In der Demokratischen Republik Kongo sind mehrere Ebola-Patienten nach einer Infektion mit dem Bundibugyo-Virus genesen. Die Weltgesundheitsorganisation meldete die Entlassung von Pflegekräften und insgesamt fünf bestätigte Genesungen. Zugleich steigen die Fallzahlen weiter: Im Kongo wurden 210 bestätigte Infektionen und 17 bestätigte Todesfälle registriert. Auch Deutschland ist in die internationale Versorgung eingebunden, weil ein aus den USA stammender Helfer nach einer Behandlung von Patienten im Kongo in Berlin versorgt wird.
Fünf Menschen gelten als genesen
Die Weltgesundheitsorganisation wertet die ersten Genesungen als wichtiges Signal im laufenden Ausbruch. Zwei Pflegekräfte konnten nach vollständiger Erholung entlassen werden. Bereits am Donnerstag war ein Laborangestellter nach einer Infektion für gesund erklärt worden.
„Weitere Genesungen werden erwartet, insbesondere wenn Menschen früh diagnostiziert werden und Zugang zu Versorgung erhalten, und wenn die Ausbruchsreaktion verstärkt wird“, erklärte die WHO in ihrer Aktualisierung.
Der Ausbruch wird durch das Bundibugyo-Virus verursacht. Gegen diese Ebola-Variante gibt es nach Angaben der WHO bisher keinen zugelassenen Impfstoff und keine zugelassene Behandlung. Die Organisation beschreibt die Krankheit als eine Infektion, die besonders häufig Menschen trifft, die Erkrankte versorgen.
Mehr als 200 bestätigte Fälle
Bis Sonntag registrierten die Gesundheitsbehörden 210 bestätigte Infektionen in der Demokratischen Republik Kongo. 17 Menschen starben bestätigt an der Krankheit. Fast 350 weitere Verdachtsfälle werden untersucht.
Unter den Infizierten sind auch 16 Gesundheitskräfte. Das zeigt die besondere Gefahr für medizinisches Personal, Angehörige und Helferinnen und Helfer, die engen Kontakt zu Erkrankten haben.
Seit der Erklärung des Ausbruchs am 15. Mai laufen Laboruntersuchungen, Überwachung von Kontaktpersonen, Infektionsschutzmaßnahmen, Aufklärung in Gemeinden und die Mobilisierung zusätzlicher Mittel. Die Übertragung konzentriert sich auf Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu im Osten des Landes.
Behandlungszentrum in Bunia ausgebaut
Bunia, die Hauptstadt der Provinz Ituri, gilt als wahrscheinliches Zentrum des Ausbruchs. Die WHO übergab den kongolesischen Gesundheitsbehörden dort ein renoviertes Ebola-Behandlungszentrum.
Die Einrichtung verfügt derzeit über 24 Betten und kann auf bis zu 60 Betten erweitert werden. Zusätzlich richtet die WHO einen Anbau mit bis zu 42 weiteren Betten ein.
Die Lage im Osten des Kongo erschwert die Eindämmung. In der rohstoffreichen Region dauern Konflikte seit Jahrzehnten an. Allein in Ituri benötigen rund 1,2 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Die Gesundheitsversorgung steht dadurch unter zusätzlichem Druck, während Bevölkerungsbewegungen die Nachverfolgung von Kontakten erschweren.
Mögliche Therapien werden geprüft
Obwohl keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien gegen das Bundibugyo-Virus verfügbar sind, stuften WHO-Beratungsgremien mehrere Kandidaten als ausreichend vielversprechend für klinische Prüfungen ein.
Für bestätigte Fälle sollen drei mögliche Therapien vorrangig in klinischen Studien untersucht werden: die monoklonalen Antikörper MBP 134 und Maftivimab sowie das antivirale Mittel Remdesivir.
Zur Vorbeugung nach Kontakt mit bestätigten Fällen wird das orale antivirale Mittel Obeldesivir in einer klinischen Studie priorisiert. Außerdem wurden zwei mögliche Impfstoffe für eine Bewertung benannt, sobald Dosen verfügbar sind.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte bei einem Besuch in Bunia die Bedeutung früher Behandlung. „Ebola, verursacht durch das Bundibugyo-Virus, kann mit guter medizinischer Versorgung überlebt werden, und einige Menschen hier in Ituri sind bereits genesen. Frühzeitig Versorgung zu suchen, macht einen echten Unterschied. Es ist nicht ohne Hoffnung“, sagte Tedros.
Patient aus dem Kongo wird in Berlin versorgt
Der Ausbruch hat auch Deutschland erreicht, ohne dass bisher eine Weiterverbreitung in Deutschland gemeldet wurde. Ein US-amerikanischer Patient, der zuvor Ebola-Patienten in der Demokratischen Republik Kongo behandelt hatte, wird in der Sonderisolierstation der Berliner Charité versorgt. Seine Familienangehörigen wurden ebenfalls dort aufgenommen.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken besuchte am 27. Mai die Charité und sprach mit Vertretern der Klinik über die Aufnahme des Patienten. Der Patient war auf Bitten der USA nach Berlin gebracht worden.
Warken dankte den Beschäftigten der Charité sowie den beteiligten Stellen in Berlin und Brandenburg, darunter Gesundheitsämter, Feuerwehr und Robert Koch-Institut. „Der reibungslose Ablauf auf allen Ebenen – vom Hilfeersuchen der USA bis zur Aufnahme des Patienten und seiner Angehörigen in der Charité – machen sehr deutlich, dass wir in Deutschland unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen eine medizinische Versorgung von hochinfektiösen Krankheiten auf Spitzenniveau sicherstellen können“, sagte die Ministerin.
Deutschland verfügt über ein Expertennetzwerk aus sieben Standorten für das Management und die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Krankheiten durch hochpathogene Erreger.
Grenzüberschreitende Übertragung nach Uganda
Die WHO beschreibt den Ausbruch im Kongo und im benachbarten Uganda als dynamisch. Die Fallzahlen steigen, die geografische Ausbreitung nimmt zu und es gibt Hinweise auf grenzüberschreitende Übertragung.
In Uganda wurden Infektionen im Zusammenhang mit Reisen aus der Demokratischen Republik Kongo bestätigt. Die WHO arbeitet mit den Gesundheitsbehörden beider Länder zusammen, um klinische Studien, Überwachung, Behandlung und Gemeindearbeit zu koordinieren.
Warken verwies mit Blick auf die internationale Zusammenarbeit auf die Rolle der Weltgesundheitsorganisation. „Kein Land kann grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren alleine in den Griff bekommen“, sagte sie. Deutschland werde den Reformprozess der WHO weiter unterstützen und als Partner für internationale Zusammenarbeit bereitstehen.

