Die internationale Sudan-Konferenz in Berlin hat neue Hilfszusagen von rund 1,5 Milliarden Euro für Sudan und seine Nachbarländer mobilisiert. Am Dienstag kamen dazu Vertreter von 55 Staaten, internationalen Organisationen, Entwicklungsbanken sowie sudanesischen und internationalen Hilfsorganisationen in der deutschen Hauptstadt zusammen. Neben der humanitären Finanzierung stellten die Gastgeber auch eine neue politische Botschaft in den Vordergrund: Sudanesische Zivilvertreter sollen stärker in einen Prozess für eine zivile Nachkriegsordnung eingebunden werden.
Drei Jahre Krieg, Millionen Vertriebene
Drei Jahre nach Kriegsbeginn bleibt Sudan eine der schwersten humanitären Krisen weltweit. Mehr als 13 Millionen Menschen wurden gewaltsam vertrieben, darunter mehr als vier Millionen in die Nachbarländer. Fast die Hälfte der Bevölkerung leidet Hunger, zwei Drittel sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Im Konferenzkommuniqué heißt es zudem, 33,7 Millionen Menschen in Sudan benötigten Unterstützung, während Hunger in mehreren Teilen des Landes bereits bestätigt sei.
Berlin machte damit nicht nur die humanitäre Not zum Thema, sondern auch die politische Leerstelle. Die Gastgeber wollten verhindern, dass der Krieg weiter an den Rand der internationalen Aufmerksamkeit rückt, obwohl das Ausmaß der Gewalt und Vertreibung seit Monaten zunimmt.
Druck auf die Kriegsparteien
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, die Afrikanische Union und die Europäische Union hatten die Konferenz gemeinsam ausgerichtet. In ihrem Kommuniqué forderten sie die Kriegsparteien auf, die Kämpfe zu beenden, humanitären Zugang im ganzen Land zuzulassen und alle bürokratischen Hürden für Hilfslieferungen zu beseitigen. Humanitäre Hilfe dürfe nicht von einer Waffenruhe oder einem Waffenstillstand abhängig gemacht werden.

Besonders deutlich fiel die Sprache mit Blick auf Angriffe gegen Zivilisten aus. Die Gastgeber verurteilten Gewalt gegen Frauen und Kinder, ethnisch motivierte Angriffe, Beschuss ziviler Infrastruktur sowie sexualisierte Gewalt. Solche Taten könnten Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen, heißt es in dem Text.
Zivile Stimmen rücken stärker nach vorn
Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der politischen Zukunft des Landes. In Berlin kamen auch sudanesische zivile Akteure auf Einladung des von der Afrikanischen Union geführten Quintetts zusammen. Ziel ist ein inner-sudanescher politischer Dialog, der nach einem dauerhaften Waffenstillstand den Weg zu einem zivil geführten Übergang öffnen soll. Die Konferenz stellte diesen zivilen Strang ausdrücklich als Ergänzung zu den laufenden internationalen Vermittlungsbemühungen dar.
Damit bekam die Berliner Konferenz eine doppelte Funktion. Sie diente einerseits der Nothilfe für Millionen Betroffene, andererseits sollte sie den politischen Raum für eine spätere zivile Ordnung offenhalten.
Hilfszusagen für Sudan und die Region
Nach Angaben der Gastgeber wurden auf der Konferenz Hilfen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Davon entfallen 750 Millionen Euro auf die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten. Das Geld ist für Sudan selbst und für die Nachbarländer bestimmt, die große Zahlen sudanesischer Flüchtlinge aufgenommen haben.
Dieser Krieg geht die Welt an! Und all jene, die Einfluss haben, das Morden und Sterben zu beenden, sind politisch und moralisch aufgefordert, diesen Einfluss auch auszuüben – so @aussenMinDe Wadephul bei der heutigen #Sudan-Konferenz in Berlin. 1/5 pic.twitter.com/2sMld2Q2qE
— Auswärtiges Amt (@AuswaertigesAmt) 15. April 2026
Deutschland hatte bereits vor der Konferenz angekündigt, sein humanitäres Engagement noch einmal deutlich aufzustocken. Zugleich verwies Berlin auf die wachsende Belastung der Nachbarstaaten, die Millionen Geflüchtete versorgen müssen.
Breite internationale Beteiligung in Berlin
An der Konferenz nahmen Delegationen aus Dutzenden Staaten sowie Vertreter zahlreicher UN-Organisationen und Finanzinstitutionen teil. Genannt werden unter anderem OCHA, UNHCR, WHO, WFP, UNDP, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank. Hinzu kamen internationale und sudanesische Nichtregierungsorganisationen sowie Mitglieder der sudanesischen Emergency Response Rooms, die in vielen Teilen des Landes Nothilfe organisieren.

Die Gastgeber hoben deren Arbeit ausdrücklich hervor. Seit Beginn des Krieges im April 2023 wurden dem Kommuniqué zufolge rund 130 humanitäre Helfer im Einsatz getötet. Viele weitere wurden verletzt, festgenommen oder gefoltert.
Krieg bleibt auf der Agenda
Mit der Berliner Konferenz verknüpften die Gastgeber die Zusage, Sudan nicht zu einer vergessenen Krise werden zu lassen. Zugleich forderten sie ein Ende externer Unterstützung für die Kriegsparteien, weil diese den Konflikt weiter verlängere.
Für Deutschland ist die Konferenz auch diplomatisch bedeutsam. Berlin versucht, humanitäre Hilfe, Unterstützung für Nachbarstaaten und politischen Druck auf die Konfliktparteien in einem Format zusammenzuführen, das Sudan wieder stärker auf die internationale Tagesordnung setzt.

