5,2 Milliarden für Rohstoffsicherung – Deutschland bleibt von China abhängig

Milliarden an Garantien, ein wachsender Rohstofffonds und zahlreiche Projekte weltweit: Deutschland versucht seit Jahren, seine Rohstoffversorgung zu diversifizieren. Doch bei Schlüsselmaterialien bleibt die Abhängigkeit von China extrem hoch – bei importierten Permanentmagneten lag sie 2025 bei rund 90 Prozent.

Die Bundesregierung setzt Milliardeninstrumente zur Sicherung kritischer Rohstoffe ein, doch die angestrebte Diversifizierung der Lieferketten ist bei zentralen Materialien bislang nur begrenzt erreicht. Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen wurde am Mittwoch, 23. September 2026, veröffentlicht. Seit 2020 wurden allein Rohstoffkredite im Umfang von mehr als 5,2 Milliarden Euro staatlich abgesichert, hinzu kommen Förderprogramme und ein Rohstofffonds mit einem angestrebten Portfolio von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig beschreibt KfW Research Deutschlands Rohstoffabhängigkeit von China weiterhin als erheblich und sieht den Handlungsspielraum bei zahlreichen kritischen Materialien durch Chinas Dominanz entlang der Wertschöpfungsketten eingeschränkt. 

Milliardeninstrumente sollen Lieferketten diversifizieren

Die Bundesregierung verfolgt seit Jahren das Ziel, die deutsche Wirtschaft bei der Diversifizierung ihrer Rohstoffversorgung zu unterstützen. Dafür stehen inzwischen Förderprogramme, Forschungsprojekte, Rohstoffpartnerschaften, Garantien und direkte Beteiligungen zur Verfügung.

Besonders groß ist das Volumen der sogenannten ungebundenen Finanzkreditgarantien. Zwischen Anfang 2020 und Juli 2026 übernahm der Bund neue Garantien mit Rohstoffbezug einschließlich Gas im Umfang von rund 5,22 Milliarden Euro. Davon entfielen 3,819 Milliarden Euro auf 2022, weitere 463,2 Millionen Euro auf 2024 und 937,1 Millionen Euro auf das erste Halbjahr 2026. Bislang musste der Bund daraus keine Entschädigungszahlungen leisten. 

Hinzu kommt der 2024 gestartete KfW-Rohstofffonds. Die KfW hat bislang 150 Millionen Euro in Vulcan Energy Resources und 50 Millionen Euro in das australische Seltene-Erden-Unternehmen Arafura Rare Earths investiert. Die Bundesregierung will das Beteiligungsportfolio auf bis zu 1,5 Milliarden Euro ausbauen. 

Das Wirtschaftsministerium bezeichnete die Beteiligung am australischen Nolans-Projekt im April ausdrücklich als Beitrag zur Verringerung bestehender Abhängigkeiten und zum Aufbau zusätzlicher Förder- und Verarbeitungskapazitäten außerhalb der bisherigen Konzentrationen. 

Rohstoffabhängigkeit bleibt trotzdem hoch

Die bislang erreichten Veränderungen bleiben jedoch deutlich hinter dem politischen Ziel einer breit diversifizierten Versorgung zurück.

KfW Research kommt in einer im September veröffentlichten Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Deutschlands und Europas Handlungsspielraum bei zahlreichen kritischen Rohstoffen weiterhin durch Chinas Dominanz über weite Teile der Wertschöpfungsketten eingeschränkt ist. Bei einigen Rohstoffen gebe es auch auf mittlere Sicht kaum Alternativen zu China. 

Besonders deutlich zeigt sich das bei Permanentmagneten, die unter anderem für Windkraftanlagen, Elektromotoren und zahlreiche Hochtechnologien benötigt werden. Deutschland importierte 2025 rund 17.000 Tonnen davon. Etwa 90 Prozent kamen direkt aus China. Die Bundesregierung will diesen Anteil erst bis 2035 auf 50 Prozent reduzieren. 

Auch in der Weiterverarbeitung kritischer Rohstoffe hat sich die globale Konzentration zuletzt teilweise noch verstärkt. Zwischen 2020 und 2024 entfielen nach den von KfW Research ausgewerteten Daten mehr als 90 Prozent des weltweiten Produktionszuwachses bei der Weiterverarbeitung von Kobalt, Grafit und Seltenen Erden auf China. Bei Lithium und Kupfer waren es mehr als 70 Prozent. 

Damit trifft der milliardenschwere Ausbau deutscher Sicherungsinstrumente bislang auf Lieferketten, deren zentrale Strukturen sich nur langsam verändern.

Selbst Bundesregierung spricht weiter von strategischen Abhängigkeiten

Auch die Bundesregierung beschreibt die Diversifizierung weiterhin als ungelöste Aufgabe.

Außenminister Johann Wadephul erklärte Anfang September, die Wirtschaftsbeziehungen mit China würden zunehmend unausgewogen. Kritische Abhängigkeiten drohten zu „strategischen Schwachstellen“ zu werden. Europa müsse deshalb strategische Abhängigkeiten reduzieren und kritische Lieferketten innerhalb Europas absichern. 

Noch im Juli hatte Wadephul bei einer Rohstoffkonferenz in Brasilien die Diversifizierung kritischer Lieferketten als „oberste Priorität“ bezeichnet. Deutschland wolle die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduzieren und dafür insbesondere Partnerschaften mit rohstoffreichen Staaten wie Brasilien ausbauen. 

Die Bundesregierung selbst begründet ihre Rohstoffinstrumente weiterhin mit „wachsender geopolitischer und geoökonomischer Spannung“ und der Gefahr, dass bestehende Abhängigkeiten politisch instrumentalisiert werden könnten. 

Bundesregierung kann Gesamtkosten nicht beziffern

Wie viel der Bund für diese Strategie insgesamt ausgegeben oder finanziell gebunden hat, kann die Bundesregierung dennoch nicht angeben.

Eine „systematische und übergreifende Erfassung“ sämtlicher haushaltsrelevanter Maßnahmen zur Diversifizierung der Rohstoffversorgung existiere nicht. Auch eine Gesamtsumme aus den einzelnen Programmen lasse sich nach Darstellung der Regierung „nicht seriös ableiten“. 

Ein Grund sind die unterschiedlichen Instrumente. Garantien sind keine unmittelbaren Ausgaben und belasten den Haushalt erst bei Zahlungsausfällen. Beteiligungen können Gewinne oder Verluste erzeugen. Gleichzeitig laufen zahlreiche Förder- und Forschungsprogramme über mehrere Ressorts.

Für einen abgegrenzten Bereich liefert die Antwort dennoch eine Größenordnung: Die vom Entwicklungsministerium erfassten rohstoffbezogenen Maßnahmen summieren sich auf rund 137,9 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 91,6 Millionen Euro auf vollständig oder teilweise rohstoffbezogene GIZ-Projekte. 

Afrika ist Schwerpunkt deutscher Rohstoffprogramme

Ein beträchtlicher Teil dieser Entwicklungsprogramme konzentriert sich auf afrikanische Rohstoffländer.

In Westafrika finanziert das Entwicklungsministerium seit Jahren Programme zur Rohstoffgovernance. Die Phasen IV und V eines regionalen GIZ-Vorhabens erreichten zwischen 2020 und Mitte 2026 zusammen rund 17 Millionen Euro. Hinzu kommen Programme in der Demokratischen Republik Kongo, Namibia, Mosambik, Mauretanien, Nigeria und Sambia. 

In der DR Kongo unterstützt Deutschland unter anderem verantwortungsvolle Lieferketten, die Verwaltung von Einnahmen aus dem Rohstoffsektor und die wirtschaftliche Entwicklung des Bergbaus. Allein einzelne GIZ-Programme erreichen dort über mehrere Jahre Millionenbeträge. 

Auch in der Region der Großen Seen finanziert Deutschland Programme gegen Konfliktrohstoffe sowie für Transparenz und bessere Rohstoffgovernance.

Diese entwicklungspolitischen Programme verfolgen allerdings andere Ziele als die unmittelbare Versorgung der deutschen Industrie. Sie sollen unter anderem staatliche Strukturen, Transparenz und nachhaltigere Lieferketten stärken und können deshalb nicht unmittelbar mit Importanteilen aus China verrechnet werden.

Zwei Beteiligungen nach Start des Rohstofffonds

Beim unmittelbar auf die deutsche Versorgungssicherheit ausgerichteten Rohstofffonds sind bislang zwei Beteiligungen abgeschlossen worden.

Neben dem deutschen Lithiumprojekt von Vulcan Energy investiert der Fonds in Arafuras Nolans-Projekt in Australien. Dort sollen Neodym und Praseodym gewonnen werden, die für Permanentmagnete benötigt werden. Gerade bei diesen Magneten liegt Deutschlands direkte Importabhängigkeit von China weiterhin bei rund 90 Prozent. 

Weitere Projekte befinden sich nach Angaben der Bundesregierung und der KfW in Prüfung. Die Bundesregierung will den Fonds bis 2030 deutlich ausweiten. 

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