Fouzi Lekjaa rückt wenige Wochen vor der Parlamentswahl als möglicher nächster Regierungschef Marokkos in den Fokus. Die Abstimmung ist für den 23. September 2026 angesetzt. Der amtierende Regierungschef Aziz Akhannouch tritt nicht erneut an, während sein seit Februar amtierender Nachfolger an der RNI-Spitze, Mohamed Chaouki, außerhalb politischer Kreise bislang wenig bekannt ist. Der erwartete Eintritt des Budgetministers und Fußballverbandschefs in die PAM würde Lekjaa erstmals einen verfassungsrechtlich möglichen Weg an die Regierungsspitze eröffnen.
Mehrere marokkanische Medien berichten, Lekjaa habe sich mit der Führung der Partei für Authentizität und Modernität über seinen Beitritt und eine Kandidatur im Wahlkreis Berkane verständigt. Die offizielle Bekanntgabe wird bei der Sitzung des PAM-Nationalrats am 25. Juli erwartet.
Akhannouch tritt bei der Wahl nicht mehr an
Aziz Akhannouch führt die marokkanische Regierung seit dem Wahlsieg der Nationalen Sammlung der Unabhängigen im Jahr 2021. Im Januar kündigte er an, weder ein drittes Mandat an der Spitze des RNI anzustreben noch bei der Parlamentswahl im September zu kandidieren.
Damit steht bereits fest, dass Akhannouch nach der Wahl nicht erneut als Kandidat seiner Partei für die Regierungsspitze zur Verfügung steht. Die Frage seiner Nachfolge beschäftigt die politische Debatte in Marokko seit Monaten.
An der Spitze des RNI ist die Nachfolge allerdings längst geregelt. Mohamed Chaouki wurde am 7. Februar bei einem außerordentlichen Parteitag in El Jadida zum neuen Parteivorsitzenden gewählt.
Chaouki war der einzige zur Abstimmung gestellte Kandidat. Zuvor hatte er die RNI-Fraktion im Repräsentantenhaus geführt und als Abgeordneter den Wahlkreis Boulemane vertreten.
RNI-Chef Chaouki bleibt vielen Marokkanern unbekannt
Chaouki führt damit zwar die bislang stärkste Parlamentspartei, verfügt jedoch nicht über die landesweite Bekanntheit seines Vorgängers.
Chaouki will den RNI dennoch erneut auf den ersten Platz führen. Beim Parteitag erklärte er, seine Partei werde bei den kommenden Wahlen stärkste Kraft bleiben und damit erneut Anspruch auf die Regierungsspitze erheben.
Seine geringe öffentliche Bekanntheit unterscheidet ihn jedoch von Akhannouch, der den RNI über zehn Jahre geprägt hatte und 2021 als weithin sichtbarer Spitzenkandidat in die Wahl gegangen war und diese deutlich gewonnen hatte.
Lekjaa wird als mögliche Alternative gehandelt
Vor diesem Hintergrund hat die Debatte über Fouzi Lekjaa an Bedeutung gewonnen. Der beigeordnete Minister für den Haushalt gehört zu den einflussreichsten Mitgliedern der Regierung und verfügt zugleich über eine hohe Bekanntheit durch seine führende Rolle im marokkanischen Fußball.
Lekjaa leitet den Königlichen Marokkanischen Fußballverband seit 2014. Er gehört dem Rat des Weltfußballverbandes FIFA an und ist erster Vizepräsident der Afrikanischen Fußballkonföderation.

Während seiner Amtszeit erreichte die marokkanische Männernationalmannschaft 2022 als erste afrikanische Auswahl das Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Marokko erhielt zudem gemeinsam mit Spanien und Portugal den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2030.
Parallel dazu verantwortet Lekjaa seit 2021 als beigeordneter Minister zentrale Bereiche der marokkanischen Haushalts- und Finanzpolitik. Damit verbindet er ein technokratisches Profil mit einer öffentlichen Bekanntheit, die weit über die Regierung und das Parlament hinausreicht.
Mehrere marokkanische Medien bringen ihn deshalb seit Monaten mit einer möglichen Kandidatur für die Regierungsspitze in Verbindung. Eine entsprechende Absicht hat Lekjaa bislang nicht bestätigt.
Eintritt in den PAM soll am 25. Juli folgen
Lekjaa soll Anfang Juli mit Fatima-Zahra El Mansouri zusammengekommen sein. Die Bürgermeisterin von Marrakesch koordiniert die kollektive Führung des PAM und gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der Partei.
Nach übereinstimmenden Medienberichten verständigten sich beide Seiten über Lekjaas Parteieintritt, seine Kandidatur in Berkane und eine mögliche Aufnahme in den Parteivorstand.
Die Partei will ihre Kandidaten und die personelle Aufstellung für die Wahl bei der Sitzung ihres Nationalrats am 25. Juli weiter festlegen. Dort könnte Lekjaa offiziell als neues Parteimitglied und Kandidat vorgestellt werden.
Berkane liegt in der östlichen Region Marokkos, aus der Lekjaa stammt. Eine Kandidatur würde ihm erstmals eine eigene parteipolitische und regionale Basis verschaffen.
Artikel 47 öffnet Lekjaa den Weg
Der erwartete Parteieintritt besitzt eine besondere verfassungsrechtliche Bedeutung.
Artikel 47 der marokkanischen Verfassung verpflichtet den König, den Regierungschef aus den Reihen jener Partei zu ernennen, die bei der Wahl zum Repräsentantenhaus die meisten Sitze gewinnt. Der PAM müsste somit am 23. September stärkste Kraft werden, damit Lekjaa aus seinen Reihen zum Regierungschef ernannt werden könnte.
Die Verfassung verlangt nicht, dass der Regierungschef zugleich Parteivorsitzender ist. Sie schreibt auch kein eigenes Parlamentsmandat vor. Ausschlaggebend ist die Zugehörigkeit zur stärksten Partei.
Damit könnte Lekjaa grundsätzlich auch ohne Übernahme des PAM-Vorsitzes an die Regierungsspitze gelangen. Die formelle Entscheidung läge bei König Mohammed VI.
Der Monarch könnte nach einem Wahlsieg des PAM eine geeignete Persönlichkeit aus den Reihen der Partei auswählen. Eine automatische Ernennung Lekjaas ergäbe sich daraus nicht.
PAM könnte den RNI an der Spitze ablösen
Die PAM regiert derzeit gemeinsam mit dem RNI und der Istiqlal-Partei. Bei der Wahl 2021 belegte er hinter Akhannouchs Partei den zweiten Platz.
Die bevorstehende Wahl verändert die Ausgangslage. Die RNI tritt ohne Akhannouch als Kandidaten und mit einem neuen, bislang weniger bekannten Parteivorsitzenden an. Die PAM versucht gleichzeitig, seine Reihen mit landesweit bekannten Persönlichkeiten zu verstärken.
Lekjaas Eintritt wäre die sichtbarste Personalentscheidung dieser Strategie. Er könnte finanzpolitische Erfahrung, regionale Verankerung und seine Bekanntheit aus dem Fußball in den Wahlkampf einbringen.
Lekjaa besitzt bislang kein direkt gewähltes Parlamentsmandat. Eine Kandidatur in Berkane wäre sein erster eigener Wahlkampf und ein Test seiner politischen Unterstützung.
Ob die PAM ihn bereits als möglichen Regierungschef betrachtet, ist nicht offiziell bekannt. Ebenso offen bleibt, welche Rolle Fatima-Zahra El Mansouri nach der Wahl anstrebt.

