Amnesty zeichnet für Afrika ein Jahr der Kriege, Hungerkrisen und Repression

Kriege, Hungerkrisen, tödlich niedergeschlagene Proteste und wachsende Vertreibung: Amnesty zeichnet für Afrika 2025 ein alarmierendes Bild der Menschenrechtslage.

Bewaffnete Konflikte, Hunger und härtere Repression gegen Proteste haben die Menschenrechtslage in Afrika weiter verschärft. Amnesty International zieht für 2025 eine entsprechend düstere Bilanz. Der Bericht beschreibt eine Region, in der Kriege weiter eskalierten, Gesundheitssysteme unter neuen Kürzungen litten und Regierungen Demonstrationen immer häufiger als Sicherheitsproblem behandelten. Millionen Menschen blieben zugleich durch Krieg und klimabedingte Katastrophen vertrieben, besonders im Sudan.

Sudan und DR Kongo stehen im Zentrum der Gewalt

Besonders schwer wiegt die Lage im Sudan. Nach der Rückeroberung von Khartum und Gezira durch die sudanesischen Streitkräfte Anfang 2025 kam es laut Amnesty zu Vergeltungsangriffen auf Zivilisten. Im Bundesstaat Gezira wurden Angehörige der Kanabi-Gemeinschaft attackiert, Häuser niedergebrannt und Eigentum geplündert. Im Oktober nahmen die Rapid Support Forces nach monatelanger Belagerung El Fasher in Nord-Darfur ein. Danach folgten Massenmorde an Zivilisten, sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie Geiselnahmen. Amnesty verweist außerdem auf Waffenlieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an die RSF, die den Konflikt weiter angeheizt hätten.

Auch in der Demokratischen Republik Kongo verschärfte sich die Lage deutlich. Die von Ruanda unterstützte M23 nahm Anfang des Jahres Goma und Bukavu ein. Zwischen Ende Januar und Anfang April wurden in Goma mehr als 200 Menschen getötet, später kamen im Gebiet Rutshuru mindestens 319 weitere Zivilisten ums Leben. Amnesty dokumentiert dort zudem Folter, unmenschliche Haftbedingungen sowie Angriffe auf Krankenhäuser und Entführungen von Patienten und Angehörigen. Auch andere bewaffnete Gruppen in Ituri und Nord-Kivu gingen brutal vor.

Aus Burkina Faso, Mali, Mosambik, Niger, Nigeria, Somalia, dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik meldet der Bericht ebenfalls rechtswidrige Tötungen durch staatliche Kräfte oder bewaffnete Gruppen. In Burkina Faso wurden bei einem Massaker in und um Solenzo mindestens 58 Zivilisten getötet. In Mali verweist Amnesty auf summarische Hinrichtungen und auf Fälle, in denen Soldaten mit Unterstützung der Wagner-Gruppe an Tötungen beteiligt gewesen sein sollen. 

Hunger trifft Hunderte Millionen

Neben den Kriegen rückt Amnesty die soziale Krise in den Vordergrund. Das Ziel der Afrikanischen Union, Hunger und Ernährungsunsicherheit bis 2025 zu beseitigen, wurde verfehlt. Nach den zitierten Zahlen litten im Juli mehr als 307 Millionen Menschen in Afrika an Hunger, also mehr als 20 Prozent der Bevölkerung des Kontinents. Besonders dramatisch war die Lage im Sudan und im Südsudan, wo jeweils mindestens die Hälfte der Bevölkerung unter akuter Ernährungsunsicherheit lebte. Im Südsudan waren rund 28.000 Menschen von katastrophalem Hunger betroffen, im Sudan wurden in mehreren Gebieten Hungersnöte festgestellt.

Auch Bildung und Gesundheit gerieten weiter unter Druck. In den Konfliktzonen Afrikas blieben Millionen Kinder ohne Unterricht. In Kameruns Nordwesten und Südwesten waren 14.829 Schulen geschlossen, betroffen waren mehr als drei Millionen Kinder. In Mali waren 2.036 Schulen außer Betrieb, im Südsudan gingen laut UNICEF mehr als 70 Prozent der Kinder nicht zur Schule. Gleichzeitig trafen Kürzungen von US-Hilfsgeldern zentrale Gesundheitsdienste in zahlreichen Ländern, darunter Kamerun, Ghana, Lesotho, Malawi, Namibia, Nigeria, Südafrika, Sambia, die Zentralafrikanische Republik und der Südsudan. In Lesotho verloren dem Bericht zufolge rund 1.500 Beschäftigte im Gesundheitswesen ihre Arbeit.

Regierungen reagieren auf Proteste mit Gewalt

Amnesty beschreibt außerdem eine härtere Gangart vieler Regierungen gegen Demonstrationen und kritische Stimmen. In Tansania starben bei der Niederschlagung von Protesten nach der Wahl Hunderte Menschen. In Kenia wurden am 25. Juni mindestens 19 Menschen getötet, als die Polizei gegen jugendgeführte Proteste vorging. Schon im Vorjahr waren bei ähnlichen Demonstrationen mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen. Der Bericht spricht davon, dass Regierungen Proteste auf dem Kontinent zunehmend als Bedrohung behandelten, sie gewaltsam auflösten, übermäßig einschränkten oder ganz verboten.

Hinzu kamen schärfere Eingriffe gegen Medien, Aktivisten und Oppositionelle. Militärregierungen gingen laut Amnesty besonders häufig unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit gegen kritische Stimmen vor. Parallel dazu untergruben Behörden in mehreren Staaten die Bemühungen um Rechenschaft und Strafverfolgung, was Opfern schwerer Verbrechen den Zugang zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung weiter erschwerte.

Klima, Vertreibung und Diskriminierung verschärfen die Lage

Der Bericht verbindet die Menschenrechtskrise auch mit der Klimakrise. Dürre und Überschwemmungen trafen viele Länder zusätzlich, während Regierungen und internationale Partner nach Darstellung von Amnesty zu wenig unternahmen, um die Bevölkerung wirksam zu schützen. Namibia litt weiter unter schwerer Dürre, in Südafrika führten Überschwemmungen in mehreren Provinzen zu Toten und zerstörten Häuser, besonders in informellen Siedlungen. Millionen Menschen konnten deshalb ebenso wenig zurückkehren wie jene, die vor Konflikten geflohen waren. Im Sudan entstand die weltweit größte und am schnellsten wachsende Vertreibungskrise.

Zugleich dokumentiert Amnesty anhaltende Diskriminierung gegen Frauen, Mädchen und LGBTI-Personen. Gesellschaftliche Normen und politische Kampagnen gegen Rechte von Minderheiten hätten Gewalt und Ausgrenzung weiter befördert. Regierungen hätten zudem ihre Rechtssysteme genutzt, um LGBTI-Menschen gezielt zu diskriminieren.

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