Global Peace Index: Das sind die fünf unfriedlichsten Ländern der Welt

Der Global Peace Index 2026 rückt Afrika ins Zentrum globaler Sicherheitsrisiken: Sudan und Kongo liegen am Ende der Rangliste, das Horn von Afrika gilt als verflochtenes Konfliktsystem.

Der Global Peace Index 2026 zählt Sudan und die Demokratische Republik Kongo zu den fünf am wenigsten friedlichen Staaten der Welt. Die neue Ausgabe wurde im Juni vom Institute for Economics & Peace veröffentlicht. Sie zeigt eine weitere Verschlechterung der weltweiten Friedenslage und beschreibt besonders das Horn von Afrika als eng verflochtenes Konfliktsystem.

Weltweit sank das durchschnittliche Friedensniveau um 0,7 Prozent. Es ist der zwölfte Rückgang in Folge und die fünfzehnte Verschlechterung innerhalb von 18 Jahren. Von 163 bewerteten Staaten und Gebieten verschlechterten sich 99, während sich 62 verbesserten.

Sudan bleibt Zentrum einer regionalen Krise

Sudan liegt im Global Peace Index 2026 auf Rang 162 und damit nur vor Russland, das als am wenigsten friedliches Land der Welt eingestuft wird. Die Demokratische Republik Kongo folgt auf Rang 161. Zur Gruppe der fünf am schlechtesten bewerteten Länder zählen außerdem Ukraine und Israel.

Der Sudan-Krieg prägt die afrikanische Sicherheitslage weit über die Landesgrenzen hinaus. Das Institute for Economics & Peace beschreibt den Bürgerkrieg als weltweit schwerste humanitäre Krise mit mehr als zwölf Millionen Vertriebenen. Externe Akteure, illegale Wirtschaftsstrukturen und regionale Verflechtungen verschärfen den Konflikt.

Eine besondere Rolle spielen Goldschmuggel und die Finanzierung bewaffneter Gruppen. Der Index verweist darauf, dass Einnahmen der Rapid Support Forces aus Goldgeschäften den Krieg widerstandsfähiger gegen äußeren Druck machen. Der stark gestiegene Goldpreis erhöhe zusätzliche Anreize, den Konflikt fortzusetzen.

Horn von Afrika als verflochtenes Konfliktsystem

Das Horn von Afrika wird im Index nicht als Ansammlung einzelner Konflikte beschrieben, sondern als zusammenhängendes regionales Konfliktsystem. Sudan, Äthiopien, Eritrea, Somalia, Dschibuti und Südsudan sind durch Fluchtbewegungen, grenzüberschreitende ethnische Mobilisierung, Rückzugsräume für bewaffnete Gruppen, Stellvertreterkonflikte, Waffenströme, ideologische Netzwerke, illegale Ökonomien und schwache Staatlichkeit verbunden.

Besonders deutlich wird diese Verflechtung an der Verbindung zwischen Sudan, Äthiopien und dem Roten Meer. Konflikte in Tigray, Amhara und Oromia, die Rivalität zwischen Äthiopien und Eritrea sowie der Wettbewerb um Häfen und Zugänge zum Roten Meer greifen ineinander. Auch Somalia und Südsudan wirken als Räume, über die Konflikte, Waffen, Menschen und politische Spannungen weitergetragen werden.

Der Index nennt das Horn von Afrika das klarste Beispiel dafür, wie verschiedene Mechanismen der Konfliktausbreitung gleichzeitig wirken. Damit rückt die Region in den Mittelpunkt einer Debatte, die nicht nur Sicherheitsfragen betrifft, sondern auch humanitäre Hilfe, Migration, Rohstoffströme und Handelsrouten.

Afrikanische Länder zwischen Stabilität und Rückschlägen

Mauritius bleibt im Index das am besten platzierte afrikanische Land und erreicht Rang 18. Botswana folgt auf Rang 50, Gambia auf Rang 56, Madagaskar auf Rang 59 und Namibia auf Rang 63. Marokko liegt auf Rang 65, Senegal auf Rang 75, Ghana auf Rang 76, Tunesien auf Rang 77 und Angola auf Rang 78.

Gabon und Lesotho zählen weltweit zu den Ländern mit den größten Verbesserungen. Gabon steigt auf Rang 100, Lesotho auf Rang 86. Beide Länder verbesserten sich deutlich gegenüber der vorherigen Ausgabe.

Zu den größten Verschlechterungen gehören mehrere afrikanische Staaten. Tschad, die Republik Kongo und Tansania werden im Index unter den Ländern mit den stärksten Rückgängen genannt. Tschad fällt auf Rang 145, die Republik Kongo auf Rang 120 und Tansania auf Rang 98.

Auch die Sahel-Staaten bleiben im unteren Bereich der Rangliste. Mali liegt auf Rang 154, Burkina Faso auf Rang 149 und Niger auf Rang 146. Nigeria steht auf Rang 142, Kamerun auf Rang 137, Äthiopien auf Rang 138 und Kenia auf Rang 132.

Globale Gewaltkosten treffen auch Afrika

Der wirtschaftliche Schaden durch Gewalt wird für 2025 weltweit auf 21,8 Billionen US-Dollar in Kaufkraftparität beziffert. Das entspricht 10,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung oder 2.657 US-Dollar pro Kopf. Ein großer Teil entfällt auf Militärausgaben, innere Sicherheit, Konfliktfolgen, Vertreibung und Produktionsverluste.

Für Subsahara-Afrika beziffert der Index die wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt auf 686 Milliarden US-Dollar. In der Region Nahost und Nordafrika liegt der Wert bei 1,796 Billionen US-Dollar. Die Unterschiede zwischen den Regionen zeigen, wie stark Gewalt, Militarisierung und innere Unsicherheit wirtschaftliche Entwicklung belasten.

Der Index verweist zudem auf mögliche Folgewirkungen des Iran-Krieges für fragile Staaten. Golfstaaten liefern große Anteile von Schwefel und Harnstoff, die für Düngemittel wichtig sind. Einschränkungen bei diesen Lieferketten treffen besonders Südasiens und Ostafrikas Landwirtschaft, weil die Auswirkungen auf Ernten erst später sichtbar werden.

Eritrea, Madagaskar, Senegal und Sambia werden in einer Verwundbarkeitsanalyse als besonders exponiert genannt. Ausschlaggebend ist nicht allein Energieabhängigkeit, sondern die Verbindung aus institutioneller Schwäche, ökologischen Risiken und begrenztem fiskalischem Spielraum.

Kriege werden internationaler und schwerer zu beenden

Der Index beschreibt eine Welt, in der Konflikte häufiger über Grenzen hinauswirken. Die Zahl der Länder, die in den vergangenen fünf Jahren zumindest teilweise an externen Konflikten beteiligt waren, stieg seit 2008 von 59 auf 103. Internationale Unterstützung für Regierungen, Rebellengruppen oder andere Konfliktakteure wird damit zu einem prägenden Merkmal moderner Kriege.

Auch die Zahl aktiver staatlicher Konflikte erreichte den höchsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 2024 wurden 61 solcher Konflikte gezählt. Der Anstieg wird vor allem durch internationalisierte innerstaatliche Konflikte getrieben, die seit 2010 um mehr als 175 Prozent zugenommen haben.

Gleichzeitig verlieren klassische Mechanismen zur Beendigung von Kriegen an Wirkung. Der Anteil staatlicher Konflikte, die mit einem Friedensabkommen enden, sank von 23 Prozent in den 1970er Jahren auf rund vier Prozent in den 2010er Jahren. Auch klare militärische Siege wurden seltener.

Künstliche Intelligenz verändert Kriegsführung

Der Global Peace Index 2026 widmet der Rolle künstlicher Intelligenz in Krieg und Friedensarbeit ein eigenes Kapitel. Drohnenangriffe nahmen zwischen 2018 und 2025 stark zu. 565 bewaffnete Gruppen führten in diesem Zeitraum mindestens einen Drohnenangriff aus.

Zugleich verkürzen KI-gestützte Systeme die Zeit zwischen Zielerfassung und Angriff. Der Index warnt vor einem Rückgang menschlicher Kontrolle bei tödlichen Entscheidungen. Militärische Fähigkeiten entwickelten sich schneller als rechtliche und politische Regeln, die ihren Einsatz begrenzen sollen.

Für Friedensarbeit nennt der Index mögliche Anwendungen von KI bei Mediation, Übersetzung, Konfliktanalyse, Satellitenauswertung, Dokumentation von Gräueltaten, Minenräumung und Wiederaufbau. Die Finanzierung solcher Ansätze bleibt jedoch zersplittert und deutlich schwächer als militärische KI-Investitionen.

Der Global Peace Index bewertet 163 Staaten und Gebiete anhand von 23 qualitativen und quantitativen Indikatoren. Sie messen gesellschaftliche Sicherheit, laufende nationale und internationale Konflikte sowie Militarisierung.

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