Deutschland hat seit Beginn der neuen Ebola-Welle in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 25 Millionen Euro für direkte und regionale Gegenmaßnahmen mobilisiert, während bewaffnete Kämpfe die Eindämmung der Epidemie massiv behindern. Die Angaben wurden am 8. September 2026 im Bundestag veröffentlicht. Allein das Auswärtige Amt stellte der Weltgesundheitsorganisation vier Millionen Euro bereit, das Entwicklungsministerium bündelte weitere rund 21 Millionen Euro für Maßnahmen im Kongo und den Nachbarstaaten. Mitte August waren nach WHO-Angaben bereits rund 5.000 bestätigte Erkrankungen und 2.325 Todesfälle registriert.
Die Bundesregierung beschreibt eine Lage, in der sich Epidemie, Krieg und eine bereits bestehende humanitäre Krise gegenseitig verschärfen. 5,9 Millionen Menschen leben innerhalb des Landes auf der Flucht. Rund 27,7 Millionen Kongolesen gelten als von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Vier Millionen Euro gehen direkt an die WHO
Das Auswärtige Amt hat seit Bekanntwerden des Ausbruchs vier Millionen Euro unmittelbar für Eindämmung und Behandlung bereitgestellt. Zwei Millionen Euro fließen in den Nothilfefonds der WHO, weitere zwei Millionen in die laufende Afrika-Förderung der Organisation.
Hinzu kommen 240.000 Euro des Bundesgesundheitsministeriums für das Robert Koch-Institut. Das Entwicklungsministerium hat seit Juni rund 21 Millionen Euro für bilaterale und regionale Maßnahmen zusammengestellt. Das Geld geht unter anderem an Projekte in der DR Kongo sowie an Programme der Afrikanischen Union und der Ostafrikanischen Gemeinschaft.
Deutschland beteiligt sich außerdem über internationale Fonds an der Finanzierung der Krisenreaktion. Der Zentrale Nothilfefonds der Vereinten Nationen hat bislang 60 Millionen US-Dollar für die Ebola-Bekämpfung vorgesehen. Zehn Millionen davon wurden für die DR Kongo freigegeben, sechs Millionen für Südsudan und vier Millionen für Uganda. Deutschland gehört zu den größten Geldgebern des Fonds.
Der internationale Pandemiefonds hat weitere 220,6 Millionen US-Dollar für die Reaktion auf den Ausbruch und die Vorsorge in gefährdeten Nachbarstaaten mobilisiert. Deutschland ist dort nach den USA und der Europäischen Union drittgrößter Geber.
Krieg macht Kontaktnachverfolgung zum Problem
Hilfsorganisationen können sich im Osten des Landes teilweise nur unter hohen Sicherheitsvorkehrungen bewegen. Kämpfe verursachen zusätzliche Verletzte und Kranke und beanspruchen medizinisches Personal, das ansonsten für Ebola-Diagnostik und Behandlung benötigt würde.
Angriffe bewaffneter Gruppen treiben zugleich immer wieder Tausende Menschen in die Flucht. Damit wird eine der wichtigsten Maßnahmen gegen Ebola schwieriger: herauszufinden, mit wem Infizierte Kontakt hatten, diese Personen zu beobachten und neue Infektionsketten möglichst früh zu unterbrechen.
Die Lebensbedingungen vieler Binnenvertriebener erhöhen zusätzlich das Risiko einer schnellen Ausbreitung, warnt die Bundesregierung.
Besonders stark hat sich die humanitäre Lage in Nord- und Süd-Kivu seit Anfang 2025 durch die Kämpfe zwischen der M23, den kongolesischen Streitkräften und deren Verbündeten verschärft. Staatliche Gesundheitsstrukturen sind vielerorts schwach oder kaum erreichbar.
Noch kein zugelassener Impfstoff gegen diese Ebola-Variante
Der aktuelle Ausbruch wird durch das Bundibugyo-Ebolavirus verursacht. Anders als gegen andere Ebola-Varianten gibt es gegen diesen Erreger bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene spezifische Therapie.
Damit bleiben Isolation, schnelle Diagnose, Kontaktnachverfolgung und Infektionsschutz zentrale Instrumente.

Mehrere Impfstoffe befinden sich inzwischen in der Entwicklung. Als besonders aussichtsreich bezeichnet die Bundesregierung Kandidaten auf Basis eines rekombinanten Vesikulären-Stomatitis-Virus, eines ChAdOx1-Adenovirus sowie einer mRNA-Technologie. Impfstoffkandidaten von Moderna und der Universität Oxford befinden sich bereits in klinischen Phase-1-Studien.
Auch bei Medikamenten laufen Untersuchungen. Getestet werden unter anderem der Antikörpercocktail MBP134 sowie Remdesivir und Obeldesivir. Belastbare Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit stehen noch aus.
Deutsche Labore und Forscher arbeiten an Impfstoffen und Diagnostik
Deutschland beteiligt sich nicht nur finanziell an der Krisenreaktion. Das Robert Koch-Institut hat PCR-Testkits für 1.000 Proben an das nationale Referenzlabor in Kinshasa geliefert. Material für weitere 2.000 Proben befindet sich in Beschaffung.
Zudem soll ein mobiler Autoklav geliefert werden, mit dem infektiöse Proben und medizinisches Material sicher sterilisiert werden können. Deutsche Fachleute wurden über das internationale Netzwerk zur Reaktion auf Krankheitsausbrüche entsandt.
Seit Beginn der Epidemie wurden außerdem sechs Labore im Ostkongo mit zusätzlicher Ausrüstung für die Ebola-Diagnostik ausgestattet. Weitere Programme stärken dezentrale Labore in der Region und bilden Fachpersonal aus.
An der Erforschung von Impfstoffen, Diagnostik und Therapien arbeiten unter anderem die Charité in Berlin, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, die Philipps-Universität Marburg, das Paul-Ehrlich-Institut und das Deutsche Primatenzentrum. Die im Bundestagsdokument aufgeführten laufenden Forschungsprojekte umfassen Förderungen in Millionenhöhe.
Zwei Ebola-Patienten 2026 in Deutschland behandelt
Auch deutsche Kliniken waren bereits unmittelbar mit dem Ausbruch befasst. Zwei Ebola-Patienten wurden 2026 nach Angaben der Bundesregierung erfolgreich in Deutschland behandelt, einer an der Charité in Berlin und einer am Universitätsklinikum Frankfurt.
Deutschland hält dafür spezielle Isolierstationen vor, die für Erkrankungen durch hochgefährliche Erreger ausgelegt sind. Solche Kapazitäten wurden bereits während der großen Ebola-Epidemie in Westafrika zwischen 2014 und 2016 genutzt. Auch medizinische Evakuierungsflüge stehen über den EU-Katastrophenschutzmechanismus weiterhin zur Verfügung.
Eine größere internationale Ausbreitung stuft die WHO derzeit dennoch nicht als wahrscheinlich ein. Das globale Risiko gilt als gering. Für Länder mit direkter Grenze zur DR Kongo und Uganda bewertet die WHO das Risiko dagegen als hoch.
Hilfskürzungen treffen auf eine bestehende Großkrise
Die Ebola-Epidemie trifft ein Land, dessen humanitäre Versorgung bereits vor dem Ausbruch unter erheblichem Druck stand. Rund 15 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe, mehr als die Hälfte von ihnen wird nach den in der Bundestagsanfrage angeführten UN-Daten derzeit nicht erreicht.
Die Bundesregierung räumt ein, dass internationale Kürzungen bei humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit die Bekämpfung des Ausbruchs zusätzlich erschweren. Sie versucht, bestehende deutsche Beiträge flexibler einzusetzen und internationale Geber enger zu koordinieren.
Auch die deutsche Finanzierung der Basisgesundheitsversorgung im Ostkongo ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Für entsprechende humanitäre Projekte wurden 2020 rund 24 Millionen Euro bereitgestellt, 2025 waren es 6,45 Millionen und 2026 bislang rund 4,24 Millionen Euro. Insgesamt flossen seit 2020 knapp 72,9 Millionen Euro in Projekte mit Schwerpunkt Basisgesundheitsversorgung im Osten der DR Kongo.

