Madagaskar will außenpolitische Neutralität wahren – Randrianirina legt Fahrplan für Wahlen bei UN fest

Madagaskar legt einen Zeitplan für die Rückkehr zu Wahlen vor: Bis Ende 2027 soll die politische Übergangsphase beendet werden. Bei der UN verband Michael Randrianirina das Versprechen mit einem eindringlichen Bild der Klimakrise: Im Süden laufen Frauen kilometerweit auf der Suche nach Wasser.

Madagaskars Übergangspräsident Michael Randrianirina hat freie und transparente Wahlen bis spätestens Ende 2027 angekündigt und damit den Zeitrahmen für die Rückkehr zu einer gewählten Regierung konkretisiert. Er sprach am Donnerstag, 24. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York. Der Staatschef verband den politischen Übergang mit einem nationalen Dialog, institutionellen Reformen und einer Entwicklungsagenda, die vor allem Wasserknappheit, Ernährungssicherheit und Beschäftigung für die junge Bevölkerung angehen soll. Zugleich forderte er mehr afrikanischen Einfluss im UN-Sicherheitsrat und eine Reform der internationalen Entwicklungsfinanzierung. 

Wahlen sollen Übergangsphase beenden

„Unser Ziel ist es, vor Ende 2027 freie, transparente und allgemein akzeptierte Wahlen abzuhalten“, sagte Randrianirina vor der Generalversammlung.

Der Zeitplan entspricht weitgehend dem Rahmen, den die neue Führung nach dem politischen Umbruch im Oktober 2025 angekündigt hatte. Randrianirina war nach wochenlangen, vor allem von jungen Menschen getragenen Protesten und dem Sturz des damaligen Präsidenten Andry Rajoelina an die Staatsspitze gelangt. Damals hatte er eine Übergangsperiode von bis zu zwei Jahren bis zu neuen Wahlen in Aussicht gestellt. 

Vor den Vereinten Nationen stellte er den inzwischen begonnenen nationalen Dialog als Grundlage der politischen Neuordnung dar. Daran sollen Jugendliche, Frauen, Menschen mit Behinderungen, Parteien, Zivilgesellschaft, Streitkräfte und Privatwirtschaft beteiligt werden.

Die Entwicklung wird von der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika, SADC, begleitet. Die Regionalorganisation hatte bereits im Dezember 2025 einen inklusiven, von Madagaskar selbst getragenen Dialog und anschließende Neuwahlen verlangt. Beim Gipfel im August 2026 bekräftigte sie ihre Unterstützung für die Rückkehr zu verfassungsmäßigen Verhältnissen, demokratischen Institutionen und politischer Beteiligung. 

Wasserknappheit im Süden wird zum Symbol der Krise

Einen großen Teil seiner Rede widmete Randrianirina den sozialen und klimatischen Krisen des Landes.

„Im Süden Madagaskars laufen Mütter Dutzende Kilometer in sengender Hitze, um in ausgetrockneten Flussbetten nach Wasser zu suchen“, sagte er. Im Osten zerstörten immer heftigere tropische Wirbelstürme Ernten und Infrastruktur, während Überschwemmungen in anderen Regionen ganze Gemeinden und Reisanbaugebiete träfen. 

Die Klimafolgen verschärfen nach Darstellung der Regierung bereits bestehende Probleme wie Hunger, Gesundheitsrisiken und Armut. Randrianirina verlangte deshalb, humanitäre Nothilfe stärker mit langfristigen Investitionen in Wasser, Landwirtschaft, Gesundheit und Infrastruktur zu verbinden.

Madagaskar will für den UN-Kooperationsrahmen zur nachhaltigen Entwicklung von 2024 bis 2028 insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar mobilisieren. Entscheidend sei nicht allein die Höhe der eingesetzten Mittel, sondern ihre Wirkung auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung, sagte der Präsident.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre

Randrianirina rückte zugleich die junge Bevölkerung ins Zentrum seiner Entwicklungsstrategie. Nach seinen Angaben sind mehr als 55 Prozent der Einwohner Madagaskars jünger als 25 Jahre.

Das Bildungssystem soll deshalb stärker auf tatsächlich verfügbare Arbeitsplätze und zukunftsträchtige Wirtschaftszweige ausgerichtet werden. Die Regierung wolle Erfolg nicht allein an neu gebauten Schulen oder Schülerzahlen messen, sondern stärker daran, welche Fähigkeiten Jugendliche erwerben und ob sie anschließend Beschäftigung finden.

Der politische Umbruch von 2025 war selbst wesentlich von einer jungen Protestbewegung getragen worden. Die zunächst durch Strom- und Wasserausfälle ausgelösten Demonstrationen weiteten sich damals zu Protesten gegen Korruption und politische Führung aus. 

Madagaskar setzt außenpolitisch auf Neutralität

Auch die außenpolitische Position des Inselstaates definierte Randrianirina neu beziehungsweise bekräftigte sie.

Madagaskar werde gegenüber globalen Konflikten eine Politik der Neutralität verfolgen und Partnerschaften „in alle Richtungen“ offenhalten. Kooperationen sollten sich an den wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnissen des Landes orientieren und die nationale Souveränität respektieren.

Einen regionalen Schwerpunkt bildet die maritime Sicherheit im Mosambik-Kanal und im westlichen Indischen Ozean. Madagaskar will dort die Zusammenarbeit mit Nachbarstaaten und internationalen Partnern ausbauen. Die Regierung verbindet die Sicherheit der Seewege auch mit stabilen Energie- und Warenlieferketten. 

Randrianirina fordert ständigen afrikanischen Einfluss im Sicherheitsrat

Vor der Generalversammlung verlangte der Präsident außerdem eine Neuverteilung von Macht innerhalb der Vereinten Nationen.

Die UN-Generalversammlung müsse wieder stärkeres politisches Gewicht erhalten, weil dort alle Mitgliedstaaten unabhängig von ihrer Größe jeweils eine Stimme besitzen. Die 81. UN-Generalversammlung läuft seit September 2026 unter dem Vorsitz des bangladeschischen Diplomaten Khalilur Rahman. 

Zugleich forderte Randrianirina eine Korrektur der afrikanischen Unterrepräsentation im Sicherheitsrat.

„Afrika kann nicht am Rand der Entscheidungen bleiben“, sagte er. Der Kontinent mit rund 1,4 Milliarden Menschen müsse dauerhaft im Sicherheitsrat vertreten sein. Dabei verwies er auf die gemeinsame afrikanische Position des Ezulwini-Konsenses und der Erklärung von Sirte. 

Kredite sollen stärker Klimarisiken berücksichtigen

Auch die Regeln der internationalen Entwicklungsfinanzierung stellte Randrianirina infrage.

Der Zugang zu vergünstigten Krediten orientiere sich zu stark am Pro-Kopf-Einkommen eines Landes. Dadurch könnten Staaten trotz hoher Klimarisiken, Schuldenbelastungen oder anderer struktureller Verwundbarkeiten von günstiger Finanzierung ausgeschlossen werden.

Madagaskar fordert deshalb, den sogenannten multidimensionalen Vulnerabilitätsindex stärker einzubeziehen. Zudem sprach sich Randrianirina für schnellere und berechenbarere Umschuldungsverfahren sowie vereinfachte Verfahren beim Zugang zu UN-Finanzmitteln aus.

Bei der Klimafinanzierung verlangte er, zugesagte Mittel stärker auf besonders gefährdete Staaten auszurichten. Langwierige Verwaltungsverfahren könnten gerade in akuten Krisen verhindern, dass internationale Unterstützung rechtzeitig bei betroffenen Gemeinden ankomme. 

Die SADC begleitet parallel den politischen Übergang des Landes. Die Regionalorganisation hatte nach dem Machtwechsel ausdrücklich erklärt, Madagaskar bis zur Wiederherstellung einer gewählten Regierung und verfassungsmäßiger Normalität unterstützen zu wollen.

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