USA stoppen Militärtechnologie-Transfer von Südafrika nach China

Die Vereinigten Staaten haben ein gerichtliches Einziehungsverfahren gegen zwei militärische Trainingssysteme eingeleitet, die von Südafrika an die chinesische Volksbefreiungsarmee geliefert werden sollten. Die Systeme wurden auf dem Transportweg abgefangen und stehen im Zusammenhang mit Vorwürfen eines illegalen Technologietransfers aus den USA. Im Fokus der Ermittlungen steht die in Südafrika ansässige Test Flying Academy of South Africa, der Washington eine zentrale Rolle bei der Ausbildung chinesischer Militärpiloten zuschreibt.

Beschlagnahmung von mobilen Trainingssystemen

Nach Angaben des US-Justizministeriums handelt es sich bei den abgefangenen Gütern um zwei sogenannte Mission Crew Trainer (MCTs). Diese mobilen Trainingssysteme fungieren als Klassenzimmer und Simulatoren, mit denen Besatzungen für Frühwarn-, Kontroll- und U-Boot-Abwehrflugzeuge geschult werden können. Ziel der Lieferung war die Volksbefreiungsarmee der Volksrepublik China.

Die US-Behörden erklärten, die MCTs seien auf dem Transport von Südafrika nach China gestoppt worden. Das Justizministerium reichte daraufhin eine Einziehungsklage ein, um die dauerhafte Beschlagnahmung der Systeme zu erreichen. Die Beweislast für die Einziehbarkeit liege im Verfahren bei der US-Regierung.

Vorwürfe gegen südafrikanisches Unternehmen

Im Zentrum der Ermittlungen steht TFASA, ein Unternehmen, das sich auf militärische Flugerprobung und Ausbildung spezialisiert hat und Einrichtungen in Südafrika und China betreibt. Nach Darstellung der US-Behörden wurde TFASA 2003 mit Unterstützung der südafrikanischen Regierung gegründet, um die Zusammenarbeit mit China zu fördern. Auf der eigenen Website habe das Unternehmen angegeben, chinesische Militärpiloten nach NATO-Standards ausgebildet zu haben.

Die nun beschlagnahmten Trainingssysteme sollen unter Nutzung von US-amerikanischer Software und verteidigungsrelevanten technischen Daten entwickelt worden sein. Laut Gerichtsunterlagen lief das Projekt unter der internen Bezeichnung „Project Elgar“ und zielte darauf ab, chinesische Piloten in der U-Boot-Abwehr auszubilden. Dadurch sollte die Fähigkeit der chinesischen Streitkräfte verbessert werden, US-U-Boote im Pazifik aufzuspüren und zu verfolgen.

Nutzung westlicher Militärstandards und Technik

Die Bauweise der MCTs orientierte sich laut Ermittlungsakten an der P-8 Poseidon, dem wichtigsten Seeaufklärungs- und U-Boot-Abwehrflugzeug der USA, das von Boeing hergestellt wird. Die eingesetzte Software basierte auf einem von einem US-Unternehmen entwickelten Flugsimulationsprogramm, das von TFASA-Ingenieuren weiterentwickelt wurde. Dabei kamen technische Daten westlicher U-Boot-Abwehrflugzeuge zum Einsatz.

Zu dem Projekt gehörten nach Angaben der US-Behörden auch ehemalige NATO-Piloten mit Erfahrung in der U-Boot-Abwehr, die an der Entwicklung und Umsetzung der Trainingsinhalte beteiligt gewesen sein sollen.

Einordnung durch US-Behörden

Vertreter mehrerer US-Behörden betonten die sicherheitspolitische Bedeutung des Vorgehens. Das Justizministerium erklärte, TFASA gebe sich als zivile Flugschule aus, fungiere jedoch faktisch als wichtiger Unterstützer der chinesischen Luft- und Seestreitkräfte. Ziel der Maßnahmen sei es, den Abfluss von US-Militärtechnologie und -Know-how an strategische Gegner zu verhindern.

Auch die Bundespolizei FBI sowie die Einwanderungs- und Zollbehörde Homeland Security Investigations verwiesen auf Risiken für die nationale Sicherheit der USA und die Sicherheit von US-Soldaten. Die Ermittler sehen in dem Fall einen Beleg für fortbestehende Versuche Chinas, westliche Militärtechnologie über internationale Netzwerke zu beschaffen.

Vorbelastung und internationale Dimension

Bereits im Juni 2023 hatte das US-Handelsministerium TFASA sowie mehrere Tochter- und Partnerunternehmen auf die sogenannte Entity List gesetzt. Begründet wurde dies mit der Ausbildung chinesischer Militärpiloten unter Nutzung westlicher und NATO-Quellen, was als unvereinbar mit den sicherheits- und außenpolitischen Interessen der USA eingestuft wurde.

Die aktuelle Beschlagnahmung fällt zeitlich mit gemeinsamen Marineübungen Chinas, Russlands und Irans zusammen, die Mitte Januar 2026 in südafrikanischen Gewässern begonnen hatten. US-Stellen sehen darin einen zusätzlichen geopolitischen Kontext für den Fall.

Ermittlungen und rechtliches Vorgehen

Die Ermittlungen werden federführend vom FBI, von Homeland Security Investigations in New York sowie vom Bureau of Industry and Security des US-Handelsministeriums geführt. Die rechtliche Verfolgung liegt bei Bundesstaatsanwälten im District of Columbia und der Abteilung für nationale Sicherheit des Justizministeriums.

Nach Angaben der Behörden ist das Verfahren Teil einer koordinierten Strategie, um illegale Beschaffungsnetzwerke zu unterbinden und den Transfer sensibler Militärtechnologie an ausländische Streitkräfte zu verhindern.

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