Menschenrechtsbeauftragter Lars Castellucci reist in den Ostkongo

Menschenrechtsbeauftragter Lars Castellucci reist in die DR Kongo: In Beni besucht er Binnenvertriebene und deutsche Hilfsprojekte im Schatten der Ostkongo-Krise.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci, reist in die Demokratische Republik Kongo und besucht neben Kinshasa auch die Krisenregion Nord-Kivu. Die Reise dauert vom 26. April bis 2. Mai 2026.

In Kinshasa und Beni trifft Castellucci politische Vertreter, Menschenrechtsaktivisten, zivilgesellschaftliche Organisationen, Vereinte Nationen, humanitäre Akteure und Menschen, die von Gewalt und Vertreibung betroffen sind. Der Besuch fällt in eine Phase, in der der Konflikt im Osten des Landes trotz diplomatischer Initiativen weiter schwere humanitäre Folgen hat.

Besuch in Kinshasa und Nord-Kivu

Castellucci führt in Kinshasa Gespräche über Menschenrechte, humanitäre Hilfe und die Lage im Osten des Landes. In Beni in der Provinz Nord-Kivu besucht er von Deutschland unterstützte Projekte. Dazu gehören ein Lokalradio zur Friedensförderung, ein Programm der Vereinten Nationen zur Demobilisierung von Milizen und ein Lager für Binnenvertriebene.

Vor seiner Abreise verwies Castellucci auf das Ausmaß der Krise in der Region der Großen Seen. Seit mehr als drei Jahrzehnten schwelt dort ein Konflikt, der immer wieder zu großflächigen Kämpfen führt. Über sieben Millionen Menschen sind innerhalb der Demokratischen Republik Kongo vertrieben, davon fünf Millionen im Osten des Landes. Rund 25 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen.

„Die humanitäre Krise in der Demokratischen Republik Kongo darf nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn andere Konflikte die Schlagzeilen dominieren“, sagte Castellucci. Es sei Teil seines Selbstverständnisses als Beauftragter, solche Krisen stärker in den Fokus zu rücken.

M23-Offensive hat Lage verschärft

Der Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat sich seit Anfang 2025 weiter zugespitzt. Die von Ruanda unterstützte Miliz M23 nahm weite Teile des Ostkongos sowie die Millionenstädte Goma und Bukavu ein. Die kongolesische Regierung und Ruanda werfen sich seit Monaten gegenseitig vor, die Sicherheitslage in der Region der Großen Seen weiter zu destabilisieren.

Der Osten des Landes ist von mehreren Konfliktlinien geprägt. Bewaffnete Gruppen kämpfen um Gebiete, Einfluss, Schmuggelrouten und Rohstoffe. Zugleich belasten die Spannungen zwischen Kinshasa und Kigali den Friedensprozess. Ruanda weist Vorwürfe zurück und verweist auf die Bedrohung durch die FDLR, eine bewaffnete Hutu-Gruppe, die mit dem Völkermord in Ruanda 1994 in Verbindung gebracht wird.

Im UN-Sicherheitsrat warnten Vertreter der Vereinten Nationen zuletzt vor der wachsenden Lücke zwischen diplomatischen Vereinbarungen und der Lage vor Ort. Trotz Washington-Abkommen, Doha-Gesprächen und Waffenruhemechanismen halten Kämpfe, Vertreibungen und Angriffe auf die Zivilbevölkerung an.

Frauen und Kinder besonders betroffen

Castellucci nannte die Folgen für die Zivilbevölkerung als Kern der Reise. Besonders Frauen und Kinder sind im Ostkongo von Vertreibung, Gewalt und fehlender Versorgung betroffen. Sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt ist nach Angaben der Vereinten Nationen weit verbreitet.

„Laut den Vereinten Nationen wird im Ostkongo alle vier Minuten eine Frau und alle 30 Minuten ein Kind vergewaltigt“, erklärte Castellucci. Die Zahlen stehen für eine Krise, in der Gewalt gegen Zivilisten, Hunger, Flucht und der Zusammenbruch lokaler Schutzstrukturen ineinandergreifen.

Die Demokratische Republik Kongo zählt zu den schwersten humanitären Krisen weltweit. Castellucci sprach von der zweitgrößten Ernährungskrise und der drittgrößten Binnenvertriebenenkrise der Welt. Millionen Menschen leben in Lagern oder provisorischen Unterkünften, viele ohne verlässlichen Zugang zu Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung und Bildung.

Deutschland unterstützt Hilfe und Friedensbemühungen

Deutschland gehört nach Angaben Castelluccis zu den größten Gebern humanitärer Hilfe in der Region. Die Bundesregierung engagiert sich außerdem in der Entwicklungszusammenarbeit und unterstützt Friedensbemühungen der USA und der Afrikanischen Union. Im Jahr 2025 hatte Deutschland den Vorsitz der Internationalen Kontaktgruppe Große Seen inne.

Die Bundesregierung hatte bereits im Oktober 2025 zusätzliche humanitäre Hilfe für den Osten der Demokratischen Republik Kongo zugesagt. Damals stand die Unterstützung für Menschen im Konfliktgebiet im Mittelpunkt, darunter Vertriebene und Gemeinden, die viele Geflüchtete aufnehmen.

Die Reise führt Castellucci nun in eine Region, in der deutsche Hilfe konkret sichtbar ist. Das Lokalradio zur Friedensförderung, das Demobilisierungsprogramm für Milizen und das Camp für Binnenvertriebene zeigen drei Ebenen des deutschen Engagements: Schutz, Stabilisierung und Unterstützung für Menschen, die vor Gewalt fliehen mussten.

USA und Afrikanische Union vermitteln weiter

Parallel zur humanitären Hilfe laufen mehrere diplomatische Prozesse. Die USA haben mit den sogenannten Washington Accords einen politischen und wirtschaftlichen Rahmen für Gespräche zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda unterstützt. Katar vermittelt im Doha-Prozess zwischen der kongolesischen Regierung und dem Bündnis AFC/M23.

Auch die Afrikanische Union versucht, die Vermittlung stärker zu bündeln. In Lomé bestätigten Vertreter der Afrikanischen Union und regionaler Organisationen im Januar 2026 die von Togo geführte Mediation als zentralen Rahmen. Ziel ist eine bessere Abstimmung zwischen bestehenden Formaten, darunter regionale Initiativen und internationale Gespräche.

Im April erzielten die kongolesische Regierung und AFC/M23 in Montreux Fortschritte bei humanitärem Zugang, Kontrolle der Waffenruhe und der Freilassung von Gefangenen. An den Gesprächen waren neben den Konfliktparteien auch die USA, Katar, Togo als Vermittler der Afrikanischen Union, die Kommission der Afrikanischen Union und die Schweiz beteiligt.

Castellucci besucht die Demokratische Republik Kongo damit in einem Moment, in dem die Diplomatie weiterläuft, während die humanitäre Lage im Osten des Landes angespannt bleibt.

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