Die Bundesregierung will vorerst keine weiteren Rohstoffkompetenzzentren im Ausland fördern, obwohl Deutschland im Rennen um Batteriemetalle, Industrieminerale und andere kritische Rohstoffe unter Druck steht. Dies geht aus einer Antwort auf eine Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion hervor. Zugleich bleibt offen, wie stark die bestehenden Zentren deutschen Unternehmen tatsächlich helfen, neue Lieferquellen und Rohstoffverträge zu sichern.
Für die deutsche Wirtschaft ist das mehr als eine Verwaltungsfrage. Ohne verlässlichen Zugang zu Rohstoffen geraten zentrale Zukunftsbranchen unter Druck: Elektromobilität, Batterien, Halbleiter, digitale Infrastruktur und Teile der Automobilindustrie hängen von Lieferketten ab, die weltweit umkämpft sind. Die Bundesregierung beschreibt ihre bestehenden Zentren als wichtigen Baustein, nennt aber keine konkreten Umsätze, keine gesicherten Verträge und keine neuen Alternativen zu diesem Instrument.
Zentren in neun Märkten
Deutschland fördert derzeit Rohstoffkompetenzzentren oder ähnliche Einrichtungen in Chile, Kanada, dem südlichen Afrika, Peru, Brasilien, Australien, Ghana, China und der Mongolei. Sie sind überwiegend an Außenhandelskammern angebunden. In Ghana arbeitet die Delegation der deutschen Wirtschaft als Anlaufstelle für Westafrika.
Die Zentren sollen deutsche Unternehmen mit Partnern vor Ort vernetzen, Marktinformationen liefern, Delegationsreisen organisieren und Kontakte in Bergbau, Politik und Wirtschaft aufbauen. Dahinter steht ein einfaches Ziel: Deutschland will nicht von wenigen Lieferländern abhängig bleiben, sondern die Zugänge zu Rohstoffen diversifizieren.
An dieser Stelle zeigt sich aber die Schwäche der Antwort der Bundesregierung. Sie beschreibt die Aufgaben der Zentren ausführlich, bleibt bei ihrer Wirkung aber allgemein. Ob aus Gesprächen konkrete Lieferverträge wurden, ob Unternehmen dadurch messbar mehr Geschäft gemacht haben oder ob sich Deutschlands Versorgungslage spürbar verbessert hat, kann nicht beziffert werden.
Wirkung bleibt schwer greifbar

Die Bundesregierung spricht von einem „erheblichen Mehrwert“ der Rohstoffkompetenzzentren. Sie verweist auf Netzwerke, frühe Einbindung deutscher Unternehmen in Projekte und stabilere Lieferketten. Bei der Frage nach Umsätzen deutscher Unternehmen räumt sie jedoch ein, dass sich der Netzwerkeffekt keinen konkreten Umsätzen zuordnen lasse.
Damit bleibt ein zentraler Punkt offen: Die Zentren werden als Teil der Rohstoffsicherung dargestellt, ihre tatsächliche Wirkung lässt sich aus der Antwort aber nicht klar ablesen. Für Unternehmen zählt am Ende nicht nur ein Ansprechpartner vor Ort, sondern der Zugang zu verlässlichen Lieferanten, Projekten, Finanzierung und langfristigen Abnahmeverträgen.
Gerade die Autoindustrie und die Digitalbranche stehen unter Druck, weil Rohstoffe für Batterien, Elektronik, Rechenzentren und moderne Produktionsketten geopolitisch sensibel geworden sind. China, die USA, die Europäische Union und rohstoffreiche Staaten ringen um Kontrolle, Verarbeitung und Wertschöpfung. In diesem Umfeld reicht reine Kontaktpflege nur dann aus, wenn daraus belastbare Lieferbeziehungen entstehen.
Keine neuen Standorte geplant
Trotz dieser Lage plant die Bundesregierung derzeit keine weiteren Rohstoffkompetenzzentren. Auch andere Einrichtungen mit ähnlichem Schwerpunkt sollen gegenwärtig nicht zusätzlich gefördert werden. Eine alternative Lösung beschreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort nicht.
Offen bleibt damit, wie Deutschland seine Position in Ländern stärken will, in denen wichtige Rohstoffe gefördert oder verarbeitet werden, aber bisher keine vom Bund geförderten Zentren bestehen. Ebenso unklar bleibt, ob die bestehenden Standorte stärker auf konkrete Industriebedarfe ausgerichtet werden sollen.
Die Bundesregierung verweist auf laufende Projekte mit Rohstoffbezug. Dazu gehören unter anderem ein Batterierohstoffscreening in Australien, Projekte zu nachhaltigem Bergbau in Peru, verantwortungsvollem Bergbau in Chile und Rohstoffnetzwerken entlang nachhaltiger Wertschöpfungsketten. Diese Programme zeigen, dass die Zentren eine entwicklungspolitische Komponente enthalten. Sie ersetzen aber keine klare Antwort darauf, wie Deutschland im internationalen Wettbewerb um Rohstoffe zusätzliche Lieferquellen sichern will.
Afrikas Rolle bleibt begrenzt sichtbar
Aus afrikanischer Perspektive fällt auf, dass nur zwei Strukturen mit direktem Afrika-Bezug genannt werden: das Kompetenzzentrum im südlichen Afrika und das Zentrum für Bergbau und mineralische Rohstoffe Westafrika in Ghana. Beide Regionen verfügen über bedeutende Vorkommen mineralischer Rohstoffe. Gleichzeitig wächst auf dem Kontinent der Anspruch, nicht nur Rohstoffe zu exportieren, sondern mehr Verarbeitung und Wertschöpfung vor Ort aufzubauen.
Für Deutschland entsteht daraus ein doppelter Anspruch. Unternehmen suchen Zugang zu Rohstoffen, afrikanische Staaten drängen auf Industrialisierung, lokale Jobs und bessere Konditionen. Rohstoffpartnerschaften werden deshalb nicht allein über Kontakte und Marktberatung entschieden, sondern auch über Investitionen, Ausbildung, Verarbeitungskapazitäten und politische Verlässlichkeit.
Die Bundesregierung hält ihre bestehenden Rohstoffkompetenzzentren für dauerhaft finanzierungswürdig. Ihre Antwort zeigt zugleich, dass der Nachweis ihrer Wirkung bisher unscharf bleibt. Im internationalen Rohstoffwettlauf setzt Berlin damit weiter auf ein Instrument, dessen Nutzen politisch betont, aber wirtschaftlich nicht konkret belegt wird.

