Senegal unterstützt offiziell die Kandidatur des früheren Präsidenten Macky Sall für das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen und mobilisiert dafür sein weltweites diplomatisches Netz. Die Entscheidung gab das Außenministerium am 20. Juli 2026 bekannt. Präsident Bassirou Diomaye Faye hatte seinen Amtsvorgänger drei Tage zuvor im Präsidentenpalast in Dakar empfangen. Damit wird aus der bislang vor allem vom Ausland getragenen Bewerbung eine offizielle Kandidatur Senegals.
Faye wies die Regierung und sämtliche senegalesischen Auslandsvertretungen an, für Sall bei den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zu werben. Zugleich rief er die politischen und gesellschaftlichen Kräfte des Landes auf, die Bewerbung zu unterstützen.
Die Kandidatur sei nun „diejenige Senegals im Dienste Afrikas und eines leistungsfähigeren Multilateralismus“, erklärte das Ministerium für afrikanische Integration, auswärtige Angelegenheiten und Auslandssenegalesen.
Faye beendet monatelange Ungewissheit
Macky Sall hatte seinen Nachfolger bereits im Februar um die offizielle Unterstützung Senegals gebeten. Eine Entscheidung blieb zunächst aus.
Außenminister Cheikh Niang erklärte im Juni lediglich, die Tür für eine Unterstützung sei nicht geschlossen. Bislang wurde Salls Bewerbung formal von Burundi getragen und nicht von seinem Heimatland Senegal.
Bei dem Treffen am 17. Juli informierte Sall den Präsidenten über den Stand seiner internationalen Kampagne und erneuerte seine Bitte um die Unterstützung Dakars. Die Präsidentschaft beschrieb das Gespräch als Austausch in einem „Klima der Herzlichkeit und republikanischen Höflichkeit“.
Das Treffen zeige Fayes Festhalten am Dialog, an der Kontinuität des Staates und an der Bündelung nationaler Interessen, hieß es in der Erklärung.
Sall bedankte sich anschließend öffentlich bei seinem Nachfolger. Die Entscheidung ehre ihn, schrieb der frühere Staatschef in einer Stellungnahme.
Unterstützung trotz politischer Gegnerschaft
Die Unterstützung ist auch innenpolitisch bemerkenswert. Faye gewann die Präsidentschaftswahl 2024 als Kandidat eines politischen Lagers, das unter Sall jahrelang in scharfer Opposition zur Regierung gestanden hatte.
Ousmane Sonko und weitere führende Vertreter der damaligen Oppositionspartei PASTEF waren während Salls Amtszeit strafrechtlich verfolgt oder inhaftiert worden. Die Behörden lösten die Partei 2023 auf. Faye selbst saß vor der Wahl ebenfalls im Gefängnis.
Nach dem Machtwechsel blieb das Verhältnis zwischen der neuen Führung und Sall belastet. Der frühere Präsident verließ Senegal und übernahm internationale Aufgaben. Politische Auseinandersetzungen über seine Regierungszeit, die staatlichen Finanzen und den Umgang mit der früheren Opposition hielten an.
Mit der Unterstützung für die UN-Kandidatur trennt Faye nun die außenpolitische Bewerbung seines Vorgängers von diesen innenpolitischen Konflikten.
Das Außenministerium stellt die Entscheidung als Ausdruck staatlicher Kontinuität dar. Sall soll nicht mehr nur als ehemaliger Präsident oder Kandidat einzelner Partnerstaaten auftreten, sondern als Bewerber Senegals und Afrikas.
Bruch zwischen Faye und Sonko verändert politische Lage
Faye entließ Sonko am 22. Mai als Premierminister. Ahmadou Al Aminou Lo übernahm anschließend die Regierungsführung, während Sonko an die Spitze der Nationalversammlung wechselte.
Im Juli kündigte Faye zudem den Aufbau einer eigenen politischen Partei an. Damit löste er sich weiter von PASTEF, dessen Führung und Anhängerschaft Macky Sall überwiegend ablehnend gegenüberstehen.
Mehrere senegalesische Beobachter verbinden die veränderte Haltung zur UN-Kandidatur mit dieser neuen politischen Konstellation. Der Politikwissenschaftler Maurice Soudieck Dione erklärte gegenüber dem französischen Auslandssender RFI, Faye suche angesichts seiner zunehmenden Distanz zu PASTEF neue Verbündete.
Die Regierung selbst stellte keinen Zusammenhang zwischen dem innenpolitischen Bruch und der Unterstützung für Sall her.
Bewerbung erlitt Rückschlag in der Afrikanischen Union
Macky Sall bemüht sich seit mehreren Monaten um internationale Unterstützung. Er führte Gespräche in New York, Peking, Athen und mehreren afrikanischen Hauptstädten.

Am 20. Juli traf Sall zudem in Moskau mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zusammen. Laut einer offiziellen Mitteilung stellte Sall dabei sein Wahlprogramm vor. Lawrow erläuterte die Erwartungen Russlands an Kandidaten für das höchste Amt der Vereinten Nationen. Beide Seiten bekräftigten ihre Unterstützung für die zentrale koordinierende Rolle der Vereinten Nationen in internationalen Angelegenheiten.
Im März gelang es Sall jedoch nicht, eine offizielle Unterstützung der Afrikanischen Union zu erhalten. Rund 20 Mitgliedstaaten lehnten nach den vorliegenden Angaben eine gemeinsame Nominierung Salls ab.
Das fehlende Mandat der Afrikanischen Union schwächte die Bewerbung. Hinzu kam, dass Senegal selbst seinen früheren Präsidenten zunächst nicht offiziell unterstützte.
Die neue Position Dakars verschafft Sall nun eine staatliche und diplomatische Grundlage für seine Kampagne. Der senegalesische Außenapparat soll gezielt bei Regierungen und UN-Vertretungen um Stimmen werben.
Vor seinem Treffen mit Faye hatte Sall auch Kontakte zu mehreren westafrikanischen Staatschefs intensiviert. Der frühere Präsident von Guinea-Bissau, Umaro Sissoco Embaló, und Gambias Präsident Adama Barrow gehörten zu den Gesprächspartnern, die sich mit der Kandidatur befassten.
Sicherheitsrat trifft zentrale Vorauswahl
Das Auswahlverfahren für die Nachfolge von António Guterres begann am 25. November 2025. Dessen zweite Amtszeit endet am 31. Dezember 2026.
Der Generalsekretär wird formal von der UN-Generalversammlung ernannt. Zuvor muss der Sicherheitsrat einen Kandidaten empfehlen.
Damit besitzen die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates faktisch ein Vetorecht. Dazu gehören China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die Vereinigten Staaten.
Für eine erfolgreiche Bewerbung benötigt Sall deshalb nicht nur Unterstützung aus Afrika, sondern auch die Zustimmung der großen internationalen Mächte. Seine diplomatischen Reisen nach China, Europa und in die Vereinigten Staaten dienen dem Aufbau dieser Unterstützung.
Afrika stellte zuletzt mit dem Ghanaer Kofi Annan von 1997 bis 2006 den UN-Generalsekretär. Die nun offiziell von Senegal unterstützte Bewerbung Salls wird mit dem Anspruch verbunden, den Kontinent erneut an die Spitze der Weltorganisation zu führen.

