Außenminister Johann Wadephul bringt die Blockade der Straße von Hormus durch Iran vor den UN-Sicherheitsrat und wirbt in New York zugleich für Deutschlands Kandidatur als nichtständiges Mitglied. Der Besuch bei den Vereinten Nationen beginnt am Montag, 27. April 2026. Auf der Agenda stehen maritime Sicherheit, der Atomwaffensperrvertrag und Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres über Reformen der Vereinten Nationen. Deutschland bewirbt sich für die Jahre 2027 und 2028 um einen Sitz im Sicherheitsrat.
Berlin drängt auf Handeln bei der Straße von Hormus
Wadephul spricht im Sicherheitsrat über maritime Sicherheit. Dabei geht es vor allem um den Umgang der internationalen Gemeinschaft mit Iran und um die Lage in der Straße von Hormus. Die Meerenge gehört zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Jeder fünfte Liter Öl passiert diese Route.
Die Bundesregierung verweist nicht nur auf Folgen für Energiepreise. Eine Blockade kann auch Lieferketten für Dünger aus den Golfstaaten treffen. Fehlender Dünger kann Ernten gefährden, besonders in Staaten mit geringen finanziellen Reserven.
„Im Persischen Golf greift Iran die Weltwirtschaft an“, sagte Wadephul vor seiner Abreise. „Die Blockade der Straße von Hormus durch Iran führt uns vor Augen, wie verletzlich unser Wohlstand und die globale Versorgung sind.“ Besonders betroffen seien Staaten, die weder Mittel noch Ressourcen hätten, um vorzusorgen. Ohne Energie und Dünger gerate die Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln in große Gefahr.
Deutschland will erreichen, dass Handelsschiffe die Straße von Hormus wieder sicher passieren können. Ein Mandat des UN-Sicherheitsrats könnte dafür eine Grundlage schaffen. Das Gremium kann internationale Einsätze legitimieren, Friedensmissionen ermöglichen und Seewege absichern lassen.
Atomwaffensperrvertrag steht ebenfalls auf der Agenda
Neben der Lage im Persischen Golf befasst sich Wadephul in New York mit dem Atomwaffensperrvertrag. Die Überprüfungskonferenz beginnt am Montag. Sie soll aus deutscher Sicht neue Wege eröffnen, um den Vertrag abzusichern und nukleare Abrüstung stärker zu behandeln.

Der Atomwaffensperrvertrag soll verhindern, dass weitere Staaten Atomwaffen entwickeln oder erwerben. Zugleich verpflichtet er die Atomwaffenstaaten zu Abrüstung und sichert die zivile Nutzung der Kernenergie unter internationalen Kontrollen ab.
Wadephul sprach vor seiner Abreise von einer „Kernfrage der jahrzehntelangen Auseinandersetzung der Weltgemeinschaft mit Iran“. Deutschland wolle dem Vertrag universelle Geltung verschaffen, auch wenn dies schwieriger werde. Zugleich betonte er: „Solange aber nukleare Drohgebärden gegen uns und unsere Partner weitergehen, benötigen wir weiterhin eine glaubhafte Abschreckung.“
Deutschland wirbt für Sicherheitsratskandidatur
Die Reise dient auch der deutschen Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat. Deutschland kandidiert für einen nichtständigen Sitz in den Jahren 2027 und 2028. Die Kandidatur steht unter dem Motto „Respect – Justice – Peace“.
Wadephul verbindet die Bewerbung mit dem Anspruch, sich stärker in Fragen internationaler Sicherheit einzubringen. „Als eine der führenden Wirtschaftsnationen weltweit und als einer der wichtigsten Geber im UN-System setzen wir auf verlässliche Regeln und globale Partnerschaften“, sagte er. Deutschland wolle mehr direkte Verantwortung übernehmen und die internationale Sicherheitsarchitektur mitgestalten.
Ein nichtständiger Sitz würde Deutschland für zwei Jahre stärker in Entscheidungen des Sicherheitsrats einbinden. Die Bundesregierung nennt Konfliktprävention, Krisenlösung, Klima und Sicherheit als Schwerpunkte einer möglichen Mitgliedschaft.
UN-System zwischen Krisenhilfe und Reformdruck
Wadephul trifft in New York auch UN-Generalsekretär António Guterres. Dabei geht es um Reformen im UN-System. Guterres hat eine Reformagenda angestoßen, die Deutschland unterstützt.

Der Außenminister stellte die Vereinten Nationen vor seiner Abreise als zentrale Struktur für Konfliktdiplomatie dar. Zugleich verwies er auf Blockaden im Sicherheitsrat. Einzelne Staaten verhinderten dort nach seiner Darstellung zu oft gemeinsames Handeln.
„Die Vereinten Nationen sind – entstanden als historische Notwendigkeit – zugleich ein Glücksfall für die Welt“, sagte Wadephul. Zur Lösung drängender Fragen von Frieden und Sicherheit müssten die Vereinten Nationen zum Dreh- und Angelpunkt aktueller Konfliktdiplomatie werden.
Deutschland verweist dabei auch auf seine Rolle im UN-System. Mehr als 30 UN-Organisationen mit mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind in Deutschland ansässig, unter anderem in Bonn, Berlin, München und Hamburg. Im Januar entschied das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, einen Teil seines Hauptsitzes nach Bonn zu verlegen.
Humanitäre Hilfe in Sudan, Gaza und Libanon
Die Bundesregierung hebt in ihrer UN-Politik auch die Arbeit großer Hilfsorganisationen hervor. Das Welternährungsprogramm und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR leisten humanitäre Hilfe in Kriegsregionen wie Sudan und Gaza. Im Libanon unterstützt UNICEF mit deutscher Hilfe Kinder im aktuellen Konflikt.
Deutschland ist zweitgrößter Beitragszahler zum UN-System. Zudem beteiligt sich die Bundesrepublik mit militärischen, polizeilichen und zivilen Kräften an Friedensmissionen weltweit.
Wadephul sagte vor der Reise: „Um ihren wichtigen Beitrag in einer immer konfliktreicheren Welt zu erhalten, müssen wir den Mut aufbringen, uns als Vereinte Nationen zu erneuern.“ Die UN müssten handlungsfähiger werden und glaubwürdig bleiben, um Konflikte der Gegenwart und Zukunft zu lösen.

