Deutschlands Rohstoffproblem heißt China – Afrika rückt als Alternative in den Fokus

Deutschlands Industrie braucht immer mehr kritische Rohstoffe für KI, Batterien und Verteidigung – doch China kontrolliert große Teile der Lieferketten. Afrika besitzt viele der gesuchten Ressourcen, aber auch dort hat Peking längst strategische Positionen aufgebaut.

Deutschland und die EU bleiben bei zahlreichen kritischen Rohstoffen für Batterien, Künstliche Intelligenz, Energietechnik und Verteidigung stark von China abhängig, während afrikanische Förderländer im globalen Wettbewerb um alternative Lieferketten an Bedeutung gewinnen. Die Analyse veröffentlichte KfW Research im September 2026. Bei mehreren Schlüsselmaterialien kontrolliert China große Teile der Förderung oder vor allem der Weiterverarbeitung, während europäische Kapazitäten über viele Stufen der Wertschöpfungskette gering bleiben. Gleichzeitig investieren chinesische Unternehmen seit Jahren gezielt in Minen und Verarbeitungsanlagen in Afrika. 

KfW Research beschreibt die Lage als strategisches Dilemma. Europa benötigt wachsende Mengen kritischer Rohstoffe für Digitalisierung, KI, Verteidigung und Energiewende, kann den Bedarf aber bei vielen Materialien nicht kurzfristig aus eigenen oder nicht-chinesischen Kapazitäten decken. Nur bei wenigen Rohstoffen sei es realistisch, innerhalb der kommenden fünf Jahre ausreichende Alternativen außerhalb Chinas aufzubauen. 

Chinas Stärke beginnt nicht erst bei der Mine

Das Problem liegt nicht allein darin, wo Rohstoffe gefördert werden. Besonders stark ist Chinas Position bei der Verarbeitung zu Materialien, die anschließend tatsächlich in Batterien, Halbleitern, Permanentmagneten oder militärischen Systemen eingesetzt werden.

Bei einzelnen Seltenen Erden erreicht Chinas Anteil an der weltweiten Weiterverarbeitung nach der KfW-Auswertung bis zu 100 Prozent. Bei Gallium liegt der Anteil bei 99 Prozent, bei Seltenen Erden insgesamt bei 91 Prozent, bei Wismut bei 88 Prozent und bei Magnesium bei 86 Prozent. Auch Siliziummetall, Grafit, Kobalt und Lithium weisen hohe Konzentrationen auf. 

Diese Abhängigkeit zieht sich bis in fertige Produkte. Deutschland bezog zuletzt 65 Prozent seiner importierten Lithium-Ionen-Akkumulatoren aus China. Für die gesamte EU lag der Anteil bei 90 Prozent. Bei deutschen Importen bestimmter Formen von Grafit, Mangan und Phosphorprodukten liegen die China-Anteile ebenfalls hoch. 

Selbst dort, wo Rohstoffe außerhalb Chinas gefördert werden, wandert ein erheblicher Teil zur Weiterverarbeitung nach China. Genau diese Struktur macht eine Diversifizierung schwieriger als den bloßen Abschluss neuer Lieferverträge.

Afrika besitzt Rohstoffe – China kontrolliert Teile der Wertschöpfung

Afrika taucht in dieser Lieferkette an mehreren entscheidenden Stellen auf. Manganerze stammen beispielsweise überwiegend aus Südafrika und Gabun. Kobalt wird in großem Umfang in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut. Bei Metallen der Platingruppe konzentrieren sich Risiken stärker auf Russland und afrikanische Lieferländer als auf China. 

Damit bietet der Kontinent grundsätzlich genau jene Rohstoffbasis, nach der Deutschland und Europa bei der Suche nach zusätzlichen Bezugsquellen suchen. Der Zugang zur Mine allein löst das Problem jedoch nicht. Beim Mangan zeigt sich die Struktur besonders deutlich: Während die Erze vor allem aus Südafrika und Gabun kommen, hält China bei weiterverarbeiteten Ferromangan-Verbindungen einen weltweiten Marktanteil von fast 70 Prozent. Bei Mangan in Batteriequalität liegt der chinesische Anteil noch höher. 

Wer Abhängigkeiten verringern will, muss deshalb Verarbeitungskapazitäten außerhalb Chinas mit aufbauen. Eine reine Verlagerung des Rohstoffbezugs von einer Mine zur anderen würde die Abhängigkeit bei Raffination, Spezialchemikalien und industriellen Vorprodukten vielfach bestehen lassen.

China investiert längst strategisch in afrikanische Rohstoffe

Dabei startet Europa nicht auf einem unbesetzten Feld. Chinesische Unternehmen sichern sich seit Jahren Minen, Beteiligungen und Verarbeitungsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika.

KfW Research wertet grenzüberschreitende chinesische Investitionen im Bereich Metalle und Mineralien zwischen 2020 und dem ersten Quartal 2026 aus. Rund 40 Prozent des Transaktionswerts entfielen auf staatliche oder staatsnahe chinesische Unternehmen. In Subsahara-Afrika war deren Anteil überdurchschnittlich hoch. Der Großteil der Investitionen bestand nicht aus Übernahmen, sondern aus neuen Projekten. Mehr als die Hälfte zielte auf die Weiterverarbeitung von Metallen und Mineralien. 

Ein Beispiel ist die Ngualla-Mine in Tansania. Das Vorkommen gilt als international bedeutsam für Seltene Erden und ging 2025 vollständig in chinesischen Besitz über. KfW Research verweist auf den Fall als Beispiel dafür, wie chinesische Unternehmen im internationalen Wettbewerb um Rohstoffprojekte ihre Markt- und Preisposition einsetzen. 

Damit verschiebt sich die Frage für Deutschland. Es reicht nicht, Afrika erst dann als Bezugsquelle zu betrachten, wenn chinesische Lieferketten bereits unter Druck geraten. Rohstoffpartnerschaften konkurrieren inzwischen mit chinesischen, amerikanischen, japanischen, indischen und arabischen Investitionen um dieselben Vorkommen und Projekte.

USA, Japan und Golfstaaten investieren bereits

Diese Konkurrenz wird inzwischen breiter. KfW Research zeigt für den Zeitraum von Januar 2022 bis September 2026 zahlreiche grenzüberschreitende Investitionen, Joint Ventures und Beteiligungen im Bergbau und Metallsektor. Neben China bauen insbesondere die USA, Japan, Indien und Golfstaaten ihre Position aus.

Dabei fließt Kapital ausdrücklich auch in afrikanische Förderländer. Die KfW nennt Projekte „von Mosambik bis Brasilien“ und beschreibt eine internationale Strategie, bei der Staaten und Unternehmen Lieferketten außerhalb des jeweils dominierenden Produzenten aufbauen. Finanzierungen, Beteiligungen, Übernahmen und Joint Ventures werden miteinander kombiniert. 

Das Ziel wird als sogenannte „n-1-Strategie“ beschrieben. Für strategisch wichtige Rohstoffe soll neben China mindestens eine weitere belastbare Lieferkette entstehen. Solche Strukturen umfassen nicht nur Bergbau, sondern auch Raffination, Verarbeitung und verbindliche Abnahmeverträge.

Deutschland braucht mehr als neue Minen

Für Deutschland liegt die Schwierigkeit deshalb nicht allein im Zugang zu afrikanischen Lagerstätten. Industrieunternehmen benötigen Rohstoffe in bestimmten Reinheitsgraden, chemischen Verbindungen und exakt definierten Vorprodukten.

Bei Rohstoffen für KI und digitale Technologien sieht KfW Research den Engpass vielfach nicht in der verfügbaren Menge, sondern in Verarbeitung und Qualität. Gallium, Germanium, Grafit, die Trennung Seltener Erden sowie die Veredelung von Lithium, Kobalt und Nickel hängen in unterschiedlichem Umfang von chinesischen Kapazitäten ab. 

Auch bei Batterien empfiehlt die Untersuchung deshalb einen Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette. Neben Recycling, eigener europäischer Produktion und technologischer Substitution nennt KfW Research ausdrücklich Kooperationen und Allianzen mit Partnerländern, die mit konkreten Abnahmeverträgen verbunden werden sollen. 

Ein solches Modell würde auch die wirtschaftliche Rolle afrikanischer Rohstoffländer verändern. Statt Erze zu fördern und anschließend zur Raffination nach China zu exportieren, könnten zusätzliche Verarbeitungsschritte näher an den Lagerstätten entstehen. Genau auf diesen Teil der Wertschöpfung zielen chinesische Investitionen bereits verstärkt.

KI, Energiewende und Verteidigung erhöhen gleichzeitig den Bedarf

Der Zeitdruck wächst zudem von mehreren Seiten. Rechenzentren für Künstliche Intelligenz treiben den Bedarf an Kupfer, Gallium, Seltenen Erden und weiteren Spezialmetallen. Die Internationale Energieagentur erwartet nach den von KfW verwendeten Daten allein durch den Ausbau von Rechenzentren bis 2030 eine zusätzliche globale Kupfernachfrage von 512.000 Tonnen. Beim Gallium könnte der zusätzliche Bedarf elf Prozent der heutigen Gesamtnachfrage erreichen. 

Parallel benötigt die Energiewende große Mengen Lithium, Nickel, Grafit, Kupfer und Seltene Erden. Bei Lithium soll der Anteil der Energietechnologien an der weltweiten Nachfrage von 74 Prozent im Jahr 2025 auf 87 Prozent im Jahr 2040 steigen. Deutschland importierte 2025 zudem rund 17.000 Tonnen Permanentmagnete, davon 90 Prozent direkt aus China. 

Hinzu kommt der europäische Ausbau der Verteidigungsindustrie. Materialien wie Gallium, Germanium, Wolfram, Beryllium und Seltene Erden werden für Radar, Elektronik, Präzisionssysteme, Flugzeuge und andere militärische Anwendungen benötigt. Bei fast allen von der NATO als kritisch eingestuften Mineralien erreicht China nach der KfW-Auswertung einen Anteil von mehr als 50 Prozent an Förderung oder Weiterverarbeitung. 

Bei Gallium, Grafit, Mangan und Seltenen Erden sieht KfW Research auch bis 2035 nur geringe Entspannung. Recycling und Substitution könnten die Risiken verringern, reichten allein aber nicht aus. Beschaffung, Lagerhaltung und neue Lieferbeziehungen müssten parallel aufgebaut werden. 

Afrika wird damit auch zum Standortwettbewerb

Die globalen Rohstoffketten zeigen bereits, dass Afrika nicht nur als Lieferant unverarbeiteter Rohstoffe umworben wird. Chinesische Investitionen zielen zunehmend auf die Weiterverarbeitung. Andere Industriestaaten kombinieren Rohstoffzugang ebenfalls mit Kapitalbeteiligungen, langfristigen Lieferverträgen und strategischer Finanzierung.

KfW Research beschreibt diese Entwicklung als Wettbewerb um komplette Lieferketten. Während Europa eigene Förderung, Recycling und Substitution ausbauen will, bleibt der Aufbau zusätzlicher Partnerschaften notwendig. Zugleich zeigt der Fall der tansanischen Ngualla-Mine, dass attraktive afrikanische Rohstoffprojekte längst Teil eines internationalen Investitionswettlaufs sind.

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