Russische Söldner nehmen Ärzte ohne Grenzen-Koordinator in Zentralafrika fest

Ein französischer Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen ist im Südosten der Zentralafrikanischen Republik festgenommen worden. Behörden werfen ihm Kontakte zu bewaffneten Gruppen vor.

Ein französischer Koordinator der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist im Südosten der Zentralafrikanischen Republik festgenommen worden. Der Einsatzleiter François Zamparini wurde in der Stadt Zémio im Gebiet Haut-Mbomou von paramilitärischen Kräften der russischen Gruppe Wagner festgesetzt.

Die Festnahme erfolgte am 3. März während eines Treffens mit lokalen Behörden. Zamparini nahm nach Angaben regionaler Medien an einer Sitzung teil, die vom örtlichen Unterpräfekten einberufen worden war.

Behörden erheben Vorwürfe illegaler Einreise

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Bangui soll Zamparini über die Grenze aus der Demokratischen Republik Kongo eingereist sein, ohne einen offiziellen Grenzübergang zu nutzen. Zudem hätten Sicherheitskräfte keine Dokumente gefunden, die seine Anwesenheit im Land rechtlich belegen.

Das Kommunikationsministerium beschuldigte den Mitarbeiter der Organisation, „subversive Aktivitäten zur Unterstützung bewaffneter Gruppen“ betrieben zu haben. Dabei wird insbesondere auf Kontakte zur Miliz Azandé Ani Kpi Gbè verwiesen.

Die Behörden kündigten an, Zamparini nach Bangui zu überführen, wo weitere Ermittlungen stattfinden sollen.

Medien widersprechen Darstellung der Regierung

Mehrere Medienberichte stellen den Ablauf der Ereignisse anders dar. Nach Angaben des zentralafrikanischen Mediums Corbeau News Centrafrique sei Zamparini nicht heimlich nach Zémio eingereist. Vielmehr habe der örtliche Unterpräfekt ihn selbst zu dem Treffen eingeladen.

Die Organisation habe versucht, einen logistischen Korridor zwischen Bangui und Zémio aufzubauen, um Hilfsgüter für tausende Binnenvertriebene bereitzustellen. Viele dieser Menschen leben im kongolesischen Grenzort Nzapay.

Zudem habe Ärzte ohne Grenzen erwogen, Teile der medizinischen Versorgung im Krankenhaus von Zémio wieder zu übernehmen.

Desinformationskampagne in sozialen Netzwerken

Nach Berichten von Corbeau News Centrafrique brachten Mitglieder der Wagner-Gruppe Zamparini zunächst in ihre eigene Basis und übergaben ihn anschließend der Gendarmerie.

Im Anschluss verbreiteten sich in sozialen Netzwerken zahlreiche Beiträge, die den MSF-Mitarbeiter als Agenten im Auftrag Frankreichs darstellen. Mehrere dieser Inhalte sollen automatisiert mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt worden sein.

Diplomatischer Kontext zwischen Frankreich und Bangui

Der Fall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Beziehungen zwischen Frankreich und der Zentralafrikanischen Republik wieder vorsichtig annähern.

Russische Söldner sorgen für Sicherheit für Konvoi mit Präsident der Zentralafrikanischen Republik.
Foto: Clément Di Roma/VOA

Im April 2024 hatten der französische Präsident Emmanuel Macron und Präsident Faustin-Archange Touadéra in Paris eine gemeinsame politische Roadmap vereinbart. Im November 2024 nahm Frankreich zudem seine Budgethilfe für Bangui wieder auf und stellte nach Angaben von Jeune Afrique eine Unterstützung in Höhe von zehn Millionen Euro bereit.

Das französische Außenministerium erklärte, man verfolge den Fall aufmerksam. Weitere Details zu möglichen diplomatischen Schritten wurden zunächst nicht genannt.

Nach Angaben des zentralafrikanischen Verteidigungsministeriums soll Zamparini in den kommenden Tagen nach Bangui überführt werden.

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