiten zur Förderung eines inner-sudanesischen Dialogs.
Sudans Geschäftsträger in Berlin, Idris Mohamed Ali, bezeichnete den Besuch als Teil des fortlaufenden diplomatischen Austauschs zwischen beiden Staaten.
Minnawi habe die deutsche Regierung über die jüngsten Entwicklungen im Sudan und die Bemühungen zur Wiederherstellung von Frieden und Stabilität informiert.
Der Inhalt des Schreibens an Merz wurde nicht veröffentlicht. Auch konkrete Vorschläge al-Burhans zu einem Waffenstillstand oder politischen Verhandlungen wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Bundesregierung fordert Waffenstillstand statt militärischer Lösung
Staatsministerin Serap Güler machte bei dem Gespräch deutlich, dass Deutschland eine Fortsetzung des Krieges mit militärischen Mitteln ablehnt.
„Ich habe unterstrichen, dass ein weiteres Verfolgen einer militärischen Lösung unverantwortlich wäre und nur ein Waffenstillstand gefolgt von einem inklusiven sudanesischen Dialog zu nachhaltigem Frieden führen kann“, erklärte Güler nach dem Treffen.
Sie forderte einen politischen Prozess, an dem die unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Kräfte des Sudan beteiligt sind und der von zivilen Akteuren getragen wird.
Güler ermutigte Minnawi, konkrete Schritte hin zu einem umfassenden nationalen Dialog zu unternehmen.

Darüber hinaus sprach sie die Notwendigkeit eines ungehinderten Zugangs für humanitäre Hilfsorganisationen sowie den Schutz der Zivilbevölkerung an.
Deutschland setzt auf internationale Vermittlung
Der Besuch fand sechs Monate nach der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin statt, bei der die sogenannten Berliner Prinzipien verabschiedet worden waren.
Die Bundesregierung hatte dort gemeinsam mit internationalen Partnern ihre Unterstützung für diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges bekräftigt.
Auch nach dem Treffen mit Minnawi erklärte die deutsche Botschaft für Sudan, dass Berlin an diesen Bemühungen festhalte.
Diese Organisationen sollen ihre diplomatischen Bemühungen koordinieren und einen politischen Prozess unterstützen, der über die unmittelbaren Kriegsparteien hinausgeht.
Güler erklärte, Deutschland werde gemeinsam mit seinen Partnern den Kontakt zu den maßgeblichen Akteuren im Sudan aufrechterhalten.
Minnawi ist Gouverneur von Darfur und Verbündeter der Armee
Mit Minni Arko Minnawi entsandte al-Burhan einen Politiker nach Berlin, der im sudanesischen Konflikt eine besondere Rolle spielt.
Minnawi ist Gouverneur der westlichen Region Darfur und steht an der Spitze einer bewaffneten Bewegung, die sich im Krieg auf die Seite der sudanesischen Streitkräfte gestellt hat.
Seine Ernennung zum persönlichen Gesandten al-Burhans verbindet die diplomatische Initiative damit unmittelbar mit dem politischen und militärischen Lager der sudanesischen Armee.
Für die Bundesregierung stellt sich zugleich die Frage, wie Gespräche mit Vertretern der bewaffneten Konfliktparteien mit ihrer Forderung nach einem zivil geführten politischen Prozess verbunden werden können.
Güler verlangte deshalb ausdrücklich, dass ein nationaler Dialog tatsächlich inklusiv gestaltet wird und nicht auf die militärischen und politischen Akteure einer Konfliktseite begrenzt bleibt.
Krieg zwischen Armee und RSF dauert seit April 2023 an
Im Sudan kämpfen seit April 2023 die regulären Streitkräfte unter Führung von Abdel Fattah al-Burhan und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) gegeneinander.
Der Konflikt hat eine humanitäre Krise ausgelöst. Millionen Menschen mussten ihre Wohnorte verlassen, große Teile der zivilen Infrastruktur wurden zerstört und humanitäre Organisationen stoßen in zahlreichen Regionen auf Schwierigkeiten beim Zugang zur Bevölkerung.
Besonders schwer betroffen ist Darfur, wo bewaffnete Gruppen und die beiden großen Konfliktparteien um die Kontrolle von Städten und Gebieten kämpfen.
Internationale Vermittlungsversuche haben bislang keinen dauerhaften landesweiten Waffenstillstand hervorgebracht.
Deutschland beteiligt sich an den diplomatischen Bemühungen und fordert neben einer Einstellung der Kampfhandlungen politische Verhandlungen, humanitären Zugang und Schutzmaßnahmen für Zivilisten.
Die Übergabe des Schreibens al-Burhans an die Bundesregierung erfolgte im Rahmen dieser Kontakte. Eine Vereinbarung über neue Verhandlungen oder einen Waffenstillstand wurde nach dem Treffen im Auswärtigen Amt nicht bekannt gegeben.

