Burkina Faso schließt Großmoschee und verhaftet salafistischen Prediger Mohamed Ishaq Kindo

In Burkina Faso spitzt sich der Streit um Imam Mohamed Ishaq Kindo zu. Nach seiner Festnahme schließen die Behörden die sunnitische Großmoschee in Ouagadougou. Islamische Verbände rufen zur Ruhe auf.

Die Behörden in Burkina Faso haben die große Moschee des sunnitischen Mouvement sunnite in Ouagadougou bis auf Weiteres geschlossen. Die Entscheidung folgt auf die Festnahme des Imams Mohamed Ishaq Kindo und auf Proteste von Unterstützern des Geistlichen in der Hauptstadt. Der Gouverneur von Ouagadougou begründete die Schließung mit Risiken für die öffentliche Ordnung. Die Föderation islamischer Verbände des Landes ruft die Gläubigen zu Ruhe und Zurückhaltung auf.

Behörden verweisen auf die öffentliche Ordnung

Der Gouverneur von Ouagadougou, Abdoulaye Bassinga, ordnete die Schließung der Moschee in der Zone d’activités commerciales et administratives an. Die Maßnahme gilt bis auf Weiteres. In der Verfügung werden mögliche Störungen der öffentlichen Ordnung als Grund genannt.

Die Entscheidung verschärft die Lage rund um den festgenommenen Imam Mohamed Ishaq Kindo. Er gilt als eine einflussreiche Stimme innerhalb der sunnitischen Gemeinschaft in Burkina Faso. Nach seiner Festnahme gingen Unterstützer in Ouagadougou auf die Straße und forderten seine Freilassung. Sicherheitskräfte lösten die Proteste mit Tränengas auf.

Islamische Verbände rufen zur Zurückhaltung auf

Die Fédération des associations islamiques du Burkina, kurz FAIB, bestätigte die Festnahme Kindos am 26. Mai. Die Organisation erklärte, ihr seien die offiziellen Gründe zunächst nicht mitgeteilt worden. Sie habe Schritte bei den zuständigen Behörden eingeleitet, um Informationen über die Lage des Imams zu erhalten.

Zugleich mahnte die FAIB zur Ruhe. Die Gläubigen sollten Spekulationen vermeiden und keine ungeprüften Informationen verbreiten. Regionale Verantwortliche wurden aufgefordert, in ihren Gemeinden für Respekt vor den Institutionen und für die Wahrung des sozialen Friedens zu werben.

Falschmeldung über Tod des Imams dementiert

Am Tag nach der Festnahme verbreitete sich in sozialen Netzwerken ein angebliches Justizschreiben, das den Tod Kindos behauptete. Der Generalstaatsanwalt am Berufungsgericht von Ouagadougou, Sawadogo Désiré Pinguédewendé, wies die Meldung am 27. Mai entschieden zurück.

„Diese Mitteilung ist eine Fälschung und stammt von keiner Justizbehörde meines Zuständigkeitsbereichs“, erklärte der Generalstaatsanwalt. Er sprach von Desinformation und kündigte Ermittlungen der Kriminalpolizei an. Die Ermittler sollen die Verfasser, mögliche Komplizen und Personen identifizieren, die solche Veröffentlichungen weiterverbreiten.

Die Justiz warnte zugleich vor Hassrede, Gewaltaufrufen und Falschinformationen, die die öffentliche Ordnung gefährden können. Die Bevölkerung solle sich nur an offizielle Informationskanäle halten.

Streit um religiöse Rede im öffentlichen Raum

Die Festnahme Kindos fällt in eine angespannte Debatte über Religion, Staat und Sicherheit in Burkina Faso. Der Imam hatte sich zuvor kritisch zu einem Gesetzesvorhaben geäußert, das religiöse Praktiken stärker regeln soll. In Teilen der muslimischen Gemeinschaft gibt es Sorge, dass neue Regeln die Ausübung religiöser Praktiken im öffentlichen Raum einschränken könnten.

Auch Staatschef Ibrahim Traoré hatte sich zuletzt zu religiösen Predigten und Extremismus geäußert. In einer Ansprache sagte er, religiöse Verantwortliche müssten stärker in die Präventionsarbeit einbezogen werden. Traoré sprach von einem „alternativen Diskurs“, der helfen solle, junge Menschen von extremistischer Ideologie fernzuhalten. Er verband seine Aussagen mit der Sicherheitslage im Land und mit der Rolle religiöser Rechtfertigungen in bewaffneten Gruppen.

Damit steht der Fall Kindo nicht allein für eine einzelne Festnahme. Er berührt eine breitere Frage im Land: Wie weit darf der Staat religiöse Rede regulieren, wenn er sie mit Sicherheitspolitik und dem Kampf gegen Extremismus verbindet?

Eine Moschee mit belasteter Vergangenheit

Die sunnitische Großmoschee in Ouagadougou war bereits früher geschlossen worden. In den 1990er-Jahren kam es innerhalb der Gemeinschaft zu schweren Spannungen, die teils in Gewalt umschlugen. Auch Anfang der 2000er-Jahre blieb der Ort geschlossen, bevor er im Oktober 2006 wieder geöffnet wurde.

Die neue Schließung trifft einen religiösen Ort mit hoher symbolischer Bedeutung. Für die sunnitische Gemeinschaft ist die Moschee nicht nur ein Gebetsort, sondern auch ein Zentrum religiöser Orientierung in der Hauptstadt. Weitere offizielle Angaben zur Dauer der Schließung und zum rechtlichen Status des Imams lagen zunächst nicht vor.

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