Blauhelme unter Druck: UN fordert mehr Unterstützung für Friedensmissionen – Deutsche Polizistin für Einsatz geehrt

Mehr als 50.000 Menschen dienen weltweit unter UN-Flagge. Zum Internationalen Tag der Blauhelme fordert António Guterres verlässliche Unterstützung für Friedensmissionen. Im Fokus stehen auch Einsätze in Afrika: Südsudan, DR Kongo und die Auszeichnung einer deutschen Polizistin bei UNMISS.

Die Vereinten Nationen drängen auf stärkere politische Rückendeckung und verlässliche Finanzierung für ihre Friedensmissionen. Mehr als 50.000 zivile, militärische und polizeiliche Kräfte dienen derzeit in elf Missionen unter UN-Flagge. Besonders in Afrika stehen Blauhelme in Konfliktgebieten wie der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan unter hohem Druck.

Guterres warnt vor knappen Ressourcen

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete Friedensmissionen als bewährtes und kosteneffizientes Instrument, um Konflikte zu stabilisieren, Zivilisten zu schützen und politische Lösungen zu unterstützen. Zugleich warnte er, dass knappe Mittel die Wirksamkeit der Einsätze schwächen könnten.

Das diesjährige Motto lautet „Invest in Peace“. Es verweist auf die Finanzierungslage der Missionen, die in fragmentierten Konflikten arbeiten und zugleich mit neuen Bedrohungen konfrontiert sind. Dazu zählen der Missbrauch digitaler Technologien, Desinformation und Angriffe auf die Glaubwürdigkeit internationaler Einsätze.

Seit 1948 sind fast 4.500 UN-Friedenskräfte im Einsatz gestorben. Allein im vergangenen Jahr kamen 59 Blauhelme ums Leben. Guterres erklärte, Angriffe auf Friedenskräfte seien schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht.

Afrika bleibt ein Schwerpunkt der UN-Missionen

Mehrere der gefährlichsten UN-Einsätze liegen in Afrika. In der Demokratischen Republik Kongo arbeitet die Mission MONUSCO in einem Umfeld, das von Kämpfen zwischen kongolesischen Streitkräften, bewaffneten Gruppen und der M23 geprägt ist. Im Südsudan unterstützt UNMISS den Schutz von Zivilisten, Frühwarnsysteme und Stabilisierung in politisch sensiblen Gebieten.

Jean-Pierre Lacroix, Untergeneralsekretär für Friedensmissionen, sagte: „UN-Friedenskräfte schützen weiterhin Zivilisten, verhindern eine Eskalation von Gewalt und halten Hoffnung in einigen der schwierigsten Umfelder der Welt am Leben.“ Investitionen in Friedensmissionen seien Investitionen in Stabilität und die Möglichkeit dauerhaften Friedens.

Die UN verweist dabei auch auf Aufgaben, die über militärische Präsenz hinausgehen. Friedenskräfte überwachen Waffenruhen, unterstützen humanitäre Hilfe, räumen Landminen, schützen Zivilisten und arbeiten mit lokalen Gemeinschaften zusammen.

Höchste Tapferkeitsmedaille für Einsätze in Südsudan und Kongo

Am 5. Juni will Guterres zwei Friedenskräfte mit der Captain Mbaye Diagne Medal for Exceptional Courage auszeichnen, der höchsten Tapferkeitsmedaille der UN-Friedenssicherung. Die Auszeichnung geht an Sergii Prykhodko aus der Ukraine und Sergeant Matias Reyes aus Uruguay.

Prykhodko arbeitete als privater Auftragnehmer in einer Hubschraubercrew der UN-Mission im Südsudan. Im März 2025 übernahm er freiwillig den Platz eines weniger erfahrenen Kollegen bei einer gefährlichen Evakuierungsmission im Bundesstaat Upper Nile. Der Hubschrauber geriet trotz zugesicherter sicherer Passage unter Beschuss. Prykhodko wurde getötet, zwei Crewmitglieder wurden verletzt.

Sergeant Reyes war im Januar 2025 bei MONUSCO in Goma stationiert. Während schwerer Kämpfe zwischen den kongolesischen Streitkräften und der M23 half er, den Eingang einer UN-Basis zu sichern. Unter Beschuss brachte er schwer verwundete kongolesische Soldaten in ein provisorisches medizinisches Zelt der UN-Truppen. Nach UN-Angaben half er dabei, zwölf Schwerverletzte zu retten.

Deutsche Polizistin für Einsatz im Südsudan geehrt

Auch Deutschland ist Teil der diesjährigen Ehrungen. Inspector Stephanie Königs wurde zur UN Woman Police Officer of the Year ernannt. Sie war von September 2024 bis März 2026 bei UNMISS im Südsudan eingesetzt und leitete dort Patrouillenteams.

Die UN würdigt ihre Rolle beim Aufbau strukturierter Patrouillensysteme und bei der besseren Koordinierung mit militärischen Komponenten der Mission. Ihre Arbeit habe Frühwarnmechanismen gestärkt und Entscheidungen der Mission in Krisenphasen unterstützt.

Major Abhilasha Barak aus Indien erhält die Auszeichnung Military Gender Advocate of the Year. Sie dient im indischen Bataillon im Süden Libanons und hat Gender-Perspektiven in militärische Operationen, Patrouillen und zivile Aktivitäten eingebunden. Zudem entwickelte sie eine KI-gestützte Plattform, über die Frauen und Kinder geschlechtsspezifische Gewalt vertraulich melden können.

Die UN stellt die Ehrungen in einen größeren Zusammenhang: Friedensmissionen arbeiten in einer Phase wachsender geopolitischer Spannungen, knapper Haushalte und komplexer Konflikte. In Afrika betrifft dies vor allem Einsätze, bei denen der Schutz von Zivilisten, der Umgang mit bewaffneten Gruppen und die Sicherheit der Friedenskräfte gleichzeitig auf dem Spiel stehen.

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