Deutschland hat die Rückkehr in den UN-Sicherheitsrat verpasst und ist bei der Wahl der nichtständigen Mitglieder hinter Portugal und Österreich zurückgeblieben. Die Abstimmung fand am Mittwoch, den 3. Juni 2026, in der UN-Generalversammlung in New York statt. Portugal und Österreich erhielten die beiden Sitze der westlichen Staatengruppe für die Periode 2027/2028. Bundeskanzler Friedrich Merz räumte die Niederlage ein, bekräftigte aber Deutschlands Rolle im multilateralen System.
Portugal und Österreich setzen sich gegen Deutschland durch
In der Gruppe der westeuropäischen und anderen Staaten konkurrierten drei Länder um zwei Sitze. Portugal erhielt 134 Stimmen, Österreich kam auf 131 Stimmen. Deutschland erreichte 104 Stimmen und verfehlte damit den Einzug in das wichtigste Gremium der Vereinten Nationen für Frieden und Sicherheit.
Neben Portugal und Österreich wurden Kirgisistan, Trinidad und Tobago sowie Simbabwe in den Sicherheitsrat gewählt. Die neuen Mitglieder treten ihr Mandat am 1. Januar 2027 an und gehören dem Rat bis Ende 2028 an.
Für Deutschland ist das Ergebnis eine diplomatische Niederlage. Die Bundesregierung hatte ihre Kandidatur unter das Motto „Respect – Justice – Peace“ gestellt und in den vergangenen Monaten für eine Rückkehr in den Sicherheitsrat geworben. Außenminister Johann Wadephul war zur Wahl nach New York gereist.
Merz gratuliert Portugal und Österreich
Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte mit einer kurzen Erklärung auf das Ergebnis. „Wir haben uns mit Überzeugung beworben. Wir haben das Ziel nicht erreicht“, erklärte der Kanzler nach Angaben des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung.
Merz gratulierte allen gewählten Staaten und hob Portugal und Österreich besonders hervor. Mit beiden Ländern verbinde Deutschland „eine enge europäische Partnerschaft und die gemeinsame Verantwortung in den Vereinten Nationen“.
Der Kanzler verband die Niederlage nicht mit einem Rückzug aus der UN-Politik. „Die Aufgaben, die uns in den Vereinten Nationen gestellt sind, ändern sich durch dieses Ergebnis nicht“, erklärte Merz. Deutschland bleibe „ein verlässlicher Stützpfeiler des multilateralen Systems“.
Deutschland wollte an frühere Ratsarbeit anknüpfen
Deutschland war bislang sechsmal nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrats, zuletzt in den Jahren 2019 und 2020. Damals setzte die Bundesregierung unter anderem auf den Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten, humanitäres Völkerrecht, die Rolle von Frauen in Friedensprozessen sowie den Zusammenhang von Klima und Sicherheit.

Mit der neuen Kandidatur wollte Berlin an dieses Profil anschließen. Die Bundesregierung hatte Konfliktprävention, Krisenlösung, Friedensmissionen und die Stärkung der UN-Charta als Schwerpunkte genannt. Wadephul hatte in New York betont, Deutschland wolle sein politisches Gewicht in globale Krisen einbringen.
Der Sicherheitsrat besteht aus fünf ständigen Mitgliedern mit Vetorecht und zehn nichtständigen Mitgliedern, die jeweils für zwei Jahre gewählt werden. Die ständigen Mitglieder sind die USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien. Der Rat kann Sanktionen beschließen, Friedensmissionen mandatieren und völkerrechtlich bindende Entscheidungen treffen.
Simbabwe zieht für Afrika in den Rat ein
Mit Simbabwe zieht ein afrikanischer Staat für die Periode 2027/2028 neu in den Sicherheitsrat ein. Das Land ersetzt Somalia auf dem für die afrikanische Gruppe vorgesehenen Sitz. Zusammen mit der Demokratischen Republik Kongo und Liberia wird Simbabwe 2027 zur afrikanischen Dreiergruppe im Sicherheitsrat gehören.
Afrikanische Themen bleiben damit auch in der kommenden Amtsperiode ein fester Bestandteil der Ratsagenda. Der Sicherheitsrat befasst sich regelmäßig mit Mandaten für UN-Missionen, Sanktionen, politischen Übergangsprozessen und dem Schutz der Zivilbevölkerung in Staaten wie Sudan, Südsudan, Libyen, der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo. Auch die Sicherheitslage im Sahel bleibt ein wiederkehrendes Thema.
Die Zusammensetzung des Rates verändert sich damit zum Jahreswechsel. Portugal und Österreich ersetzen Dänemark und Griechenland, Kirgisistan ersetzt Pakistan, Trinidad und Tobago übernimmt den Sitz von Panama, Simbabwe folgt auf Somalia. Bahrain, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo, Lettland und Liberia bleiben bis Ende 2027 nichtständige Mitglieder.
Berlin verweist auf langfristige Wirkung der Kampagne
Merz dankte den Beteiligten der deutschen Bewerbung, darunter dem Auswärtigen Amt, den Auslandsvertretungen und den Gesprächspartnern in vielen Hauptstädten. Die Arbeit sei richtig gewesen und werde Deutschland langfristig zugutekommen, erklärte der Kanzler.
Deutschland bleibt auch ohne Sitz im Sicherheitsrat einer der größten Beitragszahler der Vereinten Nationen und engagiert sich in zahlreichen UN-Organisationen. Die Bundesregierung hatte ihre Bewerbung auch mit diesem breiten Engagement begründet. Das Wahlergebnis zeigt zugleich, dass wirtschaftliches Gewicht, frühere Ratsmitgliedschaften und europäische Verankerung allein keine Mehrheit in der UN-Generalversammlung sichern.

