Ein Tourismusvertrag zwischen Uganda und einem Berliner Amateurfußballverein sorgt in sozialen Netzwerken für Spott und Kritik. Die ugandische Botschaft unterzeichnete am 1. November 2026 eine dreijährige Partnerschaft mit dem VfB Einheit zu Pankow, der in der achten deutschen Spielklasse antritt. Während Uganda die Partnerschaft als neue Möglichkeit zur Tourismuswerbung in Deutschland präsentiert, machen sich zahlreiche Nutzer über die geringe Bekanntheit des Vereins lustig. Besonders der Vergleich mit Ruandas millionenschweren Werbepartnerschaften mit europäischen Spitzenvereinen befeuert die Diskussion.
Die ugandische Botschaft hatte die Vereinbarung auf der Plattform X mit der Ankündigung vorgestellt, Uganda wolle den Tourismus durch Fußball in Deutschland fördern. Der Werbeslogan „Explore Uganda – The Pearl of Africa“ soll künftig auf den Trikots der ersten Männermannschaft und einer Jugendmannschaft des Vereins erscheinen.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Ugandische Medien wie Matooke Republic und Kampala Post griffen die Kommentare auf, in denen Nutzer vor allem die begrenzte Reichweite der Partnerschaft kritisieren.
Nutzer fragen: Warum ausgerechnet ein Berliner Amateurverein?
Ein zentraler Kritikpunkt ist die sportliche Bedeutung des neuen Partners. Der VfB Einheit zu Pankow spielt in der Berliner Bezirksliga, der achthöchsten Spielklasse des deutschen Fußballs. Seine Heimspiele finden vorwiegend vor einem lokalen Publikum statt.
Uganda promotes tourism through football in Germany! The Embassy of Uganda in Berlin has signed a three-year MoU with VfB Einheit zu Pankow to promote the “Explore Uganda – The Pearl of Africa” brand. Uganda’s tourism brand will feature on the kits of the club’s first men’s team and G2 youth team, leveraging football to boost destination visibility, engage communities and strengthen Uganda–Germany people-to-people ties.
— Uganda Embassy, Berlin (@UgBerlinEmbassy) November 2, 2026
Ein Nutzer auf X kommentierte die Entscheidung mit der Frage: „Von allen Mannschaften in Deutschland habt ihr ausgerechnet einen lokalen Dorfverein ausgewählt, um für Uganda zu werben? Wirklich?“
Ein anderer Nutzer verwies darauf, dass Spiele der Berliner Bezirksliga weder über eine nennenswerte Fernsehpräsenz noch über eine internationale Medienreichweite verfügen. Die Partnerschaft könne deshalb nur dann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn die Kosten entsprechend gering ausfielen.
Weitere Kommentare stellten die Entscheidung der Botschaft grundsätzlich infrage. „Das ist kein großer Meilenstein. Wir können es besser“, schrieb ein Nutzer und schlug stattdessen bekanntere englische Vereine wie Swansea City oder Blackburn Rovers als mögliche Partner vor.
Besonders deutlich wurde die Kritik im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern. Ein Kommentator bemerkte spöttisch, Uganda schließe einen Vertrag mit einem Verein aus dem Amateurfußball ab, während Ruanda mit europäischen Champions-League-Klubs zusammenarbeite.
Allerdings gab es auch positive Reaktionen. Einige Nutzer begrüßten die Partnerschaft als ersten Schritt, um in Deutschland Kontakte aufzubauen und Uganda bei neuen Zielgruppen bekannter zu machen.
Uganda will mit Fußball deutsche Touristen erreichen
Die ugandische Botschaft verfolgt mit dem Vertrag ein längerfristiges Ziel. Der Fußball soll genutzt werden, um das ostafrikanische Land als Reiseziel bekannter zu machen und die Beziehungen zwischen Uganda und Deutschland auch außerhalb der offiziellen Diplomatie zu stärken.
Unterzeichnet wurde die dreijährige Absichtserklärung von Danny Ssozi, dem amtierenden Leiter der ugandischen Botschaft in Berlin. Begleitet wurde er von der Zweiten Sekretärin Jessica Namuddu.

Nach Darstellung der Botschaft soll die Kooperation insbesondere Fußballfans, Familien und junge Menschen ansprechen. Neben der Werbung auf den Trikots steht der Austausch zwischen lokalen Gemeinschaften im Mittelpunkt.
Die ugandische Tourismusbehörde Uganda Tourism Board unterstützt die Initiative und bezeichnet den deutschen Markt als wichtiges Ziel für die internationale Tourismuswerbung.
Konkrete Angaben zu möglichen Zahlungen an den Berliner Verein, zum finanziellen Umfang der Vereinbarung oder zu vereinbarten Reichweitenzielen machten die Beteiligten zunächst nicht. Ob und in welchem Umfang Uganda für die Trikotwerbung bezahlt, ist daher öffentlich nicht geklärt.
Ruandas Fußballpartnerschaften dienen als Vergleich
Die Kritik in Uganda hängt auch mit der unterschiedlichen internationalen Vermarktung afrikanischer Reiseziele zusammen.
Ruanda nutzt seit Jahren Partnerschaften mit großen europäischen Fußballvereinen zur Tourismuswerbung. Unter der Marke „Visit Rwanda“ schloss das Land unter anderem Verträge mit dem FC Arsenal und Paris Saint-Germain. Die Werbeaktivitäten umfassen Trikotpräsenz und weitere internationale Marketingmaßnahmen.
Durch diese Partnerschaften erreicht Ruanda ein Publikum weit über die jeweiligen Heimatmärkte der Vereine hinaus. Gleichzeitig stehen solche Verträge wegen ihrer Kosten und der Verwendung öffentlicher Mittel regelmäßig in der Diskussion.
Ugandas Vereinbarung mit Einheit Pankow verfolgt dagegen einen lokalen Ansatz. Die Botschaft setzt auf die unmittelbare Präsenz im Berliner Vereinsleben und auf Kontakte zu Menschen vor Ort.
Wie sich die Kosten und die tatsächliche Werbewirkung beider Strategien unterscheiden, lässt sich ohne Angaben zum finanziellen Umfang der ugandischen Partnerschaft nicht beurteilen.
Vertragsunterzeichnung fällt mit Derby-Niederlage zusammen
Für den VfB Einheit zu Pankow war die Unterzeichnung Teil eines besonderen Spieltags. Am 1. November traf der Verein im traditionsreichen Pankower Derby auf den FC Concordia Wilhelmsruh.
Die Gastgeber gingen bereits in der ersten Minute durch Fabian Fechtner in Führung. Concordia drehte die Begegnung jedoch mit zwei Toren in der 51. und 78. Minute und gewann mit 2:1.
Der Verein berichtete anschließend auf Facebook über die Vertragsunterzeichnung mit der ugandischen Botschaft und bedankte sich bei den Unterstützern des Spieltags.
Der 1893 gegründete Klub spielt in der Saison 2026/27 in der zweiten Staffel der Berliner Bezirksliga. Damit tritt seine erste Männermannschaft im regionalen Amateurfußball an.
Ugandas neue Tourismuswerbung wird künftig auf den Trikots dieser Mannschaft sowie einer Jugendmannschaft zu sehen sein. Die Vereinbarung ist zunächst auf drei Jahre angelegt.

