Die deutsche Botschaft in Namibia unterstützt eine neue Initiative gegen geschlechtsspezifische Gewalt mit mehr als 77000 Euro. Die Fördervereinbarung wurde im März unterzeichnet. Das Geld geht an die Ombetja Yehinga Organisation, kurz OYO, die ihr Projekt „Speak up“ in den Regionen Hardap, Erongo und Omusati umsetzt. Die Initiative setzt auf Schulen, Gemeindedialoge und kreative Formate, um Gewalt vorzubeugen und junge Menschen früh zu erreichen.
OYO startet Projekt in drei Regionen
Das Vorhaben läuft vom 1. April bis zum 31. Dezember 2026. Es soll Gespräche in Schulen anstoßen und den Austausch zwischen Generationen in Gemeinden stärken. Im Zentrum stehen psychische Gesundheit und positive Männlichkeit als Ansatz, um geschlechtsspezifische Gewalt wirksamer anzugehen.
OYO arbeitet dabei nicht mit klassischen Aufklärungskampagnen allein. Die Organisation verbindet Musik, Tanz und Theater mit psychologischer und sozialer Unterstützung. Gerade junge Menschen sollen so nicht nur informiert, sondern direkt einbezogen werden.
Botschaft setzt auf Prävention vor Ort

Der deutsche Botschafter in Namibia, Thorsten Hutter, stellte bei der Vorstellung des Projekts die Rolle des sozialen Umfelds heraus. „Wir dürfen in unseren Bemühungen im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt nicht nachlassen, wo und wann immer wir können“, sagte er. Der Respekt vor grundlegenden Menschenrechten beginne in Familien, Klassenzimmern und Gemeinden.
Hutter hob zudem hervor, dass OYO mit seinem künstlerischen Ansatz besonders die jüngere Generation erreiche. Die Arbeit werde mit professioneller psychologischer und sozialer Hilfe für Betroffene und Hilfesuchende verbunden.
Kunst soll Diskussionen in Bewegung bringen
OYO-Gründer und Direktor Philippe Talavera beschrieb den Ansatz als bewusst erfahrungsbezogen. Das Projekt solle die Debatte nicht nur fortführen, sondern Menschen dazu bringen, Situationen emotional nachzuempfinden. „Die Teilnehmenden werden keine bloßen Zuschauer sein“, sagte Talavera. Sie sollten aktiv mitwirken und erkennen, dass es andere, bessere Wege gebe.
Mit diesem Ansatz will die Organisation auch kulturelle Muster infrage stellen, die Gewalt begünstigen. Zugleich soll das Projekt positive Männlichkeit stärken und Menschen dazu ermutigen, in ihrem Umfeld selbst gegen Gewalt Stellung zu beziehen.
Gewalt bleibt in Namibia ein drängendes Problem
Nach Angaben der deutschen Botschaft gehört geschlechtsspezifische Gewalt weiterhin zu den gravierendsten Menschenrechtsproblemen in Namibia. Zwar gibt es mit dem Gesetz gegen Vergewaltigung und dem Gesetz gegen häusliche Gewalt rechtliche Grundlagen. Unterstützung bleibt jedoch gerade in abgelegenen Regionen für viele schwer zugänglich.
Daran setzt das OYO-Projekt an. Es verbindet Prävention, öffentliche Gespräche und konkrete Hilfsangebote an Orten, an denen staatliche und soziale Unterstützung oft schwerer erreichbar ist.
Teil eines größeren Menschenrechtsprogramms
Die Förderung in Namibia ist Teil des weltweiten Menschenrechtsprogramms des Auswärtigen Amts. Nach Angaben der Botschaft unterstützt das Programm jedes Jahr rund 130 Projekte in Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika sowie Osteuropa.
Mit der Förderung für OYO verstärkt Deutschland sein Engagement in Namibia nun gezielt in einem Bereich, der seit Jahren zu den sensibelsten sozialen Konfliktfeldern des Landes zählt.

