Die USA stellen Kenia zusätzliche Hilfe bereit, um das Land gegen eine mögliche Ausbreitung des Ebola-Ausbruchs in Ost- und Zentralafrika zu wappnen. Das kündigte das US-Außenministerium am 28. Mai nach einem Telefonat von Außenminister Marco Rubio mit Kenias Präsident William Ruto an. Washington will 13,5 Millionen US-Dollar für Kenias Ebola-Vorsorge einsetzen. Zugleich haben die USA nach eigenen Angaben mehr als 112 Millionen US-Dollar für die regionale Reaktion auf den Ausbruch mobilisiert.
Kenia soll medizinische Vorräte sichern
Rubio und Ruto sprachen über medizinische Lieferungen und die Einsatzfähigkeit des kenianischen Gesundheitssystems. Die USA wollen nach Angaben des Außenministeriums mit Kenia eng abgestimmt bleiben, während sich die Lage in der Region weiter entwickelt.
Für Washington steht dabei auch der Schutz der eigenen Bevölkerung im Vordergrund. Die US-Regierung begründet ihre Hilfe damit, den Ausbruch möglichst früh einzudämmen und eine weitere internationale Ausbreitung zu verhindern. Kenia nimmt in der US-Gesundheitspolitik in Ostafrika seit Jahren eine wichtige Rolle ein, weil dort regionale Gesundheitsprogramme, Laborstrukturen und Partnerschaften gebündelt werden.
Ausbruch in Kongo und Uganda
Der aktuelle Ausbruch betrifft vor allem die Demokratische Republik Kongo und Uganda. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von der seltenen Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus. Für diese Variante gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff und keine gezielte Behandlung.
In der Demokratischen Republik Kongo wurden bis Mittwoch mehr als 900 Verdachtsfälle, 105 bestätigte Fälle und zehn bestätigte Todesfälle erfasst. Uganda meldete sieben bestätigte Fälle und einen Todesfall. Besonders betroffen ist die Provinz Ituri im Osten des Kongo, wo nach Angaben der WHO rund 90 Prozent der Fälle gemeldet wurden.
Ebola breitet sich über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter oder verstorbener Menschen aus. Für die Eindämmung sind schnelle Tests, sichere Behandlung, Schutzkleidung für medizinisches Personal, Kontaktverfolgung und sichere Bestattungen entscheidend.
WHO fordert Feuerpause im Osten Kongos
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus rief bewaffnete Gruppen im Osten der Demokratischen Republik Kongo zu einer Feuerpause auf. Gesundheitshelfer müssten Menschen erreichen können, um Infektionen zu stoppen und Leben zu retten.

Tedros verwies auf die Lage in Ituri, wo die Bevölkerung bereits unter Unsicherheit, Hunger, Malaria und Vertreibung leide. „Menschen sterben an Ebola, die nicht sterben müssten“, sagte er. Eine Feuerpause, auch eine kurze, könne Leben retten.
Der Appell zeigt, wie stark der Ausbruch mit dem Konflikt im Osten Kongos verbunden ist. Wo Kämpfe, Vertreibung und Misstrauen den Zugang zu Dörfern und Gesundheitszentren erschweren, wird auch eine medizinische Krise schwerer kontrollierbar.
USA bauen regionale Hilfe aus
Das US-Außenministerium hat nach eigenen Angaben am 27. Mai weitere 80 Millionen US-Dollar für Partnerorganisationen freigegeben. Das Geld soll unter anderem für Schutzkleidung, Grenzscreening, Kontaktverfolgung und Diagnostik eingesetzt werden.
UNICEF und das Welternährungsprogramm sollen Schutzmaterial und weitere Hilfsgüter beschaffen und verteilen. Die Internationale Organisation für Migration soll Gesundheitskontrollen an Flughäfen sowie an wichtigen Land- und Wasserübergängen verstärken. Weitere Organisationen sollen Kontakte von Infizierten nachverfolgen und die Überwachung in betroffenen Gemeinden ausbauen.
Zusätzlich stellt Washington 50 Millionen US-Dollar über das UN-Nothilfebüro OCHA bereit, um bis zu 50 Ebola-Kliniken in betroffenen Gebieten zu unterstützen. Weitere 300 Millionen US-Dollar sollen über OCHA-Fonds für breitere humanitäre Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda eingesetzt werden.
Hilfe in einem schwierigen Umfeld
Die USA haben außerdem Fachpersonal nach Kinshasa und Kampala entsandt. Die Teams sollen die Reaktion mit Regierungen, Hilfsorganisationen und weiteren Partnern abstimmen. Nach Angaben des Außenministeriums war dies der schnellste Einsatz eines amerikanischen Katastrophenhilfeteams bei einer Ebola-Reaktion.
Die Lage bleibt angespannt, weil der Ausbruch eine Region trifft, in der Gesundheitsversorgung, Sicherheit und Vertrauen in Behörden schon vorher unter Druck standen. Die WHO betont, dass frühe Versorgung die Überlebenschancen erhöhen kann. Zugleich müssen Helfer Gemeinden erreichen, in denen Angst, Gerüchte und schlechte Erfahrungen mit früheren Einsätzen die Arbeit erschweren.

