China und Dschibuti fordern angesichts der wachsenden militärischen Spannungen am Roten Meer freie Schifffahrt durch die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab und eine stärkere Rolle der afrikanischen Küstenstaaten bei der regionalen Sicherheit. Die Außenminister Wang Yi und Abdoulkader Houssein Omar verständigten sich am 21. Oktober 2026 in Peking auf eine gemeinsame Erklärung. Beide Regierungen warnen vor einer Ausweitung der Nahostkonflikte auf das Horn von Afrika und kritisieren militärische Interventionen externer Mächte. Zugleich sprechen sie sich ausdrücklich gegen eine internationale Anerkennung Somalilands als unabhängigen Staat aus.
Die gemeinsame Positionierung erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Angriffe auf die internationale Schifffahrt, neuer Piraterierisiken und einer wachsenden Militärpräsenz internationaler Mächte in der Region. Dschibuti beherbergt neben chinesischen auch amerikanische, französische, italienische und japanische Militärstützpunkte.
China und Dschibuti fordern freie Schifffahrt durch Bab al-Mandab
Im Zentrum der gemeinsamen Erklärung steht die Sicherheit der internationalen Handelsroute zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Beide Außenminister betonen, dass Handelsschiffe aller Staaten ihre völkerrechtlich garantierten Navigationsrechte uneingeschränkt ausüben können müssen.
Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist damit Teil der wichtigsten Seeverbindung zwischen Europa und Asien über den Suezkanal. Nach Schätzungen des US-Thinktanks Center for Strategic and International Studies (CSIS) passieren rund 16 Prozent des weltweiten Seehandels diesen Engpass.
China und Dschibuti äußern erhebliche Besorgnis über die erneute Zunahme von Piraterie im Golf von Aden und im Roten Meer. Sie rufen die Anrainerstaaten und ihre internationalen Partner dazu auf, im Rahmen des UN-Seerechtsübereinkommens enger zusammenzuarbeiten und wirksame Maßnahmen gegen Angriffe auf Handelsschiffe zu ergreifen.
Zugleich verlangen beide Regierungen, die Souveränität und Interessen der Küstenstaaten bei allen sicherheitspolitischen Maßnahmen zu berücksichtigen. China unterstützt ausdrücklich eine führende Rolle der Anrainerstaaten beim Schutz und der Offenhaltung der internationalen Schifffahrtswege.
Warnung vor Einmischung externer Großmächte
Die Außenminister verbinden ihre Forderungen zur maritimen Sicherheit mit einer Warnung vor einer weiteren Ausweitung der militärischen Konflikte im Nahen Osten.

Nach ihrer Einschätzung bedroht die Verschärfung der Lage am Roten Meer nicht nur die internationale Schifffahrt, sondern auch Handel, Investitionen, Energieversorgung und Ernährungssicherheit der Staaten am Horn von Afrika.
Peking und Dschibuti fordern deshalb alle Konfliktparteien auf, internationale Verpflichtungen einzuhalten und politische Lösungen durch Verhandlungen anzustreben.
Besonders deutlich äußern sie sich zur Rolle externer Großmächte. Diese sollten auf doppelte Standards verzichten, die territoriale Integrität der Staaten respektieren und nicht vorschnell auf militärische Gewalt oder einseitige Sanktionen zurückgreifen.
„Das Horn von Afrika darf keinesfalls zu einem Schauplatz geopolitischer Rivalitäten werden“, heißt es sinngemäß in der gemeinsamen Erklärung. Ebenso dürften sich die Kampfhandlungen im Nahen Osten nicht auf die Region ausweiten.
Die Regierungen bekräftigen ihre Unterstützung für eine diplomatische Lösung der Konflikte in Gaza und im übrigen Nahen Osten. Sie sprechen sich für die Umsetzung bestehender Waffenruhevereinbarungen und eine Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt aus.
China und Dschibuti lehnen Anerkennung Somalilands ab
Ein weiterer Bestandteil der Erklärung betrifft die politische Zukunft Somalias. Beide Staaten stellen sich ausdrücklich gegen Bestrebungen, die abtrünnige Region Somaliland international als unabhängigen Staat anzuerkennen.
Somaliland erklärte 1991 seine Unabhängigkeit von Somalia und verfügt seither über eigene politische Institutionen und Sicherheitskräfte. Die somalische Bundesregierung betrachtet das Gebiet weiterhin als Bestandteil ihres Staatsgebiets.
China und Dschibuti bekräftigen nun, Somaliland sei ein untrennbarer Teil der Bundesrepublik Somalia. Sie unterstützen die Souveränität, Einheit und territoriale Integrität des Landes.
Zugleich verurteilen sie politische Kontakte zwischen Somaliland und Taiwan. Beide Regierungen lehnen jede Form einer Zusammenarbeit ab, die aus ihrer Sicht den chinesischen Anspruch auf Taiwan oder die staatliche Einheit Somalias infrage stellt.
Somaliland und Taiwan unterhalten seit 2020 gegenseitige Vertretungen. Die Beziehungen sind für Peking besonders umstritten, da China Taiwan als Teil seines Staatsgebiets betrachtet.
Die gemeinsame Haltung zu Somaliland verbindet damit zwei politische Konfliktlinien: die Auseinandersetzung um Somalias territoriale Einheit und den internationalen Streit um den Status Taiwans.
Chinas Militärbasis in Dschibuti erhält neue Überwachungskapazitäten
Die sicherheitspolitische Erklärung fällt in eine Phase, in der China seine militärischen Fähigkeiten in Dschibuti ausbaut.
Eine im September veröffentlichte Untersuchung des Washingtoner Center for Strategic and International Studies zeigt anhand kommerzieller Satellitenbilder, dass China seine Militärbasis um zwei neue Kommunikationseinrichtungen erweitert hat.
Die seit Mitte 2024 errichteten Anlagen umfassen Hochfrequenzantennen, Satellitenkommunikationstechnik und mutmaßliche 5G-Sendeanlagen. Nach Einschätzung der CSIS-Forscher könnten sie sowohl die Kommunikation chinesischer Streitkräfte als auch die Erfassung elektronischer Signale in der Region verbessern.
Die neuen Einrichtungen könnten China ermöglichen, Schiffe und Flugzeuge über größere Entfernungen zu koordinieren und militärische Aktivitäten in Teilen Ostafrikas und des Nahen Ostens genauer zu beobachten. Ob die Anlagen tatsächlich zur nachrichtendienstlichen Erfassung fremder Kommunikation eingesetzt werden, lässt sich anhand der Satellitenbilder allein nicht nachweisen.
China betreibt den Stützpunkt seit 2017. Es handelt sich um die erste offiziell bestätigte chinesische Militärbasis außerhalb des eigenen Staatsgebiets. Die Einrichtung dient unter anderem der Versorgung chinesischer Marineverbände, die im Golf von Aden eingesetzt werden.
In unmittelbarer Nähe befinden sich Stützpunkte der Vereinigten Staaten, Frankreichs, Italiens und Japans. Dschibuti gehört damit zu den wenigen Staaten, in denen Streitkräfte mehrerer internationaler Militärmächte auf engem Raum dauerhaft präsent sind.
Dschibuti als strategischer Partner Chinas am Horn von Afrika
Die Beziehungen zwischen China und Dschibuti reichen über die militärische Zusammenarbeit hinaus. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 47 Jahren haben beide Staaten ihre wirtschaftlichen und politischen Kontakte ausgebaut.
Dschibuti unterstützt Chinas internationale Infrastrukturinitiative Neue Seidenstraße und mehrere außenpolitische Initiativen von Präsident Xi Jinping.
China wiederum betrachtet Dschibuti als wichtigen Logistik- und Handelsknotenpunkt zwischen Afrika, dem Nahen Osten und Asien. Die chinesische Regierung hat erhebliche Mittel in Verkehrs- und Hafeninfrastruktur investiert, darunter in die Eisenbahnverbindung zwischen Addis Abeba und Dschibuti.
Bei ihrem Treffen vereinbarten die Außenminister, die Zusammenarbeit im Rahmen des Forums für chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit und des chinesisch-arabischen Kooperationsforums weiter auszubauen.
Peking würdigte zudem Dschibutis Rolle innerhalb der Regionalorganisation IGAD, die sich mit Konflikten und wirtschaftlicher Zusammenarbeit am Horn von Afrika befasst.
China will seine eigenen diplomatischen Aktivitäten in der Region im Rahmen seiner Initiative für Frieden und Entwicklung am Horn von Afrika fortsetzen. Diese konzentriert sich auf Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Regierungsführung.
Dschibuti wiederum hat jemenitische Flüchtlinge aufgenommen. Peking stellte zusätzliche humanitäre Unterstützung im Rahmen seiner Möglichkeiten in Aussicht.

