Simbabwe will bei Lithium und anderen kritischen Rohstoffen deutlich mehr Verarbeitung und Wertschöpfung im eigenen Land halten und hat erstmals heimisch produziertes Lithiumsulfat exportiert. Präsident Emmerson Mnangagwa stellte die Strategie am Donnerstag vor der UN-Generalversammlung in New York vor. Harare sieht die Verarbeitung von Rohstoffen am Förderort als Grundlage für Industrialisierung und regionale Wertschöpfungsketten. Zugleich kündigte Mnangagwa an, diese Rohstoffagenda mit Simbabwes zweijähriger Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat ab Januar 2027 zu verbinden.
Vom Lithiumabbau zur Verarbeitung im eigenen Land
Mnangagwa stellte kritische Mineralien in den Zusammenhang einer grundsätzlichen Veränderung des afrikanischen Rohstoffmodells. Förderländer sollten nicht allein Minenstandorte sein, während Verarbeitung, Technologie und ein großer Teil der wirtschaftlichen Erträge andernorts entstehen.
Simbabwe verfüge über mehr als 40 kritische und seltene Mineralien, sagte der Präsident. Die Regierung setze deshalb auf „Wertschöpfung und Weiterverarbeitung an der Quelle“ und den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten.
Als konkreten Fortschritt nannte Mnangagwa die erste Ausfuhr von in Simbabwe produziertem Lithiumsulfat im zweiten Quartal 2026.
Damit lasse sich zeigen, „dass es für gemeinsamen Wohlstand möglich ist, Wertschöpfung an der Quelle zu halten“, sagte er.
Lithiumsulfat ist ein Zwischenprodukt der Lithiumverarbeitung. Die stärkere industrielle Verarbeitung im Förderland soll Simbabwe über den Export von Erz oder Konzentraten hinausführen und zusätzliche Produktionsschritte im Land ansiedeln.
Kritische Rohstoffe sollen Industrialisierung finanzieren
Mnangagwa stellte den Rohstoffsektor als Bestandteil der nationalen Industrialisierungsstrategie dar. Bergbau und Landwirtschaft sollen stärker mit der heimischen Fertigungsindustrie verbunden werden.
Die Regierung verfolgt diesen Ansatz im Rahmen ihrer „National Vision 2030“. Nach Darstellung Mnangagwas hätten wirtschaftspolitische Reformen seit 2017 zu einer Verdreifachung des Bruttoinlandsprodukts geführt. Diese Zahl ist eine Angabe der simbabwischen Regierung.
Neben dem Bergbau verwies der Präsident auf Agrarverarbeitung, ländliche Industriezentren sowie Investitionen in Infrastruktur. Frauen und junge Menschen sollten stärker in Wertschöpfungsketten eingebunden werden.
Die Rohstoffpolitik verband er zugleich mit der internationalen Energiewende. Simbabwe unterstützt die Empfehlungen des UN-Generalsekretärs zu kritischen Mineralien für die Energiewende und fordert, dass deren Förderung stärker zu Entwicklung in den Produktionsländern beiträgt.
„Kritische Mineralien müssen zu einer Grundlage inklusiver Entwicklung werden“, sagte Mnangagwa.
Rohstoffe sollen keine Konflikte finanzieren
Diese Position will Harare auch in seine bevorstehende Arbeit im UN-Sicherheitsrat einbringen.
Simbabwe wurde im Juni gemeinsam mit Österreich, Portugal, Trinidad und Tobago sowie Kirgisistan für die Jahre 2027 und 2028 zum nichtständigen Mitglied des Sicherheitsrats gewählt. Das Mandat beginnt am 1. Januar 2027. Im Juni 2027 wird Simbabwe nach der derzeitigen Rotation den Vorsitz des Rates übernehmen.
Mnangagwa nannte vier Schwerpunkte für das zweijährige Mandat. Dazu gehören vorbeugende Diplomatie und Vermittlung, eine engere Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union sowie eine stärkere Rolle von Frauen und jungen Menschen in Friedensprozessen.
Als dritten Schwerpunkt stellte er natürliche Ressourcen heraus.
Afrikas Rohstoffreichtum müsse Industrialisierung, Modernisierung und die ökologische Transformation fördern, „und nicht Konflikte finanzieren“, sagte der Präsident. Simbabwe wolle deshalb Maßnahmen gegen Terrorismus, organisierte Kriminalität, illegale Waffenströme und den illegalen Handel mit Rohstoffen unterstützen.
Harare fordert mehr Unterstützung für afrikanische Friedenseinsätze
Simbabwe will im Sicherheitsrat zugleich auf eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und regionalen afrikanischen Organisationen drängen.
Mnangagwa forderte die vollständige Umsetzung der UN-Sicherheitsratsresolution 2719. Sie schafft einen Rahmen, unter dem von der Afrikanischen Union geführte Friedenseinsätze unter bestimmten Bedingungen auf Beiträge aus dem regulären UN-Haushalt zurückgreifen können.
Harare verbindet dies mit der Agenda „Silencing the Guns“ der Afrikanischen Union, die bewaffnete Konflikte auf dem Kontinent eindämmen soll.

Militärisches Handeln könne zwar die Lage auf einem Schlachtfeld verändern, sagte Mnangagwa. Dauerhafter Frieden entstehe jedoch durch politische Prozesse, die Konfliktursachen und Beschwerden aufgriffen und betroffene Gemeinschaften einbezögen.
„Unsere Erfahrung im südlichen Afrika hat uns gelehrt, dass Dialog gemeinsame Stärke und keine Schwäche ist“, sagte er.
Simbabwe fordert mehr Macht für Afrika im Sicherheitsrat
Die eigene Mitgliedschaft als nichtständiges Mitglied reicht Harare nicht aus. Mnangagwa bekräftigte die gemeinsame afrikanische Forderung nach einer grundlegenden Reform des Sicherheitsrats.
Die heutige Zusammensetzung spiegele weiterhin die geopolitischen Verhältnisse von 1945 wider, sagte er. Simbabwe unterstützt die gemeinsame Position der Afrikanischen Union, die eine ständige Vertretung Afrikas mit vollständigen Rechten sowie zusätzliche nichtständige Sitze verlangt.
Der Präsident stellte Simbabwes bevorstehendes Mandat zugleich unter die außenpolitische Formel, „Freund aller und Feind von niemandem“ sein zu wollen.
„Mein Land wird diese Verantwortung im Januar 2027 mit Demut, Unabhängigkeit und der Bereitschaft zu dienen übernehmen“, sagte Mnangagwa.
Die Wahl Simbabwes für 2027 und 2028 wird auch in der offiziellen Mitgliederübersicht des Sicherheitsrats geführt. Für das Land ist es nach den Mandaten 1983 bis 1984 und 1991 bis 1992 die dritte Mitgliedschaft in dem Gremium.
Mnangagwa fordert Ende westlicher Zwangsmaßnahmen
Simbabwes Entwicklungsprogramme würden weiterhin durch „einseitige Zwangsmaßnahmen einiger westlicher Länder“ beeinträchtigt, sagte er und forderte deren „sofortige und bedingungslose Aufhebung“. Diese Darstellung entspricht der Position der simbabwischen Regierung.
Auch bei der globalen Entwicklungsfinanzierung verlangte Mnangagwa Änderungen. Entwicklungsländer benötigten günstigere langfristige Kredite, Schuldenerleichterungen und stärkeren Einfluss in internationalen Finanzinstitutionen. Er kritisierte zudem aus seiner Sicht überhöhte Risikoaufschläge und Finanzierungskosten für afrikanische Staaten.
Die stärkere Verarbeitung kritischer Mineralien im eigenen Land ordnete Harare in diese Strategie ein: Statt Rohstoffe hauptsächlich auszuführen, sollen Lithium und andere Mineralien stärker zur heimischen Industrie, zu regionalen Lieferketten und zu zusätzlichen Einnahmen in den Förderländern beitragen.
